GOKA-Nominierte im Gespräch: Claudia Michelsen

GOKA-nominiert als "Beste deutsche Schauspielerin": Claudia Michelsen (48)
GOKA-nominiert als "Beste deutsche Schauspielerin": Claudia Michelsen (48)
Foto: © Pascal Le Segretain/Getty Images
Was denken die Nominierten der GOLDENEN KAMERA 2017 selber über ihre preisverdächtige Performance? Wir haben bei Claudia Michelsen ("Ku'damm 56") nachgefragt.

Wie es ist, eine GOLDENE KAMERA in den Händen zu halten, weiß Claudia Michelsen bereits aus eigener Erfahrung. 2013 bekam sie die Auszeichnung als "Beste deutsche Schauspielerin" für ihre Leistung in der Romanverfilmung "Der Turm" verliehen. Im Fernsehjahr 2016 sorgte die 48-Jährige mit zwei genauso herausragende Rollen für Aufsehen. Neben dem Familiendrama "Aus der Haut", in dem sie als Mutter eines seine Homosexualität entdeckenden Teenagers zu sehen war, glänzte Michelsen in dem ebenfalls für eine GOLDENE KAMERA nominierten ZDF-Dreiteiler "Ku'damm 56" als Tanzschulen-Chefin Caterina Schöllack, die mit strenger Hand versucht, ihre drei Töchter auf den richtigen Weg durch die bundesdeutsche Spießergesellschaft der 1950er Jahre zu lotsen.

"Äußerlich stilvoll, prüde, kühl lebt Claudia Michelsen als Caterina Schöllack die Doppelmoral jener Zeit. Das ist brillant interpretiert", urteilte unsere Experten-Jury zutreffend. Warum diese beiden Mutterrollen "ein Geschenk" waren, verrät uns die nominierte Schauspielerin im Gespräch...

Claudia Michelsen im GOKA-Interview

Was würde Ihnen der zweite Gewinn der GOLDENEN KAMERA bedeuten?

Ich würde mich natürlich sehr darüber freuen. Erst einmal weil es einer der schönsten Preise ist die wir haben und weil damit auch zwei mir sehr wichtige Arbeiten prämiert würden, die für mich in der Zusammenarbeit sehr wichtig waren.

Bezüglich Ihres Selbstverständnisses als Schauspielerin – was hat sich seit Ihrer ersten GOLDENEN KAMERA von 2013 verändert?

Es gibt für mich kein Gefühl des Selbstverständnisses in meinem Beruf, da ich bei jeder Figur und mit jeder neuen Geschichte, die wir erzählen, bei Null anfange. Ich bin immer wieder nervös und vor allem neugierig und weiß vorher nie, wohin uns die Reise diesmal treiben wird. Aber das ist für mich auch der Luxus unseres Berufes.

Kommen wir auf die beiden Rollen zu sprechen, für die Sie nominiert wurden: Welcher Part war für Sie emotional und handwerklich herausfordernder – die (vermeintlich) aufgeschlossene Ärztin Susann im zeitgenössischen Familiendrama "Aus der Haut" oder die prüde Tanzschulen-Chefin Caterina Schöllack im ZDF-Dreiteiler "Ku'damm 56"?

Das fällt mir schwer zu sagen, da beide sehr unterschiedliche Figuren sind. Und doch haben beide Figuren unerfüllte Sehnsüchte. Zwei Frauen, die 60 Jahre Geschichte trennen. Unglaublich, wieviel in diesen Jahren passiert ist. Die eine kämpft 1956 um die Existenzen ihrer Töchter, möchte sie versorgt wissen. Und die andere kämpft heute mit einem leider immer noch tabuisierenden Thema um ihren Sohn. Spannend, wenn man in den Vergleich geht.

In beiden Fällen geht es um Frauen, deren jeweilige Gesellschaftsbilder und Lebensentwürfe durch die eigenen Kinder ins Wanken geraten. Inwiefern sind derartige Mutterrollen, die Sie ja auch mit Erfahrungen aus dem eigenen Leben spiegeln können, besonders spannend bzw. wichtig für Sie?

Beide Figuren waren ein Geschenk, wie ich ja immer sage. Anette Hess und auch Jan Braren sind zwei grossartige Autoren. Ich wollte Catharina Schöllack nie schwarz /weiss erzählen, nie einfach nur streng und fast schon bösartig sein – das hätte mich gelangweilt. Die Not einer alleinerziehenden Mutter, die ihre drei Töchter versorgt wissen will, macht ja auch etwas mit einer Frau und vor allem zu dieser Zeit. Die enge Zusammenarbeit mit Anette Hess während des Drehs war großartig für mich. Dadurch gab es ein gemeinsames Suchen und ständiges Hinterfragen mit der Frau, die diese Figur erfunden hat.

Bei "Aus der Haut" war das besondere auch die Arbeit am Set mit dem Regisseur Stefan Schaller, Johann von Bülow und Merlin Rose. Wir haben sehr viel probiert, teilweise auch improvisiert nach einer wirklich starken Vorlage von Jan Braren.

In der Nominierungsbegründung hat die Jury die "brillante Interpretation" Ihrer jeweiligen Rollenvorgaben betont. Wie gelingt es Ihnen immer wieder, so komplett in die Figurenprofile Ihrer Filme einzutauchen?

Das fällt mir schwer, darüber zu reden. Ich denke meine Neugier treibt mich an und natürlich jeweils die Partner und das Team. Ich bin sehr abhängig von dem Umfeld das mich umgibt. Ohne all diese Leute, die ja am fertigen Film nicht minder beteiligt sind, ginge gar nichts.

Was können Sie uns zur angekündigten Fortsetzung "Ku'damm 59" sagen? Was erhoffen Sie sich von der Weiterentwicklung Ihrer Rolle?

Ich kann noch gar nichts dazu sagen, da ich nicht weiß, wo die Reise hingehen wird. Aber ich freue mich schon sehr darauf.

Eine weitere Ihrer markanten Fernsehrollen ist die der taffen Ermittlerin im "Polizeiruf" Magdeburg. Was bedeutet Ihnen Kommissarin Doreen Brasch nach vierjährigem TV-Einsatz?

Es hat ja etwas von einer Heirat, wenn man sich auf ein solches Format einlässt und wie in jeder Ehe bedeutet das auch Arbeit. Aber Brasch bedeutet mir sehr viel, sonst hätte ich sie schon verabschiedet. Friedemann und Christoph Fromm haben diese kraftvolle, besondere Figur erfunden und ich bin sehr dankbar dafür. Ich habe immer noch das Gefühl, es gäbe vieles zu erzählen über diese für mich auch so zarte Frau.

Interview: Alexander Attimonelli

Kommentare einblenden

"Beste Musik International": Ed Sheeran

Preisträger in der Kategorie "Beste Musik International": Ed Sheeran
Preisträger in der Kategorie "Beste Musik International": Ed Sheeran
Foto: © Greg Williams/Warner Music
Er ist der absolute Überflieger der Popbranche: Mit seinen neuen Singles "Castle On The Hill" und "Shape of You" stürmt Ed Sheeran die Hitparaden.
Mehr lesen