James Cameron: "Ich werde weiter in 3D drehen!"

"Terminator"-Schöpfer und Hollywoods Pionier in Sachen 3D-Technologie: James Cameron (63). Foto: © Frazer Harrison/Getty Images
1990: James Cameron mit Arnold Schwarzenegger (r.) am Set von "Terminator 2 - Tag der Abrechnung", der in Deutschland am 24. Oktober 1991 ins Kino kam und ab 29. August 2017 in 3D konvertiert wieder aufgeführt wird. Foto: © StudioCanal
1996: James Cameron (r.) mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio am Set von "Titanic", der im Kino weltweit fast 2,2 Milliarden Dollar einspielte und 1998 11 Oscars gewann – darunter die Hauptkategorien "Bester Film" und "Beste Regie". Foto: © Paramount Pictures
2007: James Cameron mit Schauspieler Sam Worthington (r.) am Set von "Avatar - Aufbruch nach Pandora", der in Deutschland am 17. Dezember 2009 ins Kino kam und mit einem weltweiten Einspielergebnis von fast 2,8 Milliarden Dollar der erfolgreichste Film aller Zeiten ist. Foto:© 20th Century Fox
2009: James Cameron und Schauspielerin Sigourney Weaver präsentieren "Avatar - Aufbruch nach Pandora" in Berlin. Der deutsche Starttermin für "Avatar 2" ist für den 17. Dezember 2020 geplant. Foto: © Andreas Rentz/Getty Images
2009: James Cameron und seine Ehefrau Suzy Amis haben sich bei der "Avatar"-Premiere in Tokio 3D-fertig gemacht. Foto: © Junko Kimura/Getty Images
2009: Für seine Blockbuster-Erfolge und tricktechnischen Verdienste in Hollywood bekam James Cameron im Dezember seinen eigenen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Die Laudatio hielt sein "Terminator"-Kumpel Arnold Schwarzenegger. Foto: © Frazer Harrison/Getty Images
2010: Das "Avatar"-Ensemble Sam Worthington, Regisseur James Cameron, Zoe Saldana, Produzent Jon Landau und Sigourney Weaver (v.l.n.r.) feiert den Gewinn des Golden Globes als "Bester Film". Bei den späteren Oscars ging der Film in dieser Kategorie leer aus, gewann aber in den Bereichen "Kamera", "Visuelle Effekte" und "Produktionsdesign". Foto: © Kevin Winter/Getty Images
Zum Re-Release von "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" in 3D sprachen wir mit Kino-Visionär James Cameron über die Zukunft der 3D-Technik und seiner "Avatar"-Saga.

Der 29. August 2017 ist zwar nicht der "Tag der Abrechnung" aber eine weitere kleine Sternstunde der digitalen Revolution im Kino. Denn im Zuge des 25. Jubiläums von "Terminator 2 – Tag der Abrechnung" bringt James Cameron seine gefeierte Sci-Fi-Fortsetzung noch einmal digital überarbeitet und vor allem in 3D ins Kino...

Grußbotschaft von James Cameron zum Re-Release von "Terminator 2"

Wir haben mit dem Oscar-prämierten Kino-Visionär ("Titanic") und 3D-Pionier über die nachträgliche Konvertierung seiner Blockbuster und die Zukunft der 3D-Technologie gesprochen – und dabei auch einiges über die heißersehnte Fortführung von James Camerons "Avatar"-Saga erfahren...

James Cameron im Interview zum Thema 3D

GOLDENE KAMERA: Letztes Jahr feierte "Terminator 2: Tag der Abrechnung" in den USA sein 25. Jubiläum. Feiern Sie solche Meilensteine, indem Sie die Filme in 3D konvertieren?

