"American Beauty" auf Deutsch: "Blaumacher"

Ab dem 7. April erlebt Marc Benjamin Puch in der ZDFneo-Serie "Blaumacher" als frustrierter Familienvater nicht nur sein blaues Wunder, sondern dank Co-Star Laura Berlin auch einen etwas anderen zweiten Frühling.

"Mein Leben ist so flach - wenn ich geradeaus schaue, kann ich meinen eigenen Grabstein sehen." Wenn der Held einer neuen Serie derart trübsinnige Bonmots zum besten gibt, mag man kaum glauben, es mit einer der erfrischendsten Eigenproduktionen des deutschen Serienfernsehens zu tun zu haben. Denn beginnend am 7. Juni um 21.45 Uhr in ZDFneo werden wir sechs halbstündige Episoden lang Zeuge, dass in existentieller Lebensmüdigkeit auch das Potential zu großer Lebensfreude steckt.

Darum geht's in "Blaumacher"

"Knallerfrauen"-Mann Marc Ben Puch spielt den erfolgreichen Mittelständler Frank Sporbert, der mit Mitte 40 eigentlich alles erreicht hat, aber vom übermächtigen Eindruck geplagt wird, nicht nur für seine beiden wohlstandsverwahrlosten Teenie-Kinder und seine ihn betrügende Gattin Carmen (Lisa Martinek) irrelevant zu sein. Das suizidale Gefühl der Lebenssinnlosigkeit teilt Frank mit der 19-jährigen Nachbarstochter Sascha (Laura Berlin), die nach dem Abi einem fremdbestimmten Schicksal aus Jura-Studium und Einstieg ins Familiengeschäft entgegensieht. Doch statt selber Schluss zu machen, raufen sich die beiden ungleichen Seelenverwandten zusammen und machen Schluss mit der spießbürgerlichen Oberflächlichkeit ihres bisherigen Daseins...

Die Kritik zu "Blaumacher"

Was auf den ersten Blick wie die deutsche Antwort auf den romantischen Kinoklassiker "American Beauty" (1999) mit Kevin Spacey (GOLDENE KAMERA 2015) und Thora Birch aussieht, entpuppt sich als Generationen übergreifendes Doppelportrait zweier grundverschiedener Leidensgenossen. Indem der Deutsche-Filmpreis-nominierte Drehbuchautor Bernd Lange ("Requiem") in Gestalt der beiden "Blaumacher"-Protagonisten Midlife-Crisis auf Coming-of-Age-Sinnsuche prallen lässt, können dramatische Themen wie gescheiterte Lebensentwürfe, Selbstzweifel, unerfüllte Sehnsüchte und Suizidgedanken tragikomische Wirkung entfalten.

Marc Ben Puch und GOKA-Talent Laura Berlin verleihen dabei der mit sarkastischem Humor und smarten Dialogen gespickten Episoden-Erzählung einen entwaffnenden Antihelden-Charme. Schützenhilfe erhalten sie dabei von einer ebenfalls stark aufspielenden Lisa Martinek, die in ihrem Seriendebüt den handelnden Part übernimmt, und im Gegensatz zu den sich treiben lassenden Lebenssinnsuchern mit zunehmender Verbissenheit versucht, ihren familiären Status Quo aufrecht zu erhalten. Gepaart mit einer erfrischend innovativen Bildsprache, in der emotionale Stimmungslagen wie die Verlorenheit des mit dem Muster der Tapete verschmelzenden Franks rein visuell zum symbolischen Ausdruck gebracht werden, beweisen die "Blaumacher" eindrucksvoll und fortsetzungswürdig: So gut kann "Serie Made in Germany" aussehen!

Wer sollte sich "Blaumacher" anschauen?

Alle, die noch immer daran zweifeln, dass in Deutschland exzellente Serien-Unterhaltung produziert werden kann.

Warum muss ich "Blaumacher" sehen?

Weil die tragikomische Synthese aus Midlife-Crisis und Coming-of-Age-Schwermut im Segment deutscher Serien-Unterhaltung erfrischendes Neuland beschreitet.

Für Fans von...

der Mini-Serie "Hindafing" mit Maximilian Brückner und der ZDFneo-Perle "Komm schon!"

Die GOKA-Wertung

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