Robin Wright: "Wir scheinen Geschichte zu schreiben, bevor sie passiert!"

Zum Serienstart von "House of Cards" (30. Mai, 21.15 Uhr, Sky Atlantic HD) trafen wir Robin Wright zum Gespräch. Sie spielt nicht nur die Präsidentengattin Claire Underwood, sondern führte auch Regie.

Als "House of Cards" 2013 seine Premiere feierte, ahnte niemand der Verantwortlichen, dass die Serie ein so großer Erfolg werden würde. Kevin Spacey gewann für diese Rolle die GOLDENE KAMERA 2015 als "Bester Schauspieler International" und beim GOLDENE KAMERA Digital Award wurde "House of Cards" zur "Besten Streaming-Serie 2016" gewählt.

Die Fans warten nun mit Hochspannung auf die Fortsetzung, hatten sich doch in Staffel vier die Fronten zwischen dem skrupellosen Underwood (Kevin Spacey) und seiner nicht minder machtgierigen Gattin (Robin Wright) dramatisch verhärtet. Doch wie es weitergeht mit den beiden, ist ein streng gehütetes Geheimnis.

Der Trailer zur 5. Staffel HoC

Der Trailer verspricht Großes: Frank Underwood strebt nicht nur die Wiederwahl für eine Legislaturperiode an, sondern will bis 2036 Präsident bleiben! "The American people don't know what's best for them.... I do." Auf Deutsch: "Das amerikanische Volk, weiß nicht, was gut für es ist." Und weiter: "Ich schon!".

Trailer zu 5. Staffel "House of Cards"

Robin Wright verrät im Interview ein paar mehr Details zur neuen Staffel: Claire wird den Beifahrersitz verlassen und den Fahrersitzt besteigen, um das Steuer selbst in die Hand nehmen.

Interview mit Robin Wright

Das Motto für die fünfte Staffel lautet: "Together We Are Strong", übersetzt heißt das: "Zusammen sind wir stark". Letztes Jahr schien es, als ob die Underwoods getrennte Wege gehen würden, aber jetzt sind Frank und Claire wieder dicke Freunde – abgesehen davon, dass die First Lady einen Geliebten hat. Was ist los?

Die Beziehung zwischen Claire und Frank ist rein geschäftlich. Ihr Verhältnis beruht zwar auf Liebe und Respekt, aber vor allem auf Regeln. Genau wie in einem Krieg. Und so wie sich Regeln in der Hitze des Gefechts spontan ändern können, wird auch Claire hoffentlich die Regeln zu ihren Gunsten variieren.

Ist Claire für ihre neue Machtposition bereit?

Sie hat vom Besten in der politischen Arena gelernt: ihrem Mann, Frank Underwood. In den ersten drei Staffeln hat Claire ihm Beistand, Ausgleich und den Vortritt gegeben. Sie war zwar schweigsam, aber auch sehr aufmerksam und beobachtend. Frank hat oft - zu seinen Gunsten - den Rat seiner Frau befolgt. Aber jetzt sattelt Claire vom Beifahrersitz zum Fahrersitzt um und nimmt das Steuer selbst in die Hand.

Seit der dritten Staffel haben Sie von Schauspielerin auf Regisseurin umgesattelt. Waren Sie auch jetzt wieder hinter der Kamera tätig?

Ja, ich habe wieder drei oder vier Folgen inszeniert. Es ist immer eine tolle Erfahrung für mich, vor allem weil die Crew fast zu meiner Familie geworden ist. Wir arbeiten jetzt immerhin schon sechs Jahre zusammen.

Macht es Ihnen Spaß, eine so starke und unabhängige Frau zu spielen?

Am Anfang meiner Karriere habe ich sehr oft die gebrochene Ehefrau oder leidende Dame gespielt. Ich bin also dankbar, dass ich jetzt die andere Seite des weiblichen Geschlechts darstellen darf: stark und selbstbewusst.

Sehen Sie sich auch selbst als stark und selbstbewusst?

Ja. Und ich nutzte meine Stärke - und meinen Ruhm - um anderen zu helfen. Ich lebe nach dem Motto von Mahatma Ghandi – und anderen Weltikonen wie Nelson Mandela oder Martin Luther King Jr.: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Seit elf Jahren unterstütze ich das ENOUGH Project und die RAISE Hope for Congo Initiative, und gebe Frauen im Kongo die Chance zu überleben und fair behandelt zu werden. Ich war gerade auf der CUBE Technik-Messe in Berlin und habe über Konfliktminerale in unserer Elektronik gesprochen. Das Schürfen dieser Rohstoffe im Kongo verursacht ähnliche Konflikte wie das Schürfen nach Blutdiamanten. Arbeiter werden ausgebeutet, Frauen von der Miliz vergewaltigt und Menschenrechte verletzt. Es war auch ein schöner Grund, mal wieder nach Berlin zu kommen. Ich liebe diese Stadt.

Die fünfte Staffel erinnert sehr an die momentane politische Situation in Amerika: ein Präsident auf Kriegsfuß mit den Medien und einer starken Mobilisierung gegen den Terrorismus. Zufall oder Absicht?

Normalerweise reflektiert Kunst die Realität wieder. Aber in unserer Serie scheinen wir die Geschichte zu schreiben, bevor sie passiert (lacht). Wir sind selbst überrascht, wie sehr wir den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Aber da wir vor fast einem Jahr die Dreharbeiten zur fünften Staffel begannen, ist alles Zufall. Unser Ziel war es, die Underwoods so korrupt wie möglich darzustellen und den Zuschauer zu überraschen. Und wir ließen dabei unserer Fantasie freien Lauf.

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