JAMES CAMERON: (lacht) Ich habe es noch nie aus dieser Perspektive betrachtet, aber die Idee gefällt mir. Am 3. Juli 1991 haben wir "T2" in die amerikanischen Kinos gebracht. Ich weiß nicht, ob sie sich noch daran erinnern, aber in 2004 habe ich versucht, die Kinobesitzer zum Wechsel zur digitalen und 3D Projektion zu überreden. Ich versprach ihnen zwei Dinge: Erstens, dass ich von nun an so viele Filme wie möglich in 3D drehen würde. Gleichzeitig wusste ich, dass das den Bedarf für 3D-Filme nicht decken würde. Also versprach ich ihnen zweitens, dass ich Klassiker konvertieren würde, um ihre 3D-Projektoren auszulasten.

Mein erstes konvertiertes Projekt war "Titanic". Das war eine naheliegende Entscheidung, denn es gab viele Länder wie zum Beispiel China, in denen der Film nie im Kino gezeigt wurde. Mit "Titanic 3D" haben wir 440 Millionen eingespielt. Nach diesem Erfolg stellte sich die Frage: Welchen Film als nächstes? Und da bot sich "T2" an, denn der ist auch noch nie in chinesischen Kinos gelaufen, und dort leben über 1 Milliarde Menschen. Aber auch in der restlichen Welt gibt es neue Generationen, die noch nicht geboren waren, als "Terminator" startete. Die Zahl der potentiellen Kinobesucher war also gigantisch. Und für mich als Filmemacher ist das ein wichtiges Argument, denn meiner Meinung nach sind Filme für die große Leinwand geschaffen!

Trailer zum 3D-Release von "Titanic" (2012)

Abgesehen vom potentiellen Profit – warum hat "T2" eine "zweite Chance" verdient?

Es war weniger eine Frage der Qualität, sondern wie "T2" gedreht wurde. Es gab nur wenig Totalen, sondern die Kamera war immer relativ nah an den Schauspielern, was typisch für meine Actionfilme ist. Und das eignet sich hervorragend für 3D! Der Film war nicht zu schnell geschnitten, die Szenen waren also nicht zu sprunghaft. Und ich wusste, dass das konvertierte Endprodukt gut aussehen würde.

Wie hat sich die Konvertierungstechnik seit "Titanic" verändert?

Einen Film zu konvertieren ist heutzutage schneller, billiger und besser als damals. Wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich "T2" nicht in 3D umgewandelt. Die Konvertierung von "Titanic" war extrem teuer, aber "T2" hat nur halb so viel gekostet.

Trailer zu "Terminator 2 - Tag der Abrechnung 3D" (Kinostart: 29.8.2017)

Was werden Sie als nächstes konvertieren? Haben Sie schon eine Liste?

Ich weiß es noch nicht. Mal sehen, wie gut "Terminator 2" beim Publikum ankommt. Vielleicht "True Lies - Wahre Lügen"? Oder "Aliens: Die Rückkehr"?

Die Welt kennt Sie als 3D-Guru. Ist 3D weiterhin die Zukunft des Kinos?

Die 3D-Technologie fährt schon immer zweigleisig. Man kann mit dem 3D-Kamerasystem drehen, für das ich zusammen mit Kameramann Vince Pace und einigen anderen Pionierarbeit geleistet habe. Oder man nutzt 3D-Konvertierung und wandelt den Film nach dem Dreh um. Ich habe von Anfang an beide Techniken unterstützt, aber ich bevorzuge die native stereoskopische Produktion. Denn wenn man in 3D dreht, kann man die Darstellung räumlich in Echtzeit manipulieren. Man kann die Schauspieler anweisen, einen Schritt vor oder zurück zu treten, einen Stuhl verrücken oder eine nervende Lampe aus dem Bild entfernen. Man hat unmittelbare Kontrolle über Raum und Licht. Es spricht also alles für das Drehen mit stereoskopischen 3D-Kameras.

