"Roots": So gut wie das berühmte Original?

Nach seiner Flucht wird Kunta Kinte (Malachi Kirby) von Sklavenfängern aufgegriffen. © HISTORY
Fürchterliche Szenen spielen sich auf dem Sklavenschiff während der Überfahrt ab. © HISTORY
Golden-Globe-Gewinner Jonathan Rhys Meyers verkörpert den Sklavenhalter Tom Lea. © HISTORY
Für die Freiheit kämpfen viele Sklaven für die Nordstaaten im Bürgerkrieg. © HISTORY
Der befreite Sklave Marcellus (Michael James Shaw) und Kizzy Kinte (Anika Noni Rose). © HISTORY
Chicken George (Regé-Jean Page, links) mit Hahnenkämpfer Mingo (Chad Al Coleman). © HISTORY
Sklaverei in drei Generationen. © HISTORY
Oscargewinner Forest Whitaker spielt Fiddler, einen Sklaven, der sein Leben riskiert, um Kunta Kinte zu helfen. © HISTORY
Das neue Sklavenepos "Roots" (ab Karfreitag bei History) soll realistischer sein als das Original, das vor 40 Jahren alle bisherigen TV-Produktionen in den Schatten stellte.

Mit Begriffen wie TV-Phänomen und Meilenstein wird heute ziemlich sorglos umgegangen. Aber für das, was am 30. Januar 1977 passierte, gibt es einfach keine bessere Beschreibung. An jenem Abend zeigte der US-Sender ABC die achte und letzte Folge der Minserie Roots. Schon mit den vergangenen Folgen stieg die Einschaltquote des Sklavenepos stetig an. Doch das Finale stellte alles in den Schatten: 85 Prozent aller Haushalte schalteten ein, 100 Millionen Zuschauer sahen zu – bis heute ist „Roots“ damit die erfolgreichste Miniserie der US-Geschichte. Zum ersten Mal hatte eine Serie ein Thema aufgegriffen, das damals in der amerikanischen Gesellschaft immer noch gern totgeschwiegen wurde.

Jetzt wurde Roots neu verfilmt und wie bei der Serie von 1977 diente das gleichnamige Buch von Alex Haley als Grundlage. Westafrika im Jahr 1750: Der junge Krieger Kunta Kinte (Malachi Kirby) wird von Sklavenhändlern gefangen genommen und nach Amerika verschifft. Auf einer Plantage wird er als Sklave gequält und gezwungen, seinen Geburtsnamen aufzugeben. Die achtteilige Miniserie umfasst – wie das Original – eine Zeitspanne von über hundert Jahren bis zum US- Bürgerkrieg. An dem konkreten Beispiel von Kunta Kinte und seinen Nachkommen erzählt „Roots“ (deutsch: Wurzeln) die Geschichte der Sklaverei.

Vom Kritiker zum Koproduzenten

„Ich war sehr verärgert, als ich hörte, dass ‚Roots‘ wieder verfilmt werden soll“, erzählt LeVar Burton, der in der Originalserie die Hauptrolle des Kunta Kinte spielte. „Ich hatte Angst, das Vermächtnis der Serie würde beschmutzt werden.“ Nun aber ist Burton (der blinde Chefingenieur Geordi La Forge aus "Raumschiff Enterprise - das nächste Jahrhundert“) plötzlich Koproduzent des neuen „Roots“. Was war passiert? „Als mir Mark die sehr persönliche Geschichte von seinem Sohn erzählte, verstand ich, warum es richtig ist, ‚Roots‘ neu aufzulegen.“ Mark – das ist Produzent Mark Wolper (TV-Serie „Bates Motel“). Sein Vater war der Filmproduzent David L. Wolper (1928–2010), der „Die Dornenvögel“, „Fackeln im Sturm“ und eben auch die Originalserie „Roots“ gedreht hat.

"Ich muss es riskieren und diese Geschichte noch mal erzählen"

Die Filmrechte daran hatte er Sohn Mark vererbt. „Es gab über viele Jahre immer Anfragen, es wieder zu verfilmen“, erinnert sich Mark Wolper. „Aber ich war mir sicher, ich würde niemals ein Remake machen. Das Original schien wegen des unglaublichen Erfolgs unantastbar.“ Seine Meinung änderte Mark Wolper vor knapp fünf Jahren.

Trailer "Roots"

„Ich wollte meinem damals 16-jährigen Sohn erstmals die Originalserie zeigen. Er versuchte es, aber es war sehr schwierig für ihn. Ich musste ihn praktisch zwingen! Danach sagte er: ‚Ich verstehe, warum ‚Roots‘ wichtig ist. Aber es ist wie mit deiner alten Musik: Es spricht nicht zu mir.‘ Da wurde mir bewusst: Ich muss es riskieren und diese Geschichte noch mal erzählen. Denn nur so können wir neue Generationen dafür interessieren.“ Kamera, Licht, Maske, Kostüme, Ton: Alles sollte modernsten Hollywoodstandards entsprechen. Für eine zeitgemäße Erzählweise verpflichtete Wolper u. a. den erfahrenen Kinoregisseur Phillip Noyce („Salt“).

Enorm war der Aufwand auch bei der Besetzung. Für die Rolle des Kunta Kinte sprachen in 17 Städten auf drei Kontinenten rund 6000 Darsteller vor, bevor Newcomer Malachi Kirby die Rolle bekam. Und die Nebenrollen sind sehr namhaft besetzt mit den beiden Oscarpreisträgern Forest Whitaker („Rogue One“) und Anna Paquin („True Blood“) sowie Jonathan Rhys Meyers („Die Tudors“) und Laurence Fishburne („Matrix“).

Ist die Wiederverfilmung der legendären Originalserie gelungen?

Im Jahr 1977 war die Besetzung noch ein heikles Thema. „Keiner wusste, wie die Serie ankommen würde“, erinnert sich LeVar Burton. „Damals waren die USA zu 80 Prozent weiß – und wir erzählten erstmals eine Geschichte, in der die Weißen die Bösen waren! Produzent David L. Wolper hatte eine clevere Idee und besetzte die beliebtesten TV-Dads als Bösewichte, etwa Lorne Greene aus ‚Bonanza‘ und Ralph Waite aus ‚Die Waltons‘. Das hat den Zuschauern den Einstieg erleichtert.“

Genau 40 Jahre sind vergangen seitdem. Ist die Wiederverfilmung der legendären Originalserie gelungen? Die Antwort lautet ja. Und nicht nur das: Es ist einer jener seltenen Fälle, in denen ein Remake tatsächlich sinnvoll ist. Wer sich die Serie von 1977 noch einmal anschaut, merkt, wie langsam hier erzählt wird. Die Neufassung trägt den veränderten Sehgewohnheiten Rechnung. Wir wollten aber nicht nur technisch besser produzieren“, erklärt Mark Wolper, „sondern auch realistischer und fundierter erzählen als das Original.“

Wolper greift auf die Expertise von neun Historikern zurück, sodass Erkenntnisse aus den vergangenen 40 Jahren einfließen. So ist etwa heute durch Ausgrabungen bekannt, dass Kintes Heimatort Juffure eben kein unbedeutendes Dorf war wie im alten „Roots“, sondern eine blühende Stadt. Geschichten wie „Roots“ sind es wert, erneut erzählt zu werden, ist Koproduzent LeVar Burton überzeugt. „Wir haben die Lektionen der Geschichte immer noch nicht gelernt. In diesem Moment werden irgendwo auf der Welt immer noch Menschen versklavt, die Sklaverei existiert weiterhin.“ Geschichte wiederholt sich – im echten Leben wie im Fernsehen.

"Roots" auf History: Karfreitag bis Ostermontag in 4 Doppelfolgen, jeweils ab 22.10 Uhr

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