Kurz und knackig: "Tempel"

Was wir bereits wissen
In der ersten eigenproduzierten Drama-Serie von ZDFneo steigt Ken Duken als schlagkräftiger Großstadt-Robin-Hood mit skrupellosen Immobilienhaien in den Ring.

Im Comedy-Segment hat der ZDF-Ableger bereits mit Sitcoms wie "Eichwald MdB" und "Lerchenberg" bewiesen, welch spannende Formate möglich sind, wenn man nicht gezwungen ist, für den breiten Massengeschmack zu produzieren. Mit der sechsteiligen Serie "Tempel", die ab dem 29. November dienstags um 21.45 Uhr in drei Doppelfolgen ausgestrahlt wird, treten Regisseur Philipp Leinemann ("Wir waren Könige") und Autorin Connie Lubek jetzt den sehenswerten Beweis an, dass diese Formel auch für den dramatischen Genrebereich gilt.

Darum geht's in "Tempel"

Ken Duken spielt den warmherzigen Altenpfleger Mark Tempel, der mit seiner an den Rollstuhl gefesselten Frau Sandra (Chiara Schoras) und Teenager-Tochter Juni (Michelle Barthel) in einer Altbauwohnung im Berliner Wedding wohnt. Auf ihr Haus haben es aber auch skrupellose Immobilienhaie abgesehen, die den Stadtteil luxussanieren wollen und auszugsunwilligen Mietern Schlägertrupps auf den Hals hetzen. Als auch die Wohnung der Tempels verwüstet wird, sieht der ehemalige Boxer rot und will zum nicht minder brutalen Gegenschlag ausholen. Unterstützung erhofft er sich dabei von seinem ehemaligen Mentor, dem Boxclub- und Bordellbetreiber Jakob (GOLDENE KAMERA-Gewinner 2014 Thomas Thieme). Doch die Rückkehr ins Rotlichtmilieu und das Wiedersehen mit seiner alten Huren-Flamme Eva (Antje Traue), führen dazu, dass Mark immer stärker zwischen seinen Rollen als Familienvater und selbsternannter Kiezrächer hin- und hergerissen wird.

Trailer zu "Tempel" (TV-Start: 29.11.2016)

Dass es Mark nebenbei auch noch mit dem Sterbehilfewunsch einer Pflegepatientin zu tun bekommt, lässt die sechs nur jeweils 30-minütigen "Tempel"-Episoden auf den ersten Blick etwas überkonstruiert und zu dick aufgetragen erscheinen. Die kurze Laufzeit und die wendungsreiche Dramadichte führen aber dazu, dass der Zuschauer ohne Umschweife in eine packende Milieustudie gesogen wird, der Regisseur Leinemann mit atmosphärisch dichten Bildern eine milieugerechte Aura verleiht. Dazu trägt auch das stark aufspielende Ensemble bei, das dem gesellschaftlichen Serienhintergrund der großstädtischen Gentrifizierungsproblematik mit derben Dialogen in Berliner Schnauze eine persönliche Schicksalsnote verleiht und mit ein Grund dafür ist, warum "Tempel" nicht nur für den qualitätsbewussten Hauptdarsteller Ken Duken ein Herzensprojekt werden konnte. Fortsetzung folgt... hoffentlich!

Interview-Feature zu "Tempel" (TV-Start: 29.11.2016)

Wer sollte sich "Tempel" anschauen?

Alle die immer noch daran zweifeln, dass anspruchsvolle Serienunterhaltung auch in Deutschland möglich ist.

Warum muss ich "Tempel" sehen?

Weil detaillierte Milieustudie und persönliches Drama selten so kurz und knackig zueinanderfinden.

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