"Culpa": Der Priester, dem die Verbrecher vertrauen

Wir trafen am Set der deutschen Pay-TV-Serie "Culpa - Niemand ist ohne Schuld" den Priester (Stipe Erceg), dem die Verbrecher vertrauen.

Nein, eine Besichtigung der Kirche ist heute leider nicht möglich. Die junge Frau an der Pforte ist freundlich aber bestimmt. Nach längerer Diskussion zieht der Tourist aus Mecklenburg-Vorpommern schließlich ab. Seine Enttäuschung ist verständlich. Schließlich zählt die Zionskirche in Berlin-Mitte zu den bekanntesten Kirchen der Hauptstadt. Aber heute ist für Besucher nichts zu machen. Die Kirche ist gesperrt - für den Dreh der ungewöhnlichen deutschen Serie "Culpa - Niemand ist ohne Schuld".

Darum geht's in "Culpa"

Sitzt ein Mann im Beichtstuhl... So fangen normalerweise Witze an - und auch die Crime-Serie "Culpa". Doch wer hier Lacher erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen blickt die erste Serien-Eigenproduktion des Pay-TV-Senders 13th Street in die Abgründe der menschlichen Psyche. Die Story: In jeder der vier Folgen trifft ein Priester (Stipe Erceg, "Der Baader Meinhof Komplex") eine Person im Beichtstuhl. Dabei offenbaren diese nicht etwa vergangene Sünden sondern künftige. Gelingt es dem Priester, sein Gegenüber von den geplanten Taten abzubringen?

Trailer zu "Culpa" (Directors Cut)

"Ein Beichtstuhl als Hauptdrehort ist eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten", verrät Regisseur Jano Ben Chaabane GOLDENE KAMERA exklusiv in einer Drehpause. Für die Produktion wurde ein Original-Beichtstuhl aus Süddeutschland ausfindig gemacht; nur die Seitenteile wurden für den Dreh hinzu gebaut. "Die Kamera ist extrem nahe und sehr lange auf den Schauspielern", sagt Chaabane. "Das ist sicher auch ein Grund, warum wir diesen Cast zusammenbekommen haben." Die Besetzung von "Culpa" kann sich in der Tat sehen lassen, neben Erceg sind unter anderem Alina Levshin ("Die Kriegerin"), Mehmet Kurtulus ("Kurz und schmerzlos"), Maxim Mehmet ("Männerherzen") und GOLDENE KAMERA-Preisträger Ludwig Trepte (2014 mit "Unser Mutter, unsere Väter") dabei.

Vor allem Trepte ist von dem ungewöhnlichen Drehort sichtlich beeindruckt. "Wenn man einen Ort wie eine Kirche betritt, dann macht diese besondere spirituelle Atmosphäre was mit einem", sagt der Schauspieler im Interview. Der 28-Jährige spielt einen jungen Mann, der mit sich ringt, ob er den bevorstehenden Mord an einem Mann verhindern soll oder nicht. "Man verhält sich in einer Kirche automatisch anders", so Trepte weiter, "und das ist natürlich ein toller Impuls, an eine Figur heranzugehen."

Ein unkonventioneller Priester

Sein Szenenpartner Stipe Erceg hat es noch leichter, sich in seine Rolle einzufühlen. Sein Vorteil? Das Kostüm. "Die Soutane anzuziehen, ist die beste Vorbereitung", verrät Erceg im Gespräch. "Der Körper ist aufgerichtet, ich bewege mich anders. Es gibt mir eine völlig andere Haltung - allein schon, weil es keine Hosentaschen gibt, in die ich meine Hände stecken könnte." Dabei ist Ercegs namenloser Priester kein durchschnittlicher Geistlicher. Über dessen mysteriöses Vorleben erfährt der Zuschauer erst nach und nach mehr. Um besonders aufreibende Beichten zu verarbeiten, geht der Priester schon mal bowlen - mitten im Kirchenschiff, auf heiligem Boden.

Der Dreh war nicht das erste Mal, dass Stipe Erceg in einem Beichtstuhl saß. "Ich war vor rund vier Jahren das letzte Mal bei der Beichte. Ich habe keine grausamen Verbrechen in meinem Leben begangen, aber ich glaube, wir alle begehen tagtäglich viele Sünden, und sei es nur im Gedanken. Jeder von uns hat seine Dämonen."

Würde Erceg in so einer Situation das Beichtgeheimnis brechen, um ein Verbrechen zu verhindern? "Diese Frage stellt sich für mich nicht", so der Hauptdarsteller entschieden. "Ein Priester würde das niemals tun. Punkt. Die Kunst besteht darin, den Anderen dahin zu führen, dass er selbst die richtige Entscheidung trifft."

Das versucht der Priester in "Culpa" auch im Fall von Eve (Alina Levshin). Die junge Frau ist auf der Suche nach der Kronzeugin, die ihren kriminellen, inhaftierten Vater belastet. "Eve sitzt zum ersten Mal in ihrem Leben im Beichtstuhl", verrät Alina Levshin GOLDENE KAMERA. "Genau wie ich selbst beim Dreh auch. Dieses Gefühl habe ich gut für die Rolle nutzen können." Neuland war die relativ kleine Produktion für die 32-Jährige auch in anderer Hinsicht: "Ich hatte nur wenige Drehtage, aber mit sehr langen, extrem tiefsinnigen Dialogen. An so einem Projekt habe ich noch nie gearbeitet."

Deutsche Serien - der neue Trend

Mit "Culpa" versucht sich Pay-TV-Sender 13th Street erstmals an einer deutschen Serie – und liegt damit voll im Trend. Auch die Pay-TV-Sender Sky ("Babylon Berlin") und TNT Serie ("4 Blocks") drehen jetzt auf Deutsch. Dazu kommen die ersten deutschen Serien der On-Demand-Dienste Amazon ("You are Wanted"), Maxdome ("Jerks") und Netflix ("Dark"). Eine riesige Chance, wie Alina Levshin findet. "Ich habe große Hoffnung, dass die neuen Plattformen sich als Produzenten von ungewöhnlichen Stoffen in Deutschland etablieren, nicht nur auf die Quote schauen, sondern auch etwas Neues ausprobieren und wagen." Ob Alina Levshins Stoßgebet in Fall von "Culpa" erfolgreich war, erfahren die Zuschauer im Sommer 2017 beim Pay-TV-Sender 13th Street.

Auf diese deutschen Filme und Serien können Sie sich 2017 freuen:

Text: Michael Tokarski

Kommentare einblenden

Chaos-Duo Ulmen und Yardim: "Wir leiden für die ganze Welt"

Treffen zwei der lässigsten deutschen Schauspieler aufeinander, wird's peinlich: In der Comedyserie "Jerks" spielen Christian Ulmen und Fahri Yardim sich selbst.
Mehr lesen