Das Konvertierungsverfahren ist meiner Meinung nach für Filme der Vergangenheit gedacht. Leider wird diese Umwandlungstechnik von vielen heutigen Filmemachern bevorzugt. 3D-Kameras nutzen leider nur wenige Regisseure wie Martin Scorsese, Ang Lee oder Ridley Scott. Alle anderen drehen in 2D und konvertieren ihren Film später. Aber die umgewandelten Filme belasten die Augen mehr als stereoskopische Filme, und dadurch bekommt 3D ungerechtfertigt einen schlechten Ruf beim Kinogänger. Ich finde, dass Hollywood einen großen Fehler begeht. Denn mit der 3D-Konvertierung ist es, als ob man in Schwarz-Weiß dreht und erst später die Farbe hinzufügt. Ich bin nicht bereit, qualitative Kompromisse einzugehen, und werde weiterhin in nativem 3D drehen!

James Cameron über die Zukunft von "Avatar"

Wir können uns also jetzt schon auf die neuen "Avatar"-Filme in 3D freuen?

Ja, die "Avatar"-Teile 2 bis 5. Das wird ein langer Dreh! (lacht)

Demnach freuen Sie sich schon, die "Avatar"-Welt wieder zu besuchen?

Ich muss mich in einen Film verlieben, um ihn drehen zu wollen. Meine Begeisterung fängt in der Drehbuch-Phase an, während des Schreib- und Designprozesses, wenn die Handlung und die Kreaturen zum Leben erweckt werden. Ich sehe schon die Welten von den nächsten "Avatar"-Filmen vor mir. Jetzt muss ich sie nur noch filmen (lacht).

Trailer zu "Avatar - Aufbruch nach Pandora" (2009)

Was können oder möchten Sie uns schon über die vier "Avatar"-Sequels verraten?

Wir werden versuchen, die vier Filme so zeitnah wie möglich ins Kino zu bringen. Mein Traum wäre ein Film pro Jahr, aber ich glaube nicht, dass wir die Filme so schnell fertigstellen können. Manche Filme werden wahrscheinlich zwei Jahre auseinander liegen müssen. Ich weiß allerdings, dass jede Fortsetzung fantastisch sein wird! Denn der Trick für ein gutes Sequel ist es, dem Zuschauer etwas Unerwartetes zu präsentieren, das ihm trotzdem vertraut ist.

Wie groß ist Ihr "Avatar"-Team?

Ich habe die derzeit besten Design-Künstler der Welt engagiert. Meine Aufgabe ist es, sie so zu motivieren, dass sie jeden Tag ihr Bestes geben. Für die neuen "Avatar"-Filme haben sie nicht nur eine Welt kreiert, sondern zwei: die futuristische Welt der Menschen und die exotische Natur und Kultur von Pandora.

Original-Featurette über den "Avatar"-Planeten Pandora

Werden die neuen "Avatar"-Filme Hollywood inspirieren, mehr stereoskopische Filme zu drehen?

Hoffentlich. Wenn die "Avatar"-Filme viel Geld einspielen, wird das automatisch die native 3D-Produktion beleben. Aber diese Freude wird nur von kurzer Dauer sein. Was die Industrie wirklich in Richtung 3D umlenken könnte, ist das Fernsehen, denn es gibt inzwischen Bildschirme, mit denen man sich stereoskopische Filme ohne 3D-Brillen anschauen kann. Ich nehme an, dass diese Technik sich in den nächsten Jahren extrem weiter entwickeln wird. Und wenn sich 3D dann immer noch nicht durchsetzen kann, wird es wohl keine weitere Chance mehr bekommen.

