Kino-Event der Woche: "Logan Lucky"

Der Oscarpreisträger Steven Soderbergh exklusiv über seine "Ocean's Eleven"-Variante "Logan Lucky" (ab 14. September im Kino) und seinen Kampf gegen Hollywood.

Mit seinem Rückzug aus dem Kinogeschäft und der Abrechnung mit der Branche auf dem San Francisco Film Festival 2013 sorgte Steven Soderbergh (54) für Aufsehen. Doch nach nur vier Jahren kehrt der Mann, der Julia Roberts zum Oscar pushte (in "Erin Brockovich") und ihn für "Traffic" 2001 selbst gewann, mit einer Art Unterschichtenversion seines größten Hits "Ocean's Eleven" zurück.

Darum geht's in "Logan Lucky"

West Virginia, USA: Durch eine Beinverletzung hat Jimmy Logan (Channing Tatum) die Hoffnung auf eine Football-Karriere verloren, seinen Job als Minenarbeiter ist er auch grade los, zudem piesackt ihn seine Ex, weil er sich nur unzuverlässig um die gemeinsame Tochter kümmert. Da hat der an sich unbescholtene, einfache Kerl eine Idee: Mit seinem Bruder Clyde (Adam Driver), einem einarmigen Barkeeper, und Friseusen-Schwester Mellie (Riley Keough) will er sich in zehn Schritten zum Gangster ausbilden und das NASCAR-Rennen in Charlotte bestehlen. Helfen muss dabei Tresor-Experte Joe Bang (Daniel Craig) – doch der sitzt im Knast ...

Trailer zu "Lucky Logan" (Kinostart: 14. September 2017)

Hintergrund

Steven Soderbergh vertreibt den Film ohne Hollywoodstudio, ein Experiment, das unabhängigen Filmemachern Mut machen und positive Folgen für das Business haben könnte.

Interview mit Steven Soderbergh

Sie kommen mit einer Komödie ins Kino zurück. Wollten Sie keinen "ernsten" Film machen?

Exakt! Die Vorstellung, noch ein richtiges Drama wie "Che" zu drehen, habe ich mir damals im Dschungel aus dem Kopf geschlagen. Ein Genrefilm ist eine viel interessantere Herangehensweise. Der ist wie ein Gefäß, mit dem du Inhalte transportierst, die für den Plot nicht wesentlich sind. "Logan Lucky" macht Spaß, hat aber auch andere Dinge im Sinn, die der Zuschauer mitnehmen kann oder auch nicht.

Wird der Eigenvertrieb eines Superstar-Films ohne Studio im Rücken das Business verändern?

Ich hoffe es. Die Studios haben sich abgewendet von Filmen mit einem gewissen Budget, die Erwachsene ansprechen und nicht auf Teufel komm raus blindes Spektakel sein wollen. Mit dem Verkauf der Auslandsrechte ist der Film bezahlt, jedes US-Ticket unser Gewinn. Übrigens: Jeder, den ich kenne, lügt über Kosten! Alles, was Sie dazu lesen, ist falsch. Das ist alles viel teurer. Die ökonomische Situation der Studios ist ungesund.

In den letzten vier Jahren, in denen Sie eine TV-Serie und einen TV-Film drehten, hat sich einiges getan ...

Ja, die Landschaft hat sich verändert. Netflix ist sehr aggressiv, auch Amazon, jetzt kommt Apple mit Inhalten – es ist ein bisschen wie der Wilde Westen! Für mich ist das eine tolle Zeit, denn es gibt viele Adressen, wo ich anklopfen kann ...

Sie haben unterschiedlichste Schauspieler für Ihren Film zusammengebracht – wie war das Casting?

Interessant. Ich wollte ein polyphones Feeling, jede Figur sehr eigen und ausgeprägt, jeder Schauspieler mit etwas Unüblichem oder gar Extremem. Daniel kannte ich privat und wusste um seinen Sinn für Humor – Mann, macht es Spaß, mit ihm abzuhängen! Deshalb dachte ich, er würde es lieben, mal so lustig zu sein wie im wirklichen Leben. Ich lasse meinen Schauspielern ja so viel Freiheit wie möglich, und die komischen Haare etwa waren Daniels Idee! Er schickte mir ein Foto: "Es geht so in diese Richtung." Ich antwortete: "Super!" Mir ist es egal, wie meine Schauspieler aussehen, sie können machen, was sie wollen. Ich denke, das war eine große Befreiung für Daniel nach den Bond-Filmen, bei denen jeder darauf fixiert ist, wie er aussieht.

Sie sind bekannt dafür, zu Ihrer Inspiration exzessiv Filme zu schauen. Was war es diesmal?

"Vier schräge Vögel" mit Robert Redford, einer meiner liebsten Bankräuberfilme. Ich wollte sichergehen, dass wir dieses Listige behalten. Komödien heute sind extrem verbal. Nichts Visuelles passiert, sie halten die Kamera auf Leute, die was sagen. Bei uns gab es keine Schauspieler, die nicht wissen, wo die Gags sitzen. Als Daniel mit Bleistiften und Gummibären eine Bombe baute, musste ich deshalb lauthals loslachen und habe prompt die Szene ruiniert.

GOKA-Wertung

Der skurrile Humor und die sensible Darstellung von Menschen in prekären Lebenssituationen ergänzen sich hier ganz wunderbar.

Muss ich sehen, weil...

..."Logan Lucky" herrlich witzig, schräg und gefühlvoll ist .

Für Fans von...

..."Ocean's Eleven" (2001)

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