Having a "Good Time" – mit Robert Pattinson

In der Indie-Perle "Good Time" zeigt sich der einstige "Twilight"-Schönling Robert Pattinson von einer ganz anderen Seite. Wir trafen den Hauptdarsteller unseres Kino-Events der Woche zum Interview.

Der neue Streich des gefeierten Indiefilmer-Brüderpaars Joshua und Ben Safdie ("Heaven Knows What") gehörte zu den Cannes-Highlights 2017. Das lag auch und vor allem an Hollywoods einstigem Blockbuster-Kassenmagneten Robert Pattinson, der in "Good Time" (ab 2. November im Kino) sein Faible für ungewöhnliche Filmcharaktere sichtbar ausleben konnte...

Robert Pattinson über "Good Time"

Darum geht's in "Good Time"

Eine gute Zeit hat der Kleinkriminelle Connie (Robert Pattinson) gerade nicht. Durch seine Schuld sitzt sein geistig behinderter Bruder Nick (Ben Safdie) nach einem verpatzten Raub im Knast. Und so irrlichtert Connie mit flattrigen Nerven durch New Yorks dreckige neonflirrende Unterwelt, um die Kaution für Nick aufzutreiben.

Trailer zu "Good Time" (Kinostart: 2.11.2017)

GOKA-Wertung

Gauner und Verlierer – dazu Ultranahaufnahmen, Handkamera und puckernder Elektro-Sound: "Good Time" ist packendes, ideenreiches Underdog-Kino vom Feinsten und zeigt Ex-"Twilight"-Vampir Pattinson als ranzigen Antihelden in seiner bislang besten Rolle, die ihm 2017 in Cannes völlig zurecht eine "Goldene Palme"-Nominierung einbrachte.

Muss ich sehen, weil...
...weil eine Odyssee durch New York selten so mitreißend war – auch dank eines grandiosen Robert Pattinson.

Für Fans von...
...großstädtischen Indie-Perlen wie "Tangerine L.A." (2015) und "Spring Breakers" (2012)

Robert Pattinson im Interview

GOLDENE KAMERA: Wenn dieser Film eine "gute Zeit" repräsentiert, wie sieht dann eine "schlechte Zeit" für Sie aus?

ROBERT PATTINSON: Der Begriff "good time" kommt hier aus dem Gefängnisjargon. Er bedeutet, dass man mit gutem Benehmen Strafzeit gut geschrieben bekommen und früher entlassen werden kann. Eine schlechte Zeit habe ich grundsätzlich, wenn ich mich langweile. Ich mag es gerne aufregend und verrückt. Ich gerate gerne mal ein bisschen außer Kontrolle (lacht).

Was war so verrückt an "Good Time", dass Sie unbedingt mitspielen wollten?

Dieser Film über zwei Brüder wurde von zwei Brüdern gedreht. Ich habe vorab Josh Safdie gefragt: "Ich spiele dich, oder?" Sein Bruder Benny Safdie ist der andere Regisseur und spielt meinen Bruder im Film. Das Lustige zwischen Benny und mir ist, dass unsere Rollen vor und hinter der Kamera vertauscht sind. Im Film habe ich das Sagen, aber als Co-Regisseur hat er am Set den Ton angegeben. Manchmal habe ich ihn trotzdem herumkommandiert, auch wenn die Kameras nicht liefen (lacht).

Wie haben Sie die Safdie-Brüder entdeckt? Waren Sie vor dem Dreh befreundet?

Mein Hobby ist es, interessante Filmemacher zu entdecken. Das ist mir sogar wichtiger, als eine gute Rolle zu finden. Ich lese also alle Filmkritiken, schaue mir jeden neuen Trailer an und studiere die Listen der Filmfestspiele. Als ich auf die Safdie-Brüder stieß, dachte ich, dass sie Europäer seien. Als ich hörte, dass sie ein amerikanisches Filmemacher-Duo sind, war ich total überrascht. Das hat sofort mein Interesse geweckt, und ich habe mich mit ihnen getroffen.

Der Film dreht sich um zwei Brüder. Sie selbst haben keinen Bruder, aber zwei Schwestern. Wie sieht Ihre Geschwisterliebe aus?

Meine Beziehung zu meinen Schwestern ist etwas ungewöhnlich. Einerseits stehen wir uns sehr nahe, aber andererseits sehen wir uns kaum. Von unserer Geschwisterliebe wird erwartet, dass sie beständig bleibt, auch wenn wir uns manchmal monatelang nicht sprechen. Verrückt, oder?

Mini-Feature zum Drehort New York in "Good Time"

New York spielt in "Good Time" auch eine große Rolle. Die Safdie-Brüder sind New Yorker. Haben Sie dadurch eine neue Seite dieser Metropole entdecken können?

Und ob. Die meisten Filme, die in New York spielen, zeigen Menschen, die mit erhobenen Kopf durch die Stadt laufen. Aber in "Good Time" zeigen wir die wahre Natur der New Yorker: Kopf nach unten! Wir stellen auch nicht die typischen New Yorker Wahrzeichen zur Schau. Ich hatte immer den Eindruck, dass New York London ähnelte, aber das stimmt überhaupt nicht. Die Städte sind kulturell grundverschieden.

Wo ist momentan Ihr Zuhause?

Das fluktuiert im Moment. Bis Ende des Jahres werde ich in Köln sein und den Sci-Fi-Film "High Life" mit Juliette Binoche drehen.

Interview: Anke Hofmann / Synopsis und Wertung: Angela Zierow

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