GOLDENE KAMERA-Preisträger Ed Sheeran "würde gerne einen richtig guten Film drehen"

GOLDENE KAMERA-Preisträger 2017 in der Kategorie "Beste Musik International": Ed Sheeran (26)
GOLDENE KAMERA-Preisträger 2017 in der Kategorie "Beste Musik International": Ed Sheeran (26)
Foto: © Arne Weychardt / GOLDENE KAMERA
Am 4. März wurde der britische Pop-Superstar in der Kategorie "Beste Musik International" ausgezeichnet. Wir sprachen mit Ed Sheeran über Ehrungen, seine bevorstehende Deutschlandtour und zukünftige Schauspielambitionen.

Sein Auftritt bei der Verleihung der GOLDENEN KAMERA 2017 war eines der absoluten Highlights des feierlichen Abends. Denn nachdem Ed Sheeran von stehenden Ovationen begleitet seine "Beste Musik International"-Trophäe überreicht bekommen hatte, heizte der 26-Jährige dem Saal noch mit einer Live-Performance der Hit-Single-Auskopplung "Castle on the Hill" seines brandneuen Albums "÷" ("Divide") ein...

Ed Sheeran - Castle on the Hill

Wir trafen den frischgebackenen GOLDENE KAMERA-Preisträger und überraschend bodenständig gebliebenen Chartstürmer, der vor der Gala am Rande des roten Teppichs minutenlang Autogramme gegeben und Fan-Selfies gemacht hatte, zum exklusiven Gespräch...

Ed Sheeran im Interview

Sir Elton John ist Ihr Mentor und hat die GOLDENE KAMERA 2003 verliehen bekommen. Haben Sie sich vor Ihrer Anreise mit ihm ausgetauscht?

Echt? Wie cool! Ich habe mich tatsächlich im Vorfeld über die GOLDENE KAMERA schlau gemacht und festgestellt, dass der Preis eine verdammt große Sache ist! Ich fühle mich sehr geehrt ­– und gleichzeitig ein bisschen wie ein Betrüger, wenn man bedenkt, dass vor mir Leute wie Elton John ausgezeichnet worden sind.

Nach ECHOs und GRAMMYs jetzt die GOLDENE KAMERA – welche Bedeutung haben Auszeichnungen für Sie als Künstler und als Person?

Es ist eine schöne Sache, oder? Wie ein aufmunterndes Schulterklopfen, genauso weiterzumachen. Persönlich sind mir Live-Shows und das Auftreten vor meinen Fans am wichtigsten. Aber Preise wie dieser bestätigen Dich in dem, was Du tust.

Die GOLDENE KAMERA wurde Ihnen von James Blunt überreicht. Wie kam es dazu, dass Sie so gut befreundet sind?

Ich war ein Blunt-Fan als ich jünger war. Wir hatten dann irgendwann das gleiche Management und als ich beim gleichen Plattenlabel unterschrieb, fingen wir an, zusammen abzuhängen. Wir haben auch zusammen ein paar Songs für sein Album geschrieben und er war mit mir auf Tour.

Ihre Deutschlandtour (20. bis 27. März) war innerhalb einer Minute ausverkauft und Sie haben drei Nächte nacheinander im Wembley Stadium vor vollem Haus gespielt. Sehen Sie sich selbst noch als individueller Künstler oder als weltweite Marke?

Schwer zu sagen. Ich denke, dass das neue Album die Art und Weise verändern wird, wie mich die Menschen sehen. Ich habe gerade die ersten Verkaufszahlen aus England bekommen und es sieht so aus, als ob dies eine lebensverändernde Verkaufswoche werden wird. Ich werde diese Frage also beim nächsten Album besser beantworten können.

Ihre Karriere liest sich wie ein Märchen, basiert aber auf einer "Niemals aufgeben"-Einstellung, harter Arbeit und strategischer Planung. Woher kommt dieser Antrieb, unbedingt Erfolg haben zu müssen?

Ich habe diesen Tick, dass ich glaube, auf der faulen Haut zu liegen, wenn ich mir einen Tag frei nehme. Deswegen versuche ich, jeden Moment sinnvoll zu nutzen. Außerdem macht mir mein Job wirklich großen Spaß. Es gibt nicht eine Sekunde, an der ich denke, keine Musik mehr machen zu wollen.

In einem anderen Interview haben sie von einem "15 Platten-Plan" gesprochen. Was hat es damit auf sich und warum benennen Sie eigentlich Ihre Alben nach mathematischen Grundrechenarten?

Ein Album zu machen ist einfacher, wenn Du Dir vorher über das Konzept im Klaren bist. In "÷" ("Divide") gibt es eine Reihe grundverschiedener Songs, die alle geteilte Bereiche repräsentieren. Beim Vorgängeralbum "x" ("Multiply") ging es um größere Sounds. Und was die 15 Platten angeht: Ich denke einfach, dass es besser ist, einen Plan zu haben, als einfach nur so in den Wind zu pissen. Wenn Du losmaschierst aber nicht weißt, wo Du hin willst, verläufst Du Dich. Wenn Du aber vorher Deine Endstation kennst, kannst Du auf dem Weg auch mal eine Umleitung nehmen und kommst trotzdem an Deinem Ziel an.

Apropos einen anderen Weg einschlagen: Sie sind nicht nur im Video zu Ihrem aktuellen Hit "Shape of You" schauspielerisch aktiv, sondern Sie waren auch in der Mittelalter-Serie "The Bastard Executioner" zu sehen. War das eine einmalige Sache oder ist Hollywood wirklich ein Thema für Sie?

Ich liebe Filme! Das Schauspielen ist etwas, dass ich zu einem späteren Punkt in meiner Karriere in Angriff nehmen möchte. Ich würde liebend gerne einen richtig guten Film drehen. Aber nichts allzu Ernstes, sondern eher eine Rom-Com in Richtung "Notting Hill" oder "Once" mit einem richtig coolen Soundtrack.

Ed Sheeran in "The Bastard Executioner" (2015)

Für "Der Hobbit: Smaugs Einöde" haben Sie ja bereits den Abspannsong beigesteuert. Haben Sie schon mal daran gedacht, einen kompletten Soundtrack zu komponieren?

Wenn ich in einem Film die Hauptrolle spielen sollte, würde ich sicherlich auch den Score komponieren. Bisher wurde ich soundtrackmäßig aber nur für Kurzfilmprojekte angefragt – also nichts Ernstes.

Ed Sheerans Titelsong für "Der Hobbit – Smaugs Einöde" (2013)

Bei der GOLDENEN KAMERA 2017 haben Sie Schauspielgrößen wie Colin Farrell, Nicole Kidman und Jane Fonda kennengelernt. Wie nehmen Sie als Popstar Hollywood-Stars war?

Für Musiker ist Hollywood eine schräge Sache. Und umgekehrt denke ich, dass für Hollywood Musiker schräg sind. Wir kommen nun mal aus zwei komplett unterschiedlichen Welten. Musiker treffe ich jeden Tag, daher finde ich es immer extrem aufregend, wenn ich Schauspieler treffe. Und denen geht es umgekehrt sicherlich genauso.

Sie sind eng mit dem Künstler Damien Hirst befreundet, der auch zwei Ihrer Tattoos entworfen hat. Angeblich haben Sie sich früher selbst mit dem Gedanken getragen, Künstler zu werden. Warum haben Sie sich letztendlich für die Musik entschieden? Und wann haben Sie realisiert, dass Sie – wie Sie einmal so schön gesagt haben – auch "mit Musik malen können"?

Ich denke, da war ich 13 Jahre alt. Von dieser Kunstsache war ich wirklich besessen, als ich dann aber in der Schule lauter Leute gesehen habe, die weitaus talentierter waren als ich, hat das mein Selbstvertrauen zerstört. Das volle Potential meiner Musik habe ich ungefähr mit 16 begriffen.

Sie haben sich am Anfang Ihrer Karriere von Gig zu Gig gehangelt und bei flüchtigen Bekannten auf dem Sofa geschlafen. Wie ist Ihre Meinung zu musikalischen Talentshows wie "The X Factor"?

Ich sage es immer wieder: Es gibt verschiedene Wege, in der Industrie Fuß zu fassen. Aber sobald Du drin bist, musst Du genauso hart arbeiten wie jeder andere auch. Viele Leute bezeichnen Talentshows als Abkürzung zum Erfolg, aber das ist Quatsch. Ich bin über die Pub-Szene gekommen, andere kommen aus der Songwriter-Ecke oder eben über eine TV-Sendung. Aber sobald Du Dein erstes Album machst, sitzt Du im gleichen Boot. Gegen Talentshows habe ich also keinerlei Einwände. Nur die Stühle in "The Voice" mag ich nicht. In jungen Jahren war ich noch kein besonders guter Sänger und wenn ich mir vorstelle, dass mir damals beim Vorsingen Juroren den Rücken zugedreht hätte, finde ich allein die Vorstellung beleidigend. Ich würde einem jungen Menschen, der mir etwas vorsingt, niemals den Rücken zuwenden.

Musik-Video zu Ed Sheerans "Shape of You"

Sie schreiben auch Songs für andere Musiker wie One Direction und Sie haben erzählt, dass Ihr aktueller Hit "Shape of You" eigentlich für Rihanna vorgesehen war. Wie entscheiden Sie, welchen Song Sie abgeben und welchen Sie lieber für sich behalten?

Es geht bestimmt nicht darum, was der beste Song ist, sondern welcher Song am besten auf das jeweilige Album passt. Auf meinen Platten möchte ich keine Songs haben, die ähnlich klingen. Darüber hinaus entscheide ich mich für die Kompositionen, die mich persönlich am meisten ansprechen.

Haben Sie vor Ihrer Abreise noch Zeit, ein bisschen in die Musik- und Clubszene von Hamburg einzutauchen?

Leider nein, aber ich liebe Hamburg! Und ich liebe Deutschland! Deutschland ist auch deswegen eines meiner Lieblingsländer, weil ich hier von Beginn an Erfolg hatte. Ich habe übrigens mein erstes Deutschlandkonzert hier in Hamburg vor 80 Leuten gegeben. Jetzt auf großer Tour zurückzukommen, ist also etwas ganz Besonderes für mich.

Interview: Alexander Attimonelli

(Weitere Preisträger-Interviews lesen Sie in der am 17. März erscheinenden Ausgabe der HÖRZU.)

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