Kino-Event der Woche: "Der Mann aus dem Eis"

Wie kam Ötzi ums Leben? Diese archäologische Frage beantworten "Der Mann aus dem Eis"-Regisseur Felix Randau und GOLDENE KAMERA-Preisträger Jürgen Vogel mit Hilfe eines bilgewaltigen Biopics.

Auf dem Internationalen Filmfestival von Locarno wurde ein über 5000 Jahre alter Mordfall gelöst. Denn in seinem dritten Spielfilm "Der Mann aus dem Eis", der im August Weltpremiere feierte und ab dem 30. November in den deutschen Kinos läuft, erzählt Regisseur Felix Randau ("Northern Lights"), wie sich die letzten Tage im Leben der jungsteinzeitlichen Kult-Mumie namens Ötzi zugetragen haben könnten...

Darum geht's in "Der Mann aus dem Eis"

In neolithischer Zeit hat sich der Clan von Stammesführer Kelab (Jürgen Vogel) am Ufer eines Alpen-Bachlaufs niedergelassen. Mit seiner Frau Kisis (Susanne Wuest), Tochter Rasop (Paula Renzler) und neugeborenem Sohn führt der Schamane ein entbehrungsreiches aber zufriedenes Leben. Bis sich Kelab zur Jagd aufmacht und der verfeindete Clan-Chef Krant (André Hennicke) mit seinen Mannen die Siedlung überfällt. Als Kaleb seine getötete Familie findet, macht er sich hasserfüllt auf die Suche nach Krant und seinen Mannen, die ihn ins unwirtliche Gebirge und in persönliche Abgründe führt...

Trailer zu "Der Mann aus dem Eis" (Kinostart: 30.11.2017)

Hintergrund

Im September 1991 fanden zwei Wanderer im Tiesenjoch inmitten der Ötztaler Alpen die gefriergetrocknete Mumie eines Mannes, der zwischen 3359 und 3105 vor Christus zu Tode gekommen sein muss und unter dem medial verbreiteten Spitznamen "Ötzi" posthum Weltruhm erlangt hat. Der Fund einer Pfeilspitze in der Schulter des Mittvierzigers legte 2007 den Schluss nahe, dass Ötzi an den Spätfolgen einer bewaffneten Auseinandersetzung starb.

Die Geschichte des Ötzi-Funds

GOKA-Wertung

Aus diesem archäologischen Forensik-Befund haben Autorenfilmer Felix Randau und sein Kameramann Jakub Bejnarowicz ("Auf kurze Distanz") eine rabiate Rachestory vor atemberaubend in Szene gesetzter Naturkulisse gestrickt. Zum archaischen Plot passt, dass die spärlichen Dialoge des Films von Jürgen Vogel (GOLDENE KAMERA 2003) & Co. in einer nicht untertitelten Frühform der rätischen Sprache geäußert werden und wie der Percussion- und Streicher-getragene Score von Beat Solèr (aka "Seelenluft") nicht zum Verstehen, sondern zum Spüren einladen. Zu diesem existentialistischen Einfühlen trägt auch die schonungslose Darstellung der steinzeitmenschlichen Auseinandersetzungen bei, deren krasse "Survival of the fittest"-Brutalität allerdings für eine FSK-12-Freigabe viel zu drastisch ist.

Mini-Making-of zu "Der Mann aus dem Eis"

Muss ich sehen, weil...
...dieser Konzeptfilm trotz erzählerischer Schlichtheit mit epischen Naturaufnahmen und packenden Darstellerleistungen in seinen Bann schlägt.

Für Fans von...
...Jean-Jacques Annauds "Am Anfang war das Feuer" (1981) und "The Revenant - Der Rückkehrer" (2015)

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