Interview: Anke Hofmann

Gleiche Rolle, neuer Star

Die Rolle der Daenerys in "Game of Thrones" hat Emilia Clarke reich und berühmt gemacht. Dabei war sie nicht die erste Wahl. In der nie gezeigten Pilotfolge des Fantasyepos spielte Tamzin Merchant ("Tudors") die Rolle. Über die Wechselgründe schweigen die Beteiligten. Der Pilot wurde neu gedreht. Dabei ersetzte zudem Michelle Fairley Jennifer Ehle ("The King’s Speech") als Catelyn Stark. Foto: HBO / Getty Images
Und wieder so eine Last-minute-Entscheidung von Regisseur Peter Jackson . Für sein Drama "In meinem Himmel" hatte er erst Ryan Gosling (kl. Foto) 2008 als trauernden Vater engagiert. Der hielt ein paar Kilo Kummerspeck für die Figur für eine gute Idee. Jackson sah das komplett anders – und holte kurzfristig Mark Wahlberg. Foto: Paramount Pictures France /Getty Images
War Daniel Day-Lewis schuld? Die Hälfte des Historiendramas "There Will Be Blood" war im Kasten, als Kel O’Neill seine Rolle als Eli Sunday abgeben musste. Der Grund: Die intensive Spielweise von Day-Lewis, der auch in den Drehpausen in der Rolle des skrupellosen Ölbarons Plainview blieb, hatte O’Neill völlig eingeschüchtert. O’Neills Part übernahm Paul Dano, der im Film bereits eine andere Rolle spielte. Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures France / Getty Images
Auch Megastars werden umbesetzt. Am Set von "Panic Room" (2002) erwischte es Nicole Kidman. Zwei Wochen hatte sie bereits am Thriller gedreht. Dann kehrte eine Knieverletzung vom "Moulin Rouge"-Dreh zurück. Ihr Ersatz war alles andere als zweitklassig: die zweifache Oscarpreisträgerin Jodie Foster. Foto: Columbia TriStar Films / Getty Images
Für die Sci-Fi-Komödie "Zurück in die Zukunft" war Michael J. Fox stets erste Wahl. Doch dessen Verpflichtungen in einer TV-Sitcom machte es unmöglich. So bekam Eric Stoltz („Die Maske“) den Part. Nach fünf Wochen Dreh war aber klar: Stoltz hat entschieden zu wenig Comedy-Talent. Dank eines neuen Drehplans mit Nachtdrehs konnte Fox schließlich doch verpflichtet werden. Foto: United International Pictures GmbH / Getty Images
Es sollte der größte Auftritt seiner Karriere werden. Nach langem Casting hatte Stuart Townsend ("Shooting Fish") die Rolle des Aragorn. Regisseur Peter Jackson feuerte ihn nach nur zwei Drehtagen. Townsend, damals 26, verriet später "Entertainment Weekly": "Der Regisseur wollte plötzlich jemanden, der 20 Jahre älter und völlig anders war als ich!" Die Rolle erbte Viggo Mortensen (damals 41).Foto: Metropolitan FilmExport / Getty Images
Der Dreh des Antikriegsfilms (1979) war ein Albtraum: Sturmschäden am Set, Verdopplung der Kosten und eine umbesetzte Hauptrolle. Zwei Wochen hatte Harvey Keitel bereits als Captain Willard gedreht. Doch Regisseur Francis Ford Coppola fand sein Spiel "überdreht" und ersetzte ihn durch Martin Sheen. Der erlitt später einen Herzinfarkt, konnte aber weiterdrehen. Foto: United Artists / Getty Images
Anfangs lief alles glatt. Im Casting für die Serie "Hulk" hatte Richard Kiel (der "Beißer" in zwei Bond-Filmen) 1977 noch Arnold Schwarzenegger ausgestochen. Doch nach dem Dreh der Pilotfolge war Kiel den Machern nicht muskulös genug. Nutznießer war der Profi-Bodybuilder Lou Ferrigno, mit dem die Szenen nachgedreht wurden. Foto: D.R./dpa
Vor Captain Kirk war Captain Pike: In der verworfenen Pilotfolge von 1965 war noch Jeffrey Hunter der Chef auf der "Enterprise". Der Sender NBC war mit dem Testballon allerdings unzufrieden. Fast alle Figuren – außer Spock – wurden umbesetzt, bevor "Raumschiff Enterprise" in Serie ging. Als neuer Captain mit an Bord war jetzt William Shatner – der Rest ist TV-Geschichte. Foto: CBS Paramount International/dpa
Was wäre, wenn...? Diese Filme und Serien haben Hauptrollen während des Drehs umbesetzt.
Mehr lesen