Filmstars als Star-Produzenten

Als Produzenten der Sci-Fi-Serie "Incorporated" lassen die Hollywood-Buddies Matt Damon und Ben Affleck nicht im, sondern hinter dem Rampenlicht die kreativen Muskeln spielen. Wir erklären, warum die Schauspielerelite auf eigene Produktionsfirmen schwört und stellen 14 von ihnen vor.

Wenn am 27. Juni auf SyFy die neue Sci-Fi-Serie "Incorporated" gestartet ist, dürfen sich Freunde düsterer Zukunftsvisionen bei zwei namhaften Schauspielern bedanken, die allerdings nur hinter den Kulissen in Erscheinung getreten sind. Federführend produziert wurde "Incorporated" nämlich von keinem Fernsehsender, sondern von Hollywoods Vorzeigekumpels Matt Damon und Ben Affleck. Und an deren 2012 gegründeten Produktionsfirma Pearl Street Films lässt sich gut nachvollziehen, was in Hollywood seit langem Usus ist.

Wenn aus Filmstars Star-Produzenten werden

Bereits Anfang der 1970er Jahre hatte Michael Douglas (GOLDENE KAMERA 1990) konstatiert, dass ein "Mangel an guten Stoffen" herrscht. Kurzerhand gründete er seine eigene Produktionsfirma Further Films gegründet und stellte mit "Einer flog über das Kuckucksnest" (1974) als Produzent einen Welterfolg auf die Beine, der aufgrund seiner Kompromisslosigkeit im normalen Studiosystem keine Aussicht auf Umsetzung gehabt hätte.

Die Freiheit, einen eigenen Stoff zu entwickeln und als Hauptverantwortlicher ohne störende Forderungen von Studioseite über Regie, Besetzung und künstlerische Ausrichtung entscheiden zu können, war auch für die Produktionsfirmengründung von Matt Damon und Ben Affleck verantwortlich, als sie 2012 Gus Van Sants Umweltschutz-Drama "Promised Land" aus der Taufe hoben.

Seitdem hat Pearl Street Films nicht nur anspruchsvolles Indie-Kino wie Afflecks Gangster-Drama "Live by Night", sondern auch Kassenschlager wie "Jason Bourne" produziert. Damit hatte Matt Damon bei seinem Blockbuster-Comeback weitaus mehr kreativen Input als Batman-Kollege Affleck, der beim Superhelden-Crossover "Justice League" (Kinostart: 16. November) als "Executive Producer" fungiert. Bei dieser Position handelt es sich nämlich meist um einen in Vertragsverhandlungen errungenen Bonus, der dem namhaften Star zwar zusätzliche Gage und eingeschränktes Mitspracherecht aber keine Entscheidungshoheit einbringt.

Kein Wunder also, dass es in Hollywood kaum noch einen Filmstar gibt, der nicht mit seiner eigenen Produktionsfirma nach Selbstverwirklichung strebt und sich entweder Paraderollen auf den eigenen Leib schneidert wie Adam Sandler, der mit seiner Firma Happy Madison Productions vier neue Filme für Netflix produziert, oder Drew Barrymore, die mit ihrer Flower Films unlängst die Horror-Sitcom "Santa Clarita Diet" vorgelegt hat...

Drew Barrymore macht Fake-Werbung für die "Santa Clarita Diet"

...bis hin zu sozial engagierten Schauspielern wie Brad Pitt, der mit seiner Firma Plan B Entertainment das 2014 bei den Oscars als bester Film ausgezeichnete Südstaaten-Drama "12 Years a Slave" sowie den diesjährigen Oscar-Gewinner "Moonlight" realisiert hat.

Star-Produzenten in Deutschland

Beim Blick nach Deutschland springen einem gleich die heimischen Kassenmagneten Til Schweiger und Matthias Schweighöfer (GOLDENE KAMERA 2003 + 2010) sowie ein typisches Geschäftsmodel ins Auge. Denn häufig sind Star-geführte Produktionsfirmen direkt an große Filmstudios angeschlossen, die für die zur Verfügung gestellte Infrastruktur und Kostenbeteiligung die First-Look-Rechte für die jeweilige Produktion innehaben. Schweigers Barefoot Films und Schweighöfers Pantaleon Films arbeiten beispielsweise Hand in Hand mit Warner Bros. zusammen.

Während Schweiger die eigene Firma dazu nutzt, sich als Regisseur auszutoben und die Schauspielambitionen seiner Tochter Emma zu fördern ("Kokowääh", "Honig im Kopf" etc.), versucht Komödien-Experte Schweighöfer ("Der Nanny") auch neue und im öffentlich-rechtlichen offenbar undenkbar mutige Wege zu beschreiten, wie es sein Produzenten-Partner in Crime Dan Maag im Interview mit der GOLDENEN KAMERA zur ersten deutschen Amazon-Serie "You Are Wanted" auf den Punkt bringt...

Dan Maag über Schweighöfers "You are Wanted"

Offenbar haben Maag und Schweighöfer mit ihrem mutigen Projekt den richtigen Riecher bewiesen. Während Amazon eine zweite "You Are Wanted"-Staffel geordert hat, wurde Afflecks und Damons "Incorporated" nach nur einer Staffel eingestellt. Selbst Star-Produzenten haben also nicht immer das letzte Wort.

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