"The Son"-Patriarch Pierce Brosnan: "Ich komme selbst aus zerrütteten Familienverhältnissen"

Pierce Brosnan als texanischer Wild-West-Patriarch Eli McCullough in seiner neuen Serie "The Son"
Pierce Brosnan als texanischer Wild-West-Patriarch Eli McCullough in seiner neuen Serie "The Son"
Foto: © Van Redin/AMC
Am 14. April kehrt Pierce Brosnan als Chef eines texanischen Familienclans ins Fernsehen zurück. Was die Bestseller-Adaption "The Son" mit seinem eigenen Leben zu tun hat, verrät uns der ehemalige Bond-Darsteller im Interview.

30 Jahre nach dem Ende von "Remington Steele" kehrt Pierce Brosnan ab dem 14. April um 21 Uhr auf TNT Serie ins Fernsehgeschäft zurück. In der 10-teiligen Western-Saga "The Son" von Philipp Meyer, der hier seinen eigenen Bestseller "Der erste Sohn" aus dem Jahre 2013 adaptiert, spielt der 63-Jährige den Patriarchen eines texanischen Vieh- und Ölimperiums. Da Eli McCullough im Gründungsjahr der texanischen Unabhängigkeit von Mexiko geboren wurde und als entführtes Kind bei einem Comanchen-Stamm aufgewachsen ist, sieht der kämpferische Patriarch die zivilisatorische Zähmung seiner wilden Heimat jedoch mit Sorge.

Pierce Brosnan glänzt in der Rolle eines markigen Mannes, der nach schweren Schicksalsschlägen das Wohlergehen von Heim und Familie über alles geht. Ein Charakterzug, der dem GOLDENE KAMERA-Preisträger von 2007 auch aus privaten Gründen sehr am Herzen liegen...

Pierce Brosnan im Interview

In "The Son" spielen Sie einen waschechten Texaner. Wie viel Wilder Westen steckte vor dieser Serie in Ihnen?

Ich bin an den Ufern des irischen Flusses Boyne aufgewachsen. Ich kannte Texas und den Wilden Westen also nur vom Cowboy-und-Indianer spielen. In meiner Heimatstadt gab es zwei Kinos: das Palast und das Lyric. Dort habe ich meine Film-Schulung absolviert. Einer meiner ersten Filme, die ich als junger Bursche sah, war "Flucht in Ketten" mit Tony Curtis und Sidney Poitier. Das war mein erster Geschmack von Amerika. Aber ich hatte keinerlei Ahnung über Texas oder das Leben dort.

Erfüllen Sie sich mit dieser Rolle also einen Kindheitstraum?

Diese Serie kam ganz unerwartet. Eigentlich wollte ich im Sommer letzten Jahres einen Film in Russland drehen, aber das Projekt platzte kurzfristig. Dann wurde mir plötzlich "The Son" angeboten. Ich wusste, worum es in der Serie ging, denn ich hatte vor drei Jahren angefangen, den Roman von Autor Philipp Meyer zu lesen. Durch einen Brand in meinem Haus habe ich das Buch allerdings nie zu Ende lesen können. (lacht) Jetzt hielt ich die Drehbücher der ersten fünf Folgen in meinen Händen und verschlang sie an einem Nachmittag. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen, rief sofort am nächsten Tag die Produzenten an und sagte zu. Und kurz danach saß ich schon auf dem Rücken eines Pferdes und drehte in Austin, Texas. Der Dreh war allerdings alles andere als ein Vergnügen. Es war 40 Grad Hitze in Texas! Wenn ich morgens um 5:30 Uhr aufstand, lautete die Wettervorhersage: "Bitte bleiben sie drinnen!" Wir drehten allerdings mitten in der Wüste. Das Pferd schwitzte in Strömen – aber bei mir tropfte der Schweiß noch viel mehr!“ (lacht)

Originaltrailer zu "The Son" (Pay-TV-Start: 14.4.2017)

Sie spielen Eli McCullough, den Patriarchen in der Serie. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Eli McCullough ist ein Mann, der umgeben von Gewalt aufgewachsen ist. Er hat drei Familien verloren: zuerst seine biologische; dann seine Komantschen Gemeinde; und zuletzt seine Ehefrau. Wenn es also jetzt darum geht, seine Familie zu beschützen, ist er ein Mensch ohne Gnade oder Skrupel.

Inwieweit können Sie sich mit Ihrer Figur identifizieren?

Ich komme selbst aus zerrütteten Familienverhältnissen. Mein Vater hat meine Mutter sehr früh verlassen; und ich bin bei meinen Tanten und Onkeln aufgewachsen. Ich kenne also das Gefühl, abgeschoben, verlassen und alleine zu sein. Diese Lebenserfahrung hat mir geholfen, mich in Eli hineinzuversetzen.

Um seinen Grund und Boden zu schützen, ist Eli McCullough zu allem bereit. Was bedeutet Landbesitz für Sie?

Ich bin sehr bodenständig und fühle gerne die Erde unter meinen Füßen. Land bedeutet auch mir sehr fiel. Das mag mit meinen irischen Wurzeln zu tun haben oder vielleicht ist es auch ein universelles Gefühl, denn Land bedeutet Zuhause. Und Zuhause bedeutet Sicherheit und Geborgenheit. Es ist ein Ort, an dem wir arbeiten und träumen können. Nichts kommt diesem Gefühl so nahe, wie ein Stück Land zu besitzen und ein eigenes Haus darauf zu bauen. Meine Frau Keely und ich haben ein kleines Grundstück in Kawaii (Hawaii), und seit fünfzehn Jahren arbeiten wir daran, dort eine Farm zu bauen. Diese Arbeit ist unheimlich erfüllend und beschert mir sehr viel Freude. Natürlich hat Besitz auch einen Nachteil: Er kann den Teufel im Menschen hervorbringen, vor allem wenn man sich mit seinen Nachbarn nicht versteht, wie das der Fall war, als ich noch in Malibu lebte. (lacht)

Originaltrailer zu "Remington Steele" (1982-1987)

Macht es Ihnen etwas aus, dass Sie nach etlichen Jahren wieder in einer TV-Serie mitspielen anstatt in einem Kinofilm?

Überhaupt nicht. Ich habe die vergangenen fünf Jahre sogar nach einer passenden Fernsehserie für mich gesucht, denn TV ist im Moment das Goldene Vlies. Die Handlungen in Serien sind erfrischend und berauschend.

Wie unterscheidet sich das heutige TV-Medium von den 80er Jahren, als Sie als "Remington Steele" auf dem kleinen Bildschirm zu sehen waren?

Es ist jetzt alles ganz anders als zu Zeiten von „Remington Steele“. Wir waren damals brav und harmlos verglichen mit dem, was es jetzt im Fernsehen zu sehen gibt. Manchmal ist es fast schon obszön und schockierend, was heutzutage im TV gesagt oder sexuell gezeigt werden kann. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist, aber als Schauspieler wähle ich Rollen nach der Qualität aus und nicht nach dem Medium.

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