"Babylon Berlin": Die Hauptstadt der Sünde

Gereon Rath ermittelt in einer Stadt, die in Aufruhr ist.
Berlin in den 1920er Jahren: Die Hauptstadt der Sünde.
Die Chefs der Berliner Polizei beraten sich.
Politische Proteste gehören zum Alltag.
Bruno Wolter in den Straßen von Berlin.
Echtes Entertainment im Tanztempel Moka Efti.
Ein Berlin ohne Dächer in Babelsberg.
Babylon Berlin: Außen-Dreh im Studio Babelsberg.
Die Berliner Bürger proben den Aufstand.
Die Berliner ließen es krachen in den 1920er Jahren.
Der Kölner Kommissar Gereon Rath (VOLKER BRUCH), soll einen Fall bei der Berliner Sittenpolizei lösen. © Sky / Frédéric Batier
Charlotte Ritter (LIV LISA FRIES) arbeitet zeitweise als Stenotypistin für die Berliner Kriminalpolizei. © Sky / Frédéric Batier
Der "Armenier" (MISEL MATICEVIC, „Im Angesicht des Verbrechens“). Tadellos gekleidet, perfekte Manieren – und dabei eine feste Größe in Berlins Unterwelt. © Sky / Frédéric Batier
Erst Genat (UDO SAMEL, „Deutschlandspiel“) Genannt „Buddha“. Der Leiter der Mordkommission hat die Polizeiarbeit revolutioniert. © Sky / Frédéric Batier
Karl F. Zörgiebel (THOMAS THIEME), „Das Leben der Anderen“), Chef des Polizeipräsidiums, das im Zentrum von politischen Unruhen steht. © Sky / Frédéric Batier
August Benda (MATTHIAS BRANDT, „Das Zeugen­ haus“), Chef der politischen Polizei, der u. a. gegen Extremismus und politische Verbrechen vorgeht. © Sky / Frédéric Batier
Dr. Völcker (JÖRDIS TRIEBEL, „Die Päpstin“) Armenärztin in Kreuzberg, KPD­ Mitglied und Zeugin der blutigen Ausschreitungen am 1. Mai 1929. © Sky / Frédéric Batier
Swetlana Sorokina (SEVERIJA JANUSAUSKAITE, „Der Stern“), ist Sängerin tritt in Nacht­ klubs auf und gehört einer Gruppe von russischen Exilanten an. © Sky / Frédéric Batier
Alfred Nyssen (LARS EIDINGER, „Terror – Ihr Urteil“) ist Mitglied einer Industriellendynastie und großer Bewunderer von Swetlana Sorokina. © Sky / Frédéric Batier
Frivol, brutal, authentisch: „Babylon Berlin“ ist eine der aufwendigsten Serien der deutschen TV-Geschichte. Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen unseres GOKA-Kandidaten.

Vor wenigen Wochen feierte die teuerste Serie der deutschen TV-Geschichte ihre Deutschlandpremiere in Berlin und ist ab dem 13. Oktober bei Sky zu sehen. Das Erste zeigt die Serie 2018. Wir waren am Set in Potsdam, sprachen mit alle wichtigen Machern der Mega-Serie und zeigen, wie "Babylon Berlin" eine schicksalshafte Epoche eindrucksvoll auferstehen lässt.

Exklusive Featurette zu "Babylon Berlin"

Ein eisiger Novemberabend in Babelsberg

Wer auch immer gesagt hat, Komparsen müssen ihrer Rolle Leben einhauchen – ganz so wörtlich hat er das sicher nicht gemeint. Es ist ein eisiger Novemberabend auf dem Außengelände des Studios Babelsberg, die Temperatur pendelt um den Gefrierpunkt. Und ausgerechnet heute steht auf dem Drehplan der Historienserie „Babylon Berlin“ eine aufwendige Massenszene, in der 150 Komparsen auf der nachgebauten Friedrichstraße gegen das „reiche Pack“ protestieren, das gerade den noblen Nachtklub Moka Efti betritt. Als die Demonstranten beginnen, ihre Parolen zu brüllen, ist ihr Atem deutlich zu sehen. Doch laut Drehbuch spielt die heutige Szene im Mai, winterliche Atemwölkchen passen da nicht. Mit Nebelmaschine und geschickter Kameraplatzierung gelingt es schließlich, den verräterischen Hauch zu verbergen. Als das rettende „Cut!“ ertönt, bekommen einige Darsteller von flinken Crewmitgliedern das an diesem Tag begehrteste Requisit in den Arm gedrückt: eine Wärmflasche.

Auch Achim von Borries friert. Der Filmemacher („Was nützt die Liebe in Gedanken“) ist gemeinsam mit Tom Tykwer und Henk Handloegten Drehbuchautor und Regisseur des Kriminaldramas „Babylon Berlin“. „Der Drehplan“, so verrät von Borries beim Gespräch in einer Umbaupause, „war ein logistischer Albtraum. Wir drehen acht Monate lang und haben über 200 Sprechrollen. Viele Nebenrollen haben wir mit Hauptrollenschauspielern besetzt. Die drehen zwischendurch noch zwei andere Kinofilme. Das zu koordinieren ist ein Wahnsinn“, sagt der Regisseur weiter. „Dazu kommt, dass im Sommer die Nächte zu kurz waren für unsere Nachtszenen. Die Konsequenz: Wir haben jetzt fast schon Dezember und müssen so tun als wäre Mai.“ Doch Herausforderungen dieser Art sind die Macher von „Babylon Berlin“ längst gewohnt. Schließlich haben sie nicht weniger als das größte Serienprojekt in Angriff genommen, dass es im deutschen Fernsehen wohl je gegeben hat.

Sky-Trailer "Babylon Berlin"

Ein Epos der Superlative

Schon vor der TV-Premiere der ersten beiden Staffeln gilt „Babylon Berlin“ als Epos der Superlative. Das historische Kriminaldrama, das im Berlin Ende der 1920er Jahre spielt, erforderte – um die Kosten zu stemmen – eine „verrückte Konstellation“ (Tom Tykwer): „Babylon Berlin“ ist eine Produktion der X Filme Creative Pool in Koproduktion mit Sky, Beta Film und ARD Degeto – Ende 2018 zeigt das Erste die Serie. Für den Cast wurden einige der begehrtesten deutschen Darsteller verpflichtet (siehe oben und unten). Gedreht wurde an rund 300 Locations. Und eine riesige Außenkulisse ist sogar für das Projekt maßgeschneidert worden – doch dazu später mehr.

Für Tom Tykwer ist „Babylon Berlin“ die erste eigene Fernsehserie. Auch wenn er es nicht so nennen würde. „Für mich ist es eher ein zwölfstündiger Kinofilm, der im Fernsehen gezeigt wird“, erklärt der Autor und Regisseur („Lola rennt“, „Cloud Atlas“) im Interview mit GOLDENE KAMERA. Selbst für den Hollywooderprobten Filmemacher waren die Dimensionen gewaltig: „Für mich wäre es undenkbar gewesen, diese Serie allein zu entwickeln, zu schreiben und zu inszenieren. Jeder von uns dreien hat Szenen für jede der 16 Folgen gedreht. Achim, Henk und ich haben manchmal mit drei Units parallel an drei unterschiedlichen Orten gedreht, während die Darsteller zwischen uns rotiert sind.“

Pressekonferenz "Babylon Berlin" Februar 2017

Ein Trio im Writers Room

Damit ist „Babylon Berlin“ eine interessante Variation des in den USA üblichen Serienprinzips. Dort liegt alle Macht beim Showrunner, der Autor und Produzent in Personalunion ist. Er allein gibt die kreative Vision vor und sucht die Regisseure der jeweiligen Episoden aus. In vielen US-Produktionen gelten die Regisseure deshalb als austauschbar. Bei „Babylon Berlin“ hingegen stellen Tykwer, Handloegten und von Borries sicher, dass ihre eigenen Skripte so umgesetzt werden, wie sie sie geschrieben haben. Zumindest musste das Trio im Writers Room nicht bei null anfangen. Mit ihrer TV-Serie adaptieren sie den 2007 erschienen Kriminalroman „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher. Berlin im Jahr 1929: Der junge Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch, „Unsere Mütter, unsere Väter“) ist gerade aus dem beschaulichen Köln in die Hauptstadt gezogen.

Als Beamter der Sittenpolizei erlebt er eine Stadt der Extreme, eine Metropole zwischen bitterer Armut und dekadentem Nachtleben. Auch politisch ist Berlin ein Pulverfass. Mehrere radikale Strömungen kämpfen 1929 um die Vormacht. Währenddessen beginnt Rath mit den Ermittlungen in einem mysteriösen Fall, in dem Exilrussen eine besondere Rolle zu spielen scheinen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Bruno Wolter (Peter Kurth, „Herbert“) und der Stenotypistin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries, „Und morgen Mittag bin ich tot“) gerät Rath immer weiter in einen Strudel aus Gewalt, Drogen und Verrat.

Wer ist wer bei "Babylon Berlin"

Der Kölner Kommissar Gereon Rath (VOLKER BRUCH), soll einen Fall bei der Berliner Sittenpolizei lösen. © Sky / Frédéric Batier
Charlotte Ritter (LIV LISA FRIES) arbeitet zeitweise als Stenotypistin für die Berliner Kriminalpolizei. © Sky / Frédéric Batier
Bruno Wolter (PETER KURTH, „Herbert“) arbeitet für die Sittenpolizei und ermittelt mit Kommissar Rath im Pornomilieu. © Sky / Frédéric Batier
Karl F. Zörgiebel (THOMAS THIEME, „Das Leben der Anderen“), Chef des Polizeipräsidiums, das im Zentrum von politischen Unruhen steht. © Sky / Frédéric Batier
Erst Genat (UDO SAMEL, „Deutschlandspiel“) Genannt „Buddha“. Der Leiter der Mordkommission hat die Polizeiarbeit revolutioniert. © Sky / Frédéric Batier
Der "Armenier" (MISEL MATICEVIC, „Im Angesicht des Verbrechens“). Tadellos gekleidet, perfekte Manieren – und dabei eine feste Größe in Berlins Unterwelt. © Sky / Frédéric Batier
August Benda (MATTHIAS BRANDT, „Das Zeugen­ haus“), Chef der politischen Polizei, der u. a. gegen Extremismus und politische Verbrechen vorgeht. © Sky / Frédéric Batier
Swetlana Sorokina (SEVERIJA JANUSAUSKAITE, „Der Stern“), ist Sängerin tritt in Nacht­ klubs auf und gehört einer Gruppe von russischen Exilanten an. © Sky / Frédéric Batier
Alfred Nyssen (LARS EIDINGER, „Terror – Ihr Urteil“) ist Mitglied einer Industriellendynastie und großer Bewunderer von Swetlana Sorokina. © Sky / Frédéric Batier
Dr. Völcker (JÖRDIS TRIEBEL, „Die Päpstin“) Armenärztin in Kreuzberg, KPD­ Mitglied und Zeugin der blutigen Ausschreitungen am 1. Mai 1929. © Sky / Frédéric Batier

Figuren wie Gereon Rath und Charlotte Ritter sind fiktiv. Manche Nebenfigur hingegen existierte tatsächlich, so etwa Ernst Gennat (1880–1939), ein Pionier der modernen Polizeiarbeit. Doch in dieser Produktion stehen ohnehin alle im Schatten eines anderen Protagonisten. „Bei ‚Babylon Berlin‘ ist die Stadt die Hauptfigur“, sagt Autor und Regisseur Henk Handloegten („Liegen lernen“). „Und Berlin 1929 ist zugleich hungernd und vollgefressen, elegant und verkommen, pervers und keusch. Kurz: das Beste, was einem Filmemacher passieren kann.“ Ende der 1920er ist Berlin im Rausch. Die Hauptstadt der Weimarer Republik gilt als eine der aufregendsten Metropolen der Welt. Kunst und Kultur florieren, ein entfesseltes Nachtleben voller Exzesse zieht viele in seinen Bann. Es gibt allein geschätzt mehr als 150 Schwulenbars. Auch Drogen und Pornografie sind auf dem Vormarsch. Berlin gerät zugleich aber auch immer mehr in einen Rausch der Gewalt. Politische Proteste von Kommunisten, Nationalsozialisten und anderen enden zunehmend blutig.

Partystimmung in den 1920er-Jahren

Über der Story von „Babylon Berlin“ schwebt die drohende Zeitenwende: Anfang 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt werden. Aber der Aufstieg der Nazis steht in der Serie zunächst nicht im Vordergrund. „Das wäre der größte Fehler, den wir machen könnten“, stellt Tom Tykwer klar. „Für uns sind die Nazis nicht zentral, weil sie eben 1929 in der Gesellschaft noch nicht zentral waren. Hätte man den Menschen gesagt: ‚In dreieinhalb Jahren heißt euer Kanzler Adolf Hitler‘, wäre das, als sagte man uns: ‚In dreieinhalb Jahren ist Frauke Petry eure Bundeskanzlerin.“

Der dritte Autor und Regisseur Henk Handloegten erkennt eine erstaunliche Parallele zwischen damals und heute. „In den 1920er-Jahren herrschte Partystimmung“, sagt er. „Aber dann wurde vielen Menschen diese Welt zu verwirrend. Der Ruf nach einer eisernen Faust wurde lauter und lauter. Im Laufe unserer Arbeit an ‚Bablyon Berlin‘ glich sich die Welt immer mehr der damaligen Stimmung an. Unsere Serie ist heute aktueller denn je.“

Wo soll eigentlich gedreht werden? Babylon Berlin Special Teil II >

"Babylon Berlin": Die Hauptstadt der Sünde II

Gereon Rath ermittelt in einer Stadt, die in Aufruhr ist.
Berlin in den 1920er Jahren: Die Hauptstadt der Sünde.
Die Chefs der Berliner Polizei beraten sich.
Politische Proteste gehören zum Alltag.
Bruno Wolter in den Straßen von Berlin.
Echtes Entertainment im Tanztempel Moka Efti.
Ein Berlin ohne Dächer in Babelsberg.
Babylon Berlin: Außen-Dreh im Studio Babelsberg.
Die Berliner Bürger proben den Aufstand.
Die Berliner ließen es krachen in den 1920er Jahren.
Der Kölner Kommissar Gereon Rath (VOLKER BRUCH), soll einen Fall bei der Berliner Sittenpolizei lösen. © Sky / Frédéric Batier
Charlotte Ritter (LIV LISA FRIES) arbeitet zeitweise als Stenotypistin für die Berliner Kriminalpolizei. © Sky / Frédéric Batier
Der "Armenier" (MISEL MATICEVIC, „Im Angesicht des Verbrechens“). Tadellos gekleidet, perfekte Manieren – und dabei eine feste Größe in Berlins Unterwelt. © Sky / Frédéric Batier
Erst Genat (UDO SAMEL, „Deutschlandspiel“) Genannt „Buddha“. Der Leiter der Mordkommission hat die Polizeiarbeit revolutioniert. © Sky / Frédéric Batier
Karl F. Zörgiebel (THOMAS THIEME), „Das Leben der Anderen“), Chef des Polizeipräsidiums, das im Zentrum von politischen Unruhen steht. © Sky / Frédéric Batier
August Benda (MATTHIAS BRANDT, „Das Zeugen­ haus“), Chef der politischen Polizei, der u. a. gegen Extremismus und politische Verbrechen vorgeht. © Sky