George Clooney: "Ich wollte zeigen, dass sich Geschichte wiederholt"

In seiner sechsten Regiearbeit hält George Clooney der intoleranten Gesellschaft den satirischen Spiegel vor. Zum Start von "Suburbicon" trafen wir den 56-Jährigen sowie sein Hauptdarsteller-Duo Matt Damon und Julianne Moore zum Gespräch.

Viermal stand George Clooney selber vor der Kamera der Coen-Brüder (zuletzt für "Hail, Caesar!"). Jetzt hat der Hollywood-Star einen Drehbuchentwurf der Coens als Grundlage für seine sechste Regiearbeit genutzt. Entstanden ist "Suburbicon" (Kinostart: 9. November) – eine Gesellschaftssatire, die zwar Ende der 50er Jahre spielt, aber einen bitterbösen Kommentar auf unsere heutige Gesellschaft gibt, wie uns der stolze GOLDENE KAMERA-Gewinner des Jahres 2000 persönlich verrät...

"Suburbicon"-Regisseur George Clooney im Interview

Darum geht's in "Suburbicon"

In der Vorstadtsiedlung "Suburbicon" ist es 1959 mit der Bilderbuch-Ruhe vorbei, als im Haus von Gardner Lodge (Matt Damon) eingebrochen wird und dabei dessen Frau Rose (Julianne Moore) zu Tode kommt. Zum seelischen Wohle von Sohnemann Nicky (Noah Jupe) zieht Rose's Zwillingsschwester Margaret (auch Moore) ins Lodge-Haus und ruft damit den gewieften Versicherungsdetektiv Bud Cooper (Oscar Isaac) auf den Plan. Und während in Suburbicon der Volkszorn überkocht, weil die farbige Familie Mayers in die weiße Nachbarschaft gezogen ist, holt Spießbürger Gardner zu immer drastischer eskalierenden Gegenschlägen aus...

Trailer zu "Suburbicon" (Kinostart: 9.11.2017)

Im GOKA-Interview erklärt Regisseur George Clooney, welche politische Botschaft hinter "Suburbicon" steht und warum er seinen Hauptdarsteller Matt Damon unbedingt der Lächerlichkeit preisgeben wollte...

George Clooney im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie sind Sie auf "Suburbicon" gestoßen?

GEORGE CLOONEY: Ich hatte verzweifelt nach einem neuen Regie-Projekt gesucht, doch 80 Drehbücher später immer noch nichts passendes gefunden. Als dann in Trumps Wahlkampf Minderheiten zu Sündenböcken erklärt wurden, wollte ich wie schon mit "Good Night, and Good Luck – Der Fall McCarthy" zeigen, dass sich Geschichte wiederholt und all dieses Gerede nichts Neues ist. Ich stolperte dabei über die Dokumentation "Crisis in Levittown" von 1957, in der eine schwarze Familie in eine weiße Gemeinde in Pennsylvania zog und dort wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert wurde. Mich faszinierte das Phänomen, wie Weiße Angst davor haben können, durch Minderheiten ihren Platz in der Gesellschaft zu verlieren. Aber ich wollte nicht nur ein lehrreiches Drama über eine Doku drehen. Also erinnerte ich mich an ein Drehbuch über eine verrückte Familie und Mord, das mir in den 80er Jahren von den Coen-Brüdern angeboten und nie verfilmt wurde. Und die Kombination von beiden Ideen erschien mir die perfekte Lösung.

Wie alt waren Sie, als Sie zum ersten Mal mit dem Thema Rassismus konfrontiert wurden?

Ich bin in den 60er Jahren im Mittleren Westen während der Bürgerrechtsbewegung aufgewachsen. Ich war sieben, als Martin Luther King und Bobby Kennedy erschossen wurden. Die Existenz von Rassismus war mir also recht früh bewusst. Ich erinnere mich noch, wie ich alle meine Spielzeugwaffen meinem Vater gab, der sie dann in einer TV-Show präsentierte. Als ich 13 oder 14 war, dachten wir alle, dass das Problem durch die Aufhebung der Rassentrennung gelöst sei und alles besser werde. Doch unser Land hat seitdem das Thema Rassismus unter den Teppich gekehrt. Ab und zu fackelte es wieder auf, wie etwa 1992 während der Unruhen in Los Angeles. Aber Charlottesville ist das traurige Beispiel, wie aktuell das Thema heutzutage noch ist.

Der Film hat aber auch seine lustige Seite. Haben Sie absichtlich Matt Damon die lächerlichsten Szenen aufs Auge gedrückt?

(lacht) Je lächerlicher, umso besser! Ich habe es so genossen, ihn auf dieses verdammten Kinderrad zu setzen. Zuerst brachten sie mir größere Räder, aber ich wollte, dass Matts Bauch über den Sattel hing und seine Beine nicht zwischen den Lenker passten, so dass er mit abgewinkelten Knien und hängender Wampe treten musste (lacht). Das war meine größte Freude während des Drehs. Matt ist ein sehr talentierter und vielseitiger Schauspieler. Alle kennen ihn als sportlich-taffen Jason Bourne, der jeden fertig machen kann. Ich wollte zeigen, dass er auch als Vollidiot fantastisch ist!

Matt Damon und Julianne Moore über "Suburbicon"

Sie selbst scheuen aber auch nicht davor zurück, sich vor der Kamera lächerlich zu machen...

Die Coen-Brüder haben das in "O Brother, Where Art Thou?" ausgenutzt, als sie mich einen Idioten spielen ließen, was – wenn man Leute fragt, die mich kennen – ziemlich genau beschreibt, wer ich bin (lacht). Ich mache mich gerne über mich lustig. Ich hätte mir nie solch eine Karriere erträumt. Ich habe als Versicherungsverkäufer angefangen, der von Haus zu Haus lief. Ich habe in einem Geschäft für Damenschuhe gearbeitet und Tabak für einen Hungerlohn von $3.33 die Stunde geschnitten. Ich habe mir Anzüge gekauft, die zu groß waren, damit ich mir von dem abgeschnittenen Saum Krawatten nähen konnte. Ich weiß also, wie viel Glück ich in meinem Leben hatte, mich heute in dieser Position zu befinden.

Und die wäre?

56 Jahre alt, verliebt in meine Frau und stolzer Vater von Zwillingen, die mich jeden Tag zum Lachen bringen.

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