Jim Carrey: "Auch ich habe in einem Kleiderschrank gewohnt"

Jim Carrey bringt mit "I’m Dying Up Here" eine Serie über einen Comedy-Club der 70er ins TV. Wir trafen den US-Komiker zum Interview.

"I’m Dying Up Here" (23. August, 21.45 Uhr, Sky Atlantic) basiert lose auf einem gleichnamigen Buch über die damalige Branche und gibt einen unerwartet düsteren Einblick in das US-Comedy-Business der 70er Jahre.

Trailer "I'm Dying Up Here"

Zudem ließ Starkomiker Jim Carrey als ausführender Produzent vieles aus seiner eigenen Biografie in die Story einfließen. Was genau, verrät er im Interview.

Interview mit Jim Carrey

Warum haben Sie sich für die Stand-Up Comedy-Szene der 70er entschieden? Ist es nicht schwieriger Witze von gestern, als von heute zu schreiben?

1973 war die Geburt der modernen Stand-Up Comedy. Statt Witzen mit Pointe wechselten Komödianten zu therapeutischem Humor, der Tiefe und Handlung besaß. In den 80er explodierte dann diese Bewegung und es gab fast zu viele Comedy-Clubs. Heutzutage feiert Stand-Up Comedy wieder ein Comeback. "I’m Dying Up Here" hätte sich also keinen besseren Zeitpunkt als Serienstart aussuchen können (lacht). Aber inhaltlich macht 1973 einfach Sinn. Das war das Jahr, als Johnny Carson mit seiner "The Tonight Show" von New York nach Los Angeles umzog und Stand-Up Komödianten zu den Königen des Sunset Strips wurden. Die 60er Jahre – und Vietnam und Richard Nixon – lagen hinter uns, und Künstler suchten nach einer neuen Art und Weise sich auszudrücken. Das war der Anfang des bissigen Humors und der scharfen Zunge.

Wie involviert sind Sie als ausführender Produzent?

Ich schaue ab uns zu mal rein, aber die wahren Macher hinter dieser Show sind David (Flebotte), Michael (Aguilar) und Christina (Wayne). Und natürlich die Schauspieler, die den damaligen Zeitgeist zum Leben erwecken: das Gefühl der Kameraderie und der Konkurrenz und der Klugschwätzerei der Komödianten. Oft ging es den Stand-Up Künstlern nicht darum, wer der Lustigste auf der Bühne war, sondern an der Bar oder im Parkplatz.

Die Serie stammt zwar aus der Feder von David Flebotte, aber inwieweit spiegelt sie Ihre eigenen Erfahrungen wieder?

Ich habe so viele Erfahrungen in meinem Leben gemacht und kann von Glück reden, dass ich bis jetzt überlebt habe, aber in meinem ersten Jahr in Los Angeles habe ich auch nicht in einem Zimmer, sondern in einem Schrank gelebt. Ich erinnere mich noch, wie ich am ersten Morgen aufwachte, in die Küche stolperte und dort ein hübsches junges Mädchen halbnackt Frühstück vorbereitete. Ich dachte nur: "Wow! Das ist Hollywood!" (lacht)

Warum waren Shows wie "The Tonight Show" so wichtig für Stand-Up Komödianten?

Alle Künstler – selbst Andy Kaufman und Bob Saget – haben jede Gelegenheit ausgenutzt, ein paar Sekunden in Sendungen wie "The Dating Game" oder "Let’s Make a Deal" zu bekommen. Die Show war ihnen egal, sie wollten einfach eine Bühne, um der Welt ihr Talent zu zeigen – und um Geld zu verdienen. Johnny Carsons "The Tonight Show" wurde zu einer der wichtigsten Plattformen für Stand-Up Komödianten. Davids Buch berichtet von einem jungen Komödianten, der Selbstmord beging, indem er vom Dach des Hyatt Hauses sprang, weil er nicht zur "Tonight Show" eingeladen wurde. Ich wurde als Gast von Johnny Carson eingeladen und bin deswegen von Toronto nach Los Angeles gezogen, aber kurz vor meinem Auftritt wurde ich wieder ausgeladen (lacht). Das hätte mein Ende bedeuten können, aber zum Glück habe ich eine sehr optimistische Lebenseinstellung, die mich zum Nicht-Aufgeben zwang. Und sechs Monate später stand ich dann auf der Bühne von der "Tonight Show"!

Hätten diese Stand-Up Komödianten es heutzutage dank YouTube oder Vine einfacher gehabt?

Diese Portale ermöglichen es Künstlern, die vielleicht sonst nie eine Chance gehabt hätten, ihr Talent zu zeigen. Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten, sich zu vermarkten. Bald wird jeder einen eigenen Kanal haben (lacht). Aber die Besten werden es immer an die Spitze schaffen, egal mit welcher Methode. Aber dank der großen Vielfalt müssen wir jetzt allerdings durch mehr Müll buddeln, bis wir das Juwel finden (lacht).

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