Serienfinale: Die hohe Kunst des Abschieds

Stand by your man? Im Serienfinale wird sich endgültig zeigen, ob "The Good Wife" Alicia (Julianna Margulies) zu ihrem Ehemann Peter (Chris North) hält.
Stand by your man? Im Serienfinale wird sich endgültig zeigen, ob "The Good Wife" Alicia (Julianna Margulies) zu ihrem Ehemann Peter (Chris North) hält.
Foto: © CBS Broadcasting Inc.
Was wir bereits wissen
Zum Start der finalen Staffel von "The Good Wife" haben wir in der jüngeren TV-Geschichte nachgeforscht, wie man eine Kultserie zum perfekten Abschluss bringt – oder ein Ende mit Schrecken fabriziert.

Seit dem 10. Januar läuft auf FOX die siebte und letzte Staffel der preisgekrönten Drama-Serie "The Good Wife", in der endgültig die Frage beantwortet wird, ob die leidgeprüfte Anwältin Alicia Florrick (Julianna Margulies) an der Seite ihres durchtriebenen Gatten Peter bleibt oder nicht. Darsteller Chris Noth steht damit nach seiner Paraderolle als Mr. Big in "Sex and the City" zum zweiten Mal im Zentrum einer Seriendramaturgie, in der die Suche der Heldin nach Mr. Right den Inhalt der finalen Episode quasi schon im Vorfeld festschreibt.

Original-Teaser zur 7. Staffel "The Good Wife"

Ohne zu viel vom finalen Ausgang zu spoilern, der nach Ausstrahlung in den USA gemischte Reaktionen hervorgerufen hat, sei verraten, dass es für Alicia und den Zuschauer in der abschließenden 156. Episode ein übersinnlich angehauchtes Wiedersehen mit einer in Staffel 5 verstorbenen Schlüsselfigur geben wird. Damit bedienen sich die Serienmacher zweier Formeln, die im Regelbuch der Serienschreibung immer wieder zum großen Finale bemüht werden. Vor allem die Rückkehr eines schmerzlich vermissten Seriencharakters scheint bestens dazu geeignet, treuen Fans den finalen Abschied durch eine besondere Belohnung zu versüßen. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie gut die letzten Plotwendungen mit den erzählerischen Gesetzmäßigkeit harmonieren, die in der jeweiligen Serie über Jahre etabliert worden sind. Ein realistisch erzähltes Drama mit einem irrealen "Kai aus der Kiste"-Twist zu beenden, kann rückblickend ein massives Glaubwürdigkeitsproblem erzeugen und so die ohnehin leidende Fangemeinde vor den Kopf stoßen. Schließlich ist der endgültige Abschied von liebgewonnenen Serienhelden für viele gleichbedeutend mit dem Ende einer langfristigen Beziehung.

Zur Veranschaulichung der funktionierenden Mechanismen und der zu vermeidenden Fallstricke präsentieren wir nachfolgend eine Top 5 der besten und eine Flop 5 der enttäuschendsten Serienfinale. Aber Vorsicht: Spoiler-Gefahr!!!

So geht's richtig: 5 perfekte Serienfinale

"Six Feet Under – Gestorben wird immer" (2001 – 2005, 5 Staffeln mit 63 Folgen)
Das Maß aller Dinge: Während Claire (Lauren Ambrose), der jüngste Spross der Bestatter-Familie Fisher, ihre Heimatstadt verlässt, werden nicht wie so oft in Flashbacks Serienhighlights abgespult, sondern das zukünftige Ableben aller Hauptfiguren visualisiert. Ein bewegender und im Showkontext konsequent zugespitzter Ausgang einer Serie über das Sterben.

Die finale Szene aus "Six Feet Under" (2005)

"Breaking Bad" (2008 – 2013, 5 Staffeln mit 62 Folgen)
Der perfekte Antiheldentod: Drogenkoch Walter White (Bryan Cranston) sorgt in einem letzten Kraftakt dafür, dass die geliebten Menschen, die er mit in den Abgrund gerissen hat, ungeschoren davon kommen, und findet dabei die finale Erlösung.

Die finale Szene aus "Breaking Bad" (2013)

"The Shield – Gesetz der Gewalt" (2002 – 2008, 7 Staffeln mit 89 Folgen)
Das vorbestimmte Schicksal: Die Geschichte des amoralischen Brutalo-Cops Vic Mackey (Michael Chiklis) gipfelt nicht in einen knalligen Action-Abgang, sondern in der fegefeuerartigen Realität eines tristen Schreibtischjobs, bei dem nur mehr der nostalgische Griff zur Waffe seelischen Halt bietet. Strafe muss sein!

Die finale Szene aus "The Shield" (2008)

"Cheers" (1982 – 1993, 11 Staffeln mit 271 Folgen)
Das bittersüße Happy End: „Cheers“-Besitzer Sam Malone (Ted Danson) wird in der letzten Episode nach und nach von seinen Stammgästen verlassen und bleibt alleine mit der einzig wahren Liebe seines Lebens zurück – seiner Bar.

Die finale Szene aus "Cheers" (1993)

"Die Sopranos" (1999 – 2007, 6 Staffeln mit 86 Folgen)
Das offene Ende: Ist Mafia-Boss Tony Soprano (James Gandolfini) gestorben und träumt von einem letzten Familienessen? Oder soll die Szene suggerieren, dass es selbst für einen wie ihn Hoffnung gibt? Die abrupte Schwarzblende als letzte Einstellung war sicher nicht jedermanns Geschmack, sorgte aber dafür, dass „Die Sopranos“ auch nach Serienende lange in aller Munde blieben.

Die finale Szene aus "Die Sopranos" (2007)

So geht's gar nicht: 5 enttäuschende Serienfinale

"Alias – Die Agentin" (2001 – 2006, 5 Staffeln mit 105 Folgen)
Der Verrat am Charakter: Der Hauptfigur einer Serie zum Ende einen Neuanfang zu spendieren, ist durchaus gängige Drehbuchpraxis. Aber Sydney Bristow (Jennifer Garner) über fünf Jahre als taffe Superagentin mit feministischen Zügen zu etablieren, um sie dann in einem Kitschfinale als glückliche Hausfrau in einer Strandidylle zu präsentieren, ist ein Anti-Klimax übelster Sorte.

Die finale Szene aus "Alias" (2006)

"Seinfeld" (1989 – 1998, 9 Staffeln mit 173 Folgen)
Der schwache Abgang: Wenn eine Sitcom voll brillanter Situationskomik und bravourös konstruierter Alltagskatastrophen damit endet, dass die egoistischen Protagonisten Jerry (Seinfeld), George (Jason Alexander), Kramer (Michael Richards) und Elaine (Julia Louis-Dreyfus) im Knast enden, wirkt das nicht wie eine konsequente Zuspitzung, sondern wie ein müder Gag.

Die finale Szene aus "Seinfeld" (1998)

"How I Met Your Mother" (2005 – 2014, 9 Staffeln mit 208 Folgen)
Die Fan-Verarsche: Die Sitcom ist ein mahnendes Beispiel für Serienmacher, keine falschen Erwartungshaltungen zu schüren. Denn wenn am Ende Ted Mosby (Josh Radnor) seinen Kindern gesteht, eigentlich immer seine beste Freundin Robin geliebt zu haben, wird die im Serientitel beschworene Mutter endgültig zur irrelevanten Fußnote degradiert.

Die finale Szene aus "How I Met Your Mother" (2014)

"Lost" (2004 – 2010, 6 Staffeln mit 118 Folgen)
Der Griff in die Trickkiste: Dass der Zuschauer am Ende mit Serienheld Jack (Matthew Fox) realisiert, dass es sich bei der zuvor mühsam eingeführten Parallelwelt, in der die Hauptfiguren nie auf der Insel abgestürzt sind, um eine jenseitige Wunschvorstellung handelt, ist nicht nur erzählerisch enttäuschend, sondern auch ein billiger Drehbuchkniff, zahlreiche offene Mystery-Erzählstränge nicht auserzählen zu müssen.

Die finale Szene aus "Lost" (2010)

"Dexter" (2006 – 2013, 8 Staffeln mit 96 Folgen)
Die Angst vor der Traute: Anstatt Dexter Morgan (Michael C. Hall) mit seiner toten Schwester (und Fan-Liebling) Debra im finalen Meeressturm verschwinden zu lassen, bescheren die Serienmacher ihrem Kultkiller einen bizarr anmutenden „Fortsetzung folgt eventuell“-Epilog, der aber weniger an Hannibal Lecter als vielmehr an Monty Python gemahnt.

Fan-Edit der finalen Szene aus "Dexter" (2013)

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Text: Alexander Attimonelli

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