GOKA-Nominierte im Gespräch: Lisa Wagner

GOKA-nominiert als "Beste deutsche Schauspielerin": Lisa Wagner (38)
Foto: © picture alliance/Eventpress
Was denken die Nominierten der GOLDENEN KAMERA 2017 selber über ihre preisverdächtige Performance? Wir haben bei Lisa Wagner ("Letzte Ausfahrt Gera") nachgefragt.

Unter den Rollen, mit denen Lisa Wagner im Fernsehjahr 2016 in Erscheinung trat, war eine nicht nur besonders herausfordernd, sondern auch besonders preisverdächtig. Im ZDF-Dokudrama "Letzte Ausfahrt Gera - Acht Stunden mit Beate Zschäpe" schlüpfte die gelernte Theaterschauspielerin in die Haut der mutmaßlichen NSU-Terroristin, die während ihrer Untersuchungshaft 2012 noch einmal ihre Großmutter besuchen darf und auf der Hin- und Rückfahrt von den BKA-Verhörspezialisten Troller (Joachim Król) und Dietrich (Christina Große) begleitet wird.

Lisa Wagner als NSU-Verdächtige Beate Zschäpe © ZDF/ Janett Kartelmeyer
Uwe Böhnhardt (Christoph Förster, l.), Beate Zschäpe (Lisa Wagner) und Uwe Mundlos (Kai-Peter Malina) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
Beate Zschäpe (Lisa Wagner), BKA-Verhörspezialist Troller (Joachim Król) und BKA-Kollegin Dietrich (Christina Große) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
Beate Zschäpe (Lisa Wagner) und BKA-Verhörspezialist Troller (Joachim Król) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
BKA-Verhörspezialist Troller (Joachim Król), Beate Zschäpe (Lisa Wagner) und BKA-Kollegin Dietrich (Christina Große) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
BKA-Verhörspezialist Troller (Joachim Król) und Kollegin Dietrich (Christina Große) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
BKA-Verhörspezialist Troller (Joachim Król) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
Beate Zschäpe (Lisa Wagner) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
Richter Götzl (Axel Milberg) © ZDF/ Janett Kartelmeyer
Beate Zschäpe (Lisa Wagner) © ZDF/ Janett Kartelmeyer

Im intensiven Psychoduell von Grimme-Preisträger Raymond Ley gelang Lisa Wagner eine meisterliche Charakterdarstellung, die unsere Experten-Jury so auf den Punkt bringt: "Exzellent, wie sie mit undurchsichtigem Mienenspiel, in Starre verharrend die Bedrohlichkeit der Frau Zschäpe entlarvt." Warum gerade die Darstellung solcher Doppelbödigkeit zu ihren schauspielerischen Steckenpferden gehört, verrät uns die 38-Jährige im Gespräch...

Lisa Wagner im GOKA-Interview

Inwiefern war die Rolle der Beate Zschäpe eine besondere Herausforderung für Sie?

Schwieriges Thema, schwebendes Verfahren, Opfer, die hinter der Faszination für die Täter zurückbleiben, die Liste ist lang. Als Schauspielerin darf ich mich nicht von meinen Sympathien bzw. Antipathien leiten lassen. Ich kann nur sagen, ich habe versucht, mich einer Form von Wahrheit anzunähern. Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte.

Bei "Letzte Ausfahrt Gera" handelt es sich um ein kammerspielartiges Psychoduell, das Sie sich mit ihrem Kollegen Joachim Król liefern. Inwiefern konnten Sie bei dieser intensiven Schauspielsituation auf Ihre langjährige Erfahrung als Bühnenschauspielerin profitieren?

Wir waren bei 30 Grad im Schatten fünf Tage in einen Minivan gequetscht auf der Autobahn unterwegs und haben frei von Chronologie vor uns hin improvisiert; das kommt dem Probenprozess am Theater schon sehr nahe.

Was bevorzugen Sie handwerklich: Wie im Fall Zschäpe eine reale Person studieren und danach schauspielerisch interpretieren? Oder eine fiktive Figur komplett nach eigenen Vorstellungen kreieren?

Das kann ich gar nicht sagen. Bei realen Personen ist der Rahmen enger gefasst, bestimmte Entscheidungen erübrigen sich; das Interessante ist dann, eine Freiheit innerhalb der Grenzen zu entwickeln. Eine Figur zu erfinden erfordert mehr Entscheidungen, was quälend sein kann, weil man damit andere Möglichkeiten ausschließt. Beides können spannende Aufgaben sein.

In Interviews kommt immer wieder die für viele Ihrer Rollen charakteristische Unnahbarkeit zur Sprache, die Sie als "Kommissarin Heller" perfektioniert zu haben scheinen. Wie schaffen Sie es, hinter der starren Maske scheinbarer Gefühlskälte spürbare Emotionen wie Verletztheit oder – wie im Fall Zschäpe – Bedrohlichkeit durchschimmern zu lassen?

Ich finde Figuren, die ein starkes Schutzschild haben, faszinierend. Je schmerzhafter die Erfahrungen in der Vergangenheit, desto mehr Energie wird aufgewendet, um dem in Zukunft vorzubeugen; die darunter liegende Angst ab und zu durchblitzen zu lassen, das macht mir Spaß. Im Fall Zschäpe war für mich interessant, ihrer Opfer-Fassade ab und zu Risse zu verpassen.

Sollten Sie am 4. März die GOLDENEN KAMERA gewinnen – haben Sie sich schon etwas für Ihre Dankesrede zurechtgelegt?

Nein, da ich im Moment drehe, bin ich dazu noch gar nicht gekommen.

Und wie sieht Ihre persönliche Beziehung zur GOLDENEN KAMERA aus?

Sehr intim würde ich sagen, und da empfiehlt es sich wohl besser zu schweigen…

Interview: Alexander Attimonelli

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Foto: © Pascal Le Segretain/Getty Images
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