GOKA-Kandidat: "4 Blocks"

Ein krimineller Araber-Clan hält in der neuen TV-Serie "4 Blocks" Berlin in Schach. Wir sprachen mit den Serienmachern - und erlebten echte Aggression am Set.

Testosteron liegt in der Luft an diesem drückend heißen Augusttag in Berlin-Neukölln. Im Keller einer Shisha-Bar werden heute brutale Szenen gedreht. Der Raum stellt in der neuen Serie "4 Blocks" (ab 28. November 2017, jeweils dienstags, 23.15 Uhr, in Doppelfolgen) den Rückzugsort des berüchtigten Hamady-Clans dar, der einige Straßenzüge der Hauptstadt mit Drogengeschäften und Schutzgelderpressung in Schach hält. Er dient in der Serienhandlung auch als Folterkeller.

Trailer zu "4 Blocks"

"Wo bleibt die Energie?", brüllt Regisseur Marvin Kren, als Veysel Gelin in seiner Rolle des aufbrausenden Abbas Hamady nicht bedrohlich genug wirkt. In der Szene befiehlt er zwei ungehorsamen Handlangern, sich gegenseitig blutig zu schlagen. Dank Krens "Weckruf" steigt der Aggressionslevel beim nächsten Take wieder.

Veysel Gelin war bislang nur Kennern von Gangster-Rap ein Begriff. Der 33-Jährige, der bis 2012 eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge verbüßt hatte, gibt hier wie sein Hip-Hop-Kollege Massiv ein Respekt einflößendes Schauspieldebüt.

Soundtrack zur Serie "4Blocks" - Veysel ft. Gringo & Massiv

"Veysel war extrem überzeugend beim Casting", sagt Regisseur Kren ("Tatort: Die Feigheit des Löwen"). "Ich war geradezu eingeschüchtert von seiner Performance, und mir war sofort klar, dass er der richtige Mann ist."

Clanchef Toni Hamady

Marvin Kren weiß, wie er gute Leistungen abrufen kann, das bestätigen auch die erfahrenen Schauspieler im Cast: "Obwohl ich das Gettoleben kenne, holt Marvin noch einmal mehr Getto aus mir heraus", sagt Kida Khodr Ramadan, der in Kreuzberg aufwuchs und wie seine Figur Toni Hamady libanesischer Abstammung ist. Um Toni dreht sich die Serie "4 Blocks": Er ist der Clanchef der Hamadys, der sein kriminelles Leben hinter sich lassen will, auch, um Frau und Kind zu schützen.

Toni hofft nach 26 Jahren in Berlin auf einen deutschen Pass, der ihn zu einem Neuanfang verhelfen könnte – ein Schicksal, das er mit vielen libanesischen Flüchtlingen teilt, die nach dem 1975 ausgebrochenen Bürgerkrieg nach Deutschland kamen. Doch als sein Schwager Latif (Massiv) bei einer Razzia auffliegt, sieht er sich gezwungen, wieder die operative Führung des Clans zu übernehmen.

Das Erfolgsgeheimnis: Ein authentisches Drehbuch

"Viele wollen ihr Leben in der Kriminalität hinter sich lassen", sagt Drehbuchautor Bob Konrad, der mit seinen Kollegen Hanno Hackfort und Richard Kropf für die Serie intensiv im Neuköllner Milieu recherchierte. "Das war selbst einem LKA-Polizisten sehr wichtig, mit dem wir gesprochen haben. Es ist ja nicht so, dass es alle lieben, Verbrecher zu sein."

Die Autoren bezogen ein Büro in Neukölln, um dort die Tonalität des Kiezes einzufangen. Kida Khodr Ramadan, der im Jahr 2000 von einem Sozialarbeiter für einen Film entdeckt wurde, sorgte für den richtigen Feinschliff: "Wir würden nicht sagen 'Wo ist das Dope?', sondern 'Wo ist das Material?'. Klar sagen wir auch nicht 'Wir haben einen SUV', sondern 'Wir haben ein Auto'. Wir sind ja keine Hipster. Aber das sind Kleinigkeiten. Das Buch war das authentischste, das ich je in der Hand hatte", so der 40-Jährige, der seine Rolle mit den Gangstern aus "Scarface" oder "GoodFellas" vergleicht.

Frederick Lau spielt Vince

Ramadan steht zusammen mit seinem sehr guten Freund Frederick Lau ("Victoria") vor der Kamera. Dieser spielt Vince, einen alten Kumpel von Toni, der vor 15 Jahren von der Bildfläche verschwand und nun darum bittet, wieder für die Hamadys arbeiten zu dürfen. Vince ruft tiefes Misstrauen bei Tonis Bruder Abbas hervor und verschärft die ohnehin schon angespannte Beziehung zwischen den beiden.

Regisseur Marvin Kren gefällt die Vertrautheit zwischen Lau und Ramadan: "Die sind schon fast wie zwei Brüder, und das sieht die Kamera", sagt der Österreicher. "Es gibt diese Szene, in der Toni Vince Gewalt androhen muss – und das war enorm schwierig. Wir mussten die beiden erst gegeneinander aufbringen, indem sie sich geboxt, geohrfeigt und angeschrien haben. Aber dann war es wirklich extrem glaubhaft."

Was das fertige Ergebnis zeigt: Marvin Kren muss sich bei dieser aufregenden deutschen Antwort auf "Gomorrha" um Authentizität wirklich keine Sorgen machen.

Anfang 2018 wird die zweite Staffel gedreht, deren Ausstrahlung ist für 2018 geplant.

Text: Dirk Oetjen

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