Tom Wlaschiha: "Ich habe mir privat eine Abschussliste wie Arya angelegt!"

Tom Wlaschiha nimmt in der 6. Staffel "Game of Thrones" als Jaqen H'ghar eine zentrale Position ein und wird für Arya Stark zur Schlüsselfigur. Zum Start der Free-TV-Premiere (ab 11. März, RTL II, 20.15 Uhr) trafen wir den Schauspieler zum Interview.
Trailer zur 6. Staffel "Game of Thrones"

Tom Wlaschiha, der den Auftragskiller Jaqen H'ghar und Lehrer von Arya spielt, verrät uns im Interview, was er von seiner Schülerin lernen konnte und, dass sich auch in Bravos keiner seines Lebens sicher sein kann.

Interview mit Tom Wlaschiha

Nicht mehr "Winter is coming!" lautet das Motto der 6. Stafel, sondern "The dead are coming!". Prägt auch der Auftragsmörder Jaqen H'ghar diesen Slogan?

Irgendwann kommt immer der Tod bei 'Game of Thrones'. Jaqen H'ghar allerdings macht sich ja selber nicht die Hände schmutzig - zumindest nicht live auf dem Bildschirm. Ich lasse das alles für mich erledigen - oder ich mache das nach den Folgen sozusagen. (lacht) Aber ja, die Handlung spitzt sich zu. Der Slogan bezieht sich allerdings eher auf die Armee der Untoten, die nördlich der Mauern rumlungern.

Dann geht es blutrünstig zu?

Ja! Ich habe auch einiges zu tun in der 6. Staffel. Man kann sich auch in Braavos seines Lebens nicht mehr sicher sein.

Sicher sind auch die Darsteller nicht. Wie erfahren die Schauspieler, dass ihre Rolle sterben muss?

Da die Serie nun die Bücher überholt hat und es daher keine Vorlage mehr gibt, weiß tatsächlich keiner, wer noch in der nächsten Staffel mit dabei sein wird. Wir haben Optionsverträge und müssen uns die Drehzeit freihalten, aber ob wir dabei sind, das erfahren wir immer erst kurz vor dem Dreh der neuen Staffel. In der Vergangenheit war es so, dass einige größere Rollen vorher eine Einladung zum Essen mit den Produzenten bekamen und ihnen dabei mehr oder weniger schonend gesagt wurde, dass sie nicht mehr überleben.

Und wie haben Sie erfahren, dass es für Sie in der 5. Staffel weitergeht?

Die Produzenten haben mir am Ende der 2. Staffel gesagt, dass sie die Idee haben, mich irgendwann wieder reinzuschreiben. Aber es wurde nichts dazu gesagt, wann und wie das passiert. Ich hatte immer gehofft, dass das passiert, aber ich konnte mir nicht sicher sein, weil meine Rolle in den Büchern ja nicht mehr auftaucht. Und dann habe ich vor der 5. Staffel den Anruf bekommen und wurde gefragt, ob ich wieder dabei sein wolle - und ich wollte!

Glauben Sie, dass Sie wieder mit dabei sind, weil Sie für die Geschichte wichtig sind? Oder sogar für Aryas Geschichte?

Da kann ich jetzt nur spekulieren. Auf der einen Seite hatte das einen praktischen Grund. Denn es treten so wahnsinnig viele Charaktere auf, dass man manchmal selbst als Mitwirkender den Überblick verliert, wer zu welcher Familie gehört und wer gerade welche Intrigen in Schilde führt. Daher machte es Sinn, bei einem Gesichtslosen, der einmal eingeführt worden ist, zu bleiben. Einfach um den Wiedererkennungseffekt bei den Zuschauern zu haben. Und dann war es glaube ich so, dass meine Rolle in der 2. Staffel bei den Fans relativ populär war. Und ich glaube, die Produzenten gucken sich schon das Feedback an und entscheiden entsprechend. Das war dann mein Glück, weil das eine sehr geil geschriebene Rolle ist.

Nach dem Finale der 5. Staffel ist ja nun auch klar, dass Jaqen H'ghar gar nicht sterben kann.

Ja, das ist das Praktische an der Rolle. Wir haben das zwar noch nicht komplett ausdiskutiert, aber wie ich das sehe, wird es ziemlich schwierig, mich um die Ecke zu bringen. Also selbst, wenn man mich jetzt umbringt, könnte irgendjemand anderes kommen und mein Gesicht nehmen. Dann wäre ich also auch wieder mit dabei.

Das Mystische an der Rolle transportieren Sie bereits über ihr besonnenes, ruhiges Spiel. Steht das so im Drehbuch geschrieben oder haben Sie so der Rolle ihren ganz eigenen Charakter verliehen?

Zum Teil ist es durch das Drehbuch, also den Sprachgestus der Figur, vorgegeben. Ich habe natürlich meine eigene Interpretation mit eingebracht. Ich dachte, wenn Jaqen H'ghar ständig so kompliziert von sich in der Dritten Person spricht, also der Satzbau nicht stimmt, und ich auch noch schnell rede, dann versteht ja keiner mehr was. Deswegen war das mein erster Impuls, die Rolle reduziert und verführerisch zu spielen. Und das fanden die Produzenten dann wohl auch ganz gut.

Da Sie sich selber synchronisieren, können Sie das auch in der deutschen Fassung gut rüberbringen.

Ja, das möchte ich auch immer gerne selber machen, soweit das möglich ist. Ich finde schon, dass Sprache 50 Prozent der Darstellung von einem Schauspieler ist. Es fühlt sich extrem seltsam an, wenn mich jemand anderes in meiner eigenen Sprache spricht. Da kriegt man eine Persönlichkeitsspaltung. (lacht)

In der 5. Staffel werden Sie Aryas Lehrer. Was konnten Sie von Ihrer Rolle lernen?

Ich habe mir nun auch privat eine Abschussliste angelegt. (lacht) Solch eine Liste hat sich ja eigentlich Arya angelegt, aber ich dachte mir, ich mache das jetzt auch mal.

Als Arya das von Ihnen Gelernte nicht befolgt, nehmen Sie ihr das Augenlicht. Bringen Sie sie auch in der 6. Staffel an ihre Grenzen?

Am Ende der 5. Staffel geht sie noch nicht bis an ihre Grenzen. Sie ist ja immer noch ein bisschen verstockt und versucht, ihre eigene Persönlichkeit zu behalten. Obwohl ich ihr gesagt habe, dass sie diese ablegen muss, um eine echte Gesichtslose zu werden. Das kann sie aber nicht. Insgeheim ist sie immer noch Arya. In der 6. Staffel werden wir sehen, ob sie das durchhält oder ich mich durchsetze.

Der Dreh zur 7. Staffel ist ja gerade beendet worden. Können Sie verraten, warum die Dreharbeiten im Winter und nicht wie sonst im Sommer begannen?

Das Motto war ja am Anfang 'Winter is coming!'. Mein persönliches Motto der 7. Staffel ist 'Winter is here!'. Das heißt, wir brauchten schlechtes Wetter, daher wurde der Dreh nach hinten verschoben. Sonst wurde immer von August bis Dezember gedreht und nun von Oktober bis Februar. Der Ausstrahlungstermin der 7. Staffel verschiebt sich also auch nach hinten und ist erst im Juni dieses Jahres und nicht wie sonst schon im April. Ich nehme an, dass sich der Dreh und die Ausstrahlung der 8. Staffel dann auch weiter nach hinten verschiebt.

Gerade haben Sie mit Ken Duken den Film "Berlin Falling" gedreht. Wie war der Dreh und die Zusammenarbeit?

Die Arbeit mit Ken war toll und herausfordernd. "Berlin Falling" ist ein Roadmovie und Ken’s erste Langfilm-Regiearbeit. Es ist immer etwas Besonderes, wenn ein Schauspieler selbst Regie führt, weil man dann ein sehr starkes Gegenüber hat, der oft eine ganz klare Vorstellung davon hat, wie man eine Rolle spielen kann. Ken ist ein sehr sensibler und intelligenter Schauspieler, und es hat großen Spaß gemacht, mich in seine Hände zu begeben und spielerisch an neue Grenzen zu stoßen. Obwohl ich mir geschworen habe, dass das mein letzter Winterdreh war, da Brandenburger Landstraßen bei minus 15 Grad nicht immer ein Vergnügen sind. Wir sind alle sehr stolz auf das Ergebnis und haben bei einigen Screenings letzten Monat sehr viel positives Feedback bekommen. Der genaue Starttermin steht zwar noch nicht fest, aber der Film kommt sehr bald ins Kino.

Interview: Tanja Beeskow

Die 10 besten Serienstarts im März 2017

Mit Aschermittwoch ist der ganze Spaß vorbei? Von wegen! Die Fernsehsender und Streaming-Dienste fahren nämlich in ihrem Programm eine Vielzahl an neue Serien-Highlights auf, die diesen Monat für Best of Entertainment sorgen werden.
Mehr lesen