GOKA-Nominierte im Gespräch: Tom Schilling

GOKA-nominiert als "Bester deutscher Schauspieler": Tom Schilling (35)
GOKA-nominiert als "Bester deutscher Schauspieler": Tom Schilling (35)
Foto: © Andreas Rentz/Getty Images for ZFF
Was denken die Nominierten der GOLDENEN KAMERA 2017 selber über ihre preisverdächtige Performance? Wir haben bei Tom Schilling ("Auf kurze Distanz") nachgefragt.

Der 35-Jährige gehört zu den profiliertesten Darstellern seiner Generation und ist im Fernsehjahr 2016 durch eine Rolle besonders aufgefallen. Im ebenfalls für eine GOLDENE KAMERA nominierten ARD-Thriller "Auf kurze Distanz" glänzt GOKA-Kandidat Tom Schilling als verdeckter Ermittler Klaus Roth, der sich sich mit dem Clan-Mitglied Luka Moravac (Edin Hasanovic) anfreundet, um so in das Herz der Wettmafia einzudringen.

"Mit großer Intuition spielt Tom Schilling den einsamen Wolf ohne Halt und Illusionen", brachte unsere Experten-Jury Schillings "faszinierende" Schauspielleistung auf den Punkt. Wie er das geschafft hat und warum er Co-Star Edin Hasanovic beim Gewinn der GOLDENEN KAMERA bekochen würde, verrät uns der gebürtige Berliner im Gespräch...

Tom Schilling im GOKA-Interview

Mit der GOLDENEN KAMERA hattest Du ja bereits 2014 zu tun, als der Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" ausgezeichnet wurde. Was würde Dir jetzt der Gewinn Deiner eigenen GOLDENEN KAMERA bedeuten?

Mit den Preisen ist es so eine Sache. Schauspieler sind von Natur aus narzisstisch veranlagt und neigen dazu, ihren Selbstwert eng an Zuspruch von Außen zu knüpfen. Da kommen Preise natürlich ganz gelegen. Aber das herrlich berauschende Gefühl ist erfahrungsgemäß nicht sehr langlebig. Vielmehr bleibt ein Vakuum, das wieder gefüllt werden muss. Alles nicht so einfach.

In "Auf kurze Distanz" spielst Du neben Edin Hasanovic, der ja im vergangenen Jahr die GOLDENE KAMERA gewonnen hat. Was habt Ihr Euch feiermäßig überlegt, wenn Du jetzt nachziehen solltest?

Vielleicht sollten wir damit anfangen, uns überhaupt mal wieder zu sehen. Edin ist ein unverschämt talentierter Schauspieler und super charmanter Mann. Ich denke, ich sollte ihn zumindest zum Essen einladen. ...Wobei, das letzte Mal habe ich ihm meinen Klassiker "Marokkanisches Mandelhühnchen" gekocht – es hat ihm so mittel geschmeckt.

Im damaligen Interview über Deine Undercover-Rolle hast Du uns gesagt, dass verdeckte Ermittler die ultimativen Schauspieler sind. Was konntest Du Dir während der Vorbereitung für Deinen eigenen Schauspielansatz abgucken? Inwiefern ist es für einen guten Schauspieler wichtig, auch ein guter Täuscher zu sein?

Es gibt die unterschiedlichsten Schauspiel-Typen. Ich z.B. versuche, alles über eine Wahrhaftigkeit aus meinem tiefen Inneren herzustellen. Das bedeutet, ich trete eigentlich nicht aus mir selbst heraus, sondern stelle mir eher vor, wie ein 'modifiziertes Ich' – sozusagen die Rolle – in der jeweiligen Situation reagieren würde. Das fühle ich dann tatsächlich und die Dinge passieren einfach. Das hat aber wenig mit Täuschung zu tun. Ich selbst wäre ein miserabler Undercover-Agent.

Dir lag bei "Auf kurze Distanz" auch besonders das Tragödienhafte der Geschichte am Herzen. Was genau ist an der Darstellung schicksalhafter Ausweglosigkeit schauspielerisch so reizvoll?

Ich sehe das Leben grundsätzlich als kurze Episode voller Sehnsucht nach Glück und Vollkommenheit. Wir alle haben unseren Rucksack zu tragen, der uns die Dinge oftmals schwer macht. Als Schauspieler möchte ich so echt wie möglich vom Leben erzählen. So manchem Zuschauer ist das vielleicht zu mühsam und trüb, aber andere wiederrum wissen das zu schätzen und können sich dadurch um so mehr mit meinen Figuren identifizieren. Bei "Auf kurze Distanz" entsteht beim Zuschauer eine unglaubliche Nähe zur Hauptfigur, was dazu führt, dass man mit ihr bangt und hofft – und letzten Endes um sie trauert. Wenn das passiert, habe ich als Schauspieler alles richtig gemacht.

Welche Kriterien muss eine Rolle für Dich erfüllen, dass Du Dich für ein Projekt erwärmen kannst? Welche Rolle spielt der Regisseur dabei?

Der Regisseur ist der Schlüssel. Es sind sehr sinnliche Arbeitsbeziehungen zwischen einigen wenigen Regisseuren und mir. Mit Philipp Kadelbach beispielsweise könnte ich fast alles drehen, weil wir gemeinsam immer in den tiefen Kern, das wirklich Existenzielle einer Figur, einer Szene vordringen wollen. Selbst aus mittelmäßigen Büchern kann man dann starke Filme machen.

Als nächstes sehen wir Dich im ZDF-Dreiteiler "Der gleiche Himmel". Warum sollten wir uns den ab dem 27. März auf keinen Fall entgehen lassen?

In "Der gleiche Himmel" spiele ich einen sogenannten Romeo-Agenten der Stasi – ein Spion, der in der Kunst der Verführung ausgebildet wurde, um an sensible Informationen zu gelangen. Das finde ich per se schon mal super aufregend. Zudem ist "Der gleiche Himmel" ein großes Portrait der siebziger Jahre mit all seinen politischen Spannungen und menschlichen Konflikten. Und das Ende – soviel sei verraten – hat einen riesen Cliffhanger.

Interview: Alexander Attimonelli

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