Der Herrscher von Texas: Pierce Brosnan im Wilden Westen

Ex-007 Pierce Brosnan spielt in der neunen TNT-Serie "The Son" (nach dem Bestseller von Philipp Meyer) den Begründer eines mächtigen Clans in Texas.

Der Westen ist gnadenlos und brutal: Im Jahr 1849 überfallen Komantschen in Texas die kleine Farm der Siedlerfamilie McCullough. Sie töten die Eltern und nehmen ihren zwölfjährigen Sohn Eli einfach mit. Der Junge lebt drei Jahre lang mit den Indianern zusammen, erlernt dabei ihre Kriegskünste und übernimmt ihre Lebensweise. Anschließend kehrt er zurück in die Welt der Weißen und baut ein mächtiges Imperium auf, zuerst als Rinderzüchter, später als Ölbaron.

Trailer zu "The Son"

Drehbuch-Vorlage für Pulitzer-Preis nominiert

Es ist ein faszinierendes Epos, das die neue US-Serie „The Son“ erzählt. Sie basiert auf dem gleichnamigen Roman (deutsch: „Der erste Sohn“) von Philipp Meyer aus dem Jahr 2013. In den USA war er ein Bestseller, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und war für den Pulitzer-Preis nominiert. Autor Meyer erzählt darin anhand der (frei erfundenen) Geschichte des einflussreichen McCollough-Clans über 150 Jahre amerikanischer Geschichte – und dazu von der Psyche einer ganzen Nation. Bei der Serie ist Meyer als Produzent und Autor dabei.

Die Hauptrolle als Patriarch der Familie spielt ein echter Topstar: der ehemalige James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan. „Eli ist ein Mann, der von Gewalt umgeben aufgewachsen ist“, sagt Brosnan über seine Rolle. „Er hat drei Familien verloren: zuerst seine biologische, dann seine Komantschen-Gemeinde und zuletzt seine Ehefrau. Wenn es also darum geht, seine Familie zu beschützen, ist er ein Mensch ohne Gnade und Skrupel.“ Den Namen „Der erste Sohn“ trägt Eli, weil er am selben Tag geboren wurde, an dem Texas sich von Mexiko unabhängig erklärte und zur eigenständigen Republik wurde. Das war am 2. März 1836, erst im Jahr 1845 erfolgte der Anschluss an die Vereinigten Staaten.

Brosnan benötigte keine lange Bedenkzeit, als die Anfrage für die Rolle kam. „Ich verschlang die Drehbücher an einem Nachmittag, rief am nächsten Tag den Produzenten an und sagte für die Rolle zu“, erzählt er. „Kurz danach saß ich schon auf dem Rücken eines Pferdes und drehte bei 40 Grad Hitze mitten in der Wüste von Austin, Texas. Das Pferd schwitzte – aber bei mir tropfte der Schweiß noch viel mehr.“ Erzählt wird die Story in Zeitsprüngen. Die Rolle des jungen Eli, der unter Indianern aufwächst, spielt der 20-jährige Jacob Lofland. Er ist ein talentierter Newcomer, der schon in der Serie „Justified“ und mit einer Nebenrolle im Science-Fiction-Film „Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste“ für Aufsehen sorgte.

Featurette zu "The Son"

Die meisten Darsteller in „The Son“ dürften dem deutschen Publikum unbekannt sein, Brosnan ist der unangefochtene Star. Erstaunlicherweise entdeckte er Gemeinsamkeiten zwischen sich und seiner Figur Eli: „Ich komme selbst aus zerrütteten Familienverhältnissen“, erzählt der 63-Jährige. „Mein Vater hat meine Mutter früh verlassen, ich bin bei Tanten und Onkeln aufgewachsen. Also kenne ich das Gefühl, abgeschoben, verlassen und allein zu sein. Diese Lebenserfahrung hat mir geholfen, mich in Eli hineinzuversetzen.“ Fast so etwas wie Neuland war für ihn dagegen der Dreh fürs Fernsehen. Zwar feierte Brosnan seinen Durchbruch als Schauspieler 1982 mit der Serie „Remington Steele“ und war danach auch hin und wieder mal im Fernsehen zu sehen. Seinen Schwerpunkt setzte er aber stets auf Kinoproduktionen – vor und hinter der Kamera.

„Die großartigen Serien der jüngeren Vergangenheit haben auch mich begeistert“, sagt er. „Die vergangenen fünf Jahre habe ich nach einer passenden für mich gesucht. Es ist jetzt alles ganz anders als zu Zeiten von ,Remington Steele‘. Wir waren damals brav und harmlos verglichen mit den aktuellen Produktionen. Heute sind Serien das Maß aller Dinge, die Geschichten meist erfrischend und berauschend.“Für die erste Staffel von „The Son“ wurden zehn Folgen gedreht. Bei Erfolg soll es weitergehen: Weil der Roman noch viel Stoff bietet, unterschrieb Brosnan bereits eine Option für zwei weitere Staffeln mit je zehn Folgen. Könnte also gut sein, dass er schon bald wieder aufs Pferd steigen und in der Wüste schwitzen muss!

Text: Anke Hofmann / Sven Sakowitz

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