Nominiert als "Bester Mehrteiler/Miniserie": "Ku'damm 56" (ZDF)

Was wir bereits wissen
Der ZDF-Dreiteiler "Ku'damm 56" zeigt, wie ein Tanz die bigotte Welt der 50er-Jahre revolutionierte.

Die Miniserie spielt in der heilen Welt des deutschen Wirtschaftswunders. Alles dreht sich um das enge gesellschaftliche Korsett, das die Jugend im Deutschland der Nachkriegszeit bändigen soll – etwa 1956 in der fiktiven Tanz- und Benimmschule "Galant" auf dem Kurfürstendamm 56, einer noblen Adresse.

Hier schwingt Caterina Schöllack das Tanzbein – und mit eiserner Hand das Zepter. Die steife Kursleiterin und strenge Mutter dreier Töchter, gespielt von GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Claudia Michelsen 2013, verdrängt private Probleme und hat nur ein Ziel: ihre Mädchen gut unter die Haube zu bringen. Denn nach dem Krieg herrscht Männermangel.

Trailer zu "Ku'damm 56"

Vom Traum zum Albtraum

Tatsächlich heiratet Schöllacks älteste Tochter, die brave Helga (Maria Ehrich), den Juristen Wolfgang von Boost (August Wittgenstein).

Das Lebensziel der 19-jährigen Eva (Emilia Schüle) ist es, ihren Chef (Heino Ferch, GOLDENE KAMERA 2002) zu ehelichen und "Frau Prof. Dr. Jürgen Fassbender" zu werden.

Zum Problemfall wird allerdings Schöllacks jüngste Tochter Monika (Sonja Gerhardt): Wegen "Sittenverstößen" fliegt sie von der Hauswirtschaftsschule. Als sie zudem Opfer einer Vergewaltigung wird, eskaliert die Situation – denn diese anzusprechen gilt in den 50ern als Tabu.

Caterina Schöllack kehrt den Vorfall unter den Teppich. Doch je mehr sie versucht, den Schein zu wahren, desto stärker verwandelt sich ihr Traum von geordneten Verhältnissen in einen Albtraum: Zuerst entpuppt sich Helgas Gatte als homosexuell, dann verliebt sich Eva in einen verheirateten Mann. Und Monika, das Sorgenkind, unterrichtet plötzlich Rock 'n' Roll. "Muttchen" Caterina blickt in einen Abgrund – auch den ihrer eigenen Psyche.

50er-Jahre-Klischees und Tabuthemen

"'Ku'damm 56' ist eine Frauenserie, aber auch für Männer", sagt Heike Hempel, Fernsehspielchefin des ZDF. Mit Verve lassen sie und Drehbuchautorin Hess die 50er-Jahre-Klischees um Kinder, Küche, Kirche und Kochwäsche kollidieren mit den Tabuthemen der Zeit: braune Vergangenheit, versteckte Homosexualität, vertuschte Vergewaltigungen.

Ein weiteres Tabuthema im Film sind Ehemänner, die nicht aus dem Krieg heimkehrten, weil sie ihrer Frauen überdrüssig waren. Sehr glaubhaft verkörpert Claudia Michelsen eine solche Scheinwitwe. Eine Rolle, für die Claudia Michelsen als "Beste deutsche Schauspielerin" von der Jury nominiert wurde.

Die Jury-Begründung

"Treffliche Charakterisierung der Nachkriegszeit zwischen altem Beharren und Aufbruchstimmung. Großartige Kostüme und Ausstattung."

Neben "Ku'damm 56" sind in der Kategorie "Bester deutscher Mehrteiler/Miniserie" die TV-Events "Mörderisches Tal - Pregau" und "Morgen hör ich auf" nominiert. Welcher der drei Favoriten zum Gewinner der GOLDENEN KAMERA gekürt wird, wird erst bei der Verleihung am 4. März verraten. Das ZDF überträgt die große Galashow ab 20.15 Uhr live.

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Auf ein Wort mit... Jury-Mitglied Heike Makatsch

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