Werden Auslandskrimis im Ersten immer merkwürdiger?

Pasquale Aleardi ermittelt als Kommissar Dupin für das Erste in der Bretagne.
Pasquale Aleardi ermittelt als Kommissar Dupin für das Erste in der Bretagne.
Foto: dpa
Coole Kulisse, dünne Story – die Auslandskrimis im Ersten werden immer absurder.

Seit dem Jahr 2000 gibt es in Venedig einen deutschen Kommissar, der kein Wort Italienisch spricht und definitiv nicht aussieht wie ein Italiener. Der Typ heißt Brunetti hat eine eigene TV-Reihe und ist äußerst beliebt bei den deutschen Zuschauern.

Diese TV-Adaptionen der Donna-Leone-Romane im Ersten sind irgendwie skurril, aber eben auch echte Quotenbringer. Die vermeintliche Erfolgsformel des Formats – deutsche Starmimen spielen einheimische Polizisten in exotischer Kulisse - haben die gewitzten Programmverantwortlichen der ARD schnell erkannt und für ordentlich Nachschub gesorgt. Zeitnah folgte 2003 die „Mordkommission Istanbul“, immerhin mit einem echten Türken (Erol Sander), die demnächst ihre Dienststelle nach Thailand verlegt und Hardy Krüger als „Toni Costa“ auf Ibiza, der eigentlich Hamburger ist – alles tutti oder was?

Lässt sich noch größerer Blödsinn verzapfen?

Ja, wenn z.B. ein Schweizer mit italienischen Wurzeln (Pasquale Aleardi) als Kommissar Dupin in der Bretagne ermittelt oder Franka Potente als Miss Marple von Island im Nebel stochert. Wurde leider schon abgesetzt.

Wäre auch alles kein Problem, wenn man dem großen Vorbild "Donna Leon" nacheifern würde und dabei immer halbwegs genießbare Krimikost auf dem TV-Teller landet. Doch das ist eher selten der Fall. Auch der neue "Barcelona-Krimi" mit Clemens Schick fiel zuletzt beim Publikum durch.

Ein Schelm, der denken würde, dass der wahre Grund für die zahlreichen Auslandsproduktionen darin liegt, dass die fiktional Verantwortlichen bei der ARD eben ab und an auch mal gern in der Sonne drehen wollen und nicht nur an der öden Ostsee, im sumpfigen Spreewald oder düsteren Harz. Aber bitte, wenn schon Ausland, dann richtig: Ich könnte mit gut einen koksenden Drogenfahnder in Mexiko (Til Schweiger) vorstellen, Armin Rohde als korrupten KGB-Wodka-Agenten in Moskau oder Iris Berben als japanische Gerichtsmedizinerin in Tokio. Da geht noch was ARD!

Zum Autor: Seit der DVB-T-Umstellung guckt Jens Gebhardt nur noch öffentlich-rechtliches Pay-TV plus Netflix, Schwerpunkt organisiertes Verbrechen. Doch die merkwürdigen VOX-Auswanderer vermisst er schon. Laufen die bald bei YouTube?

Mehr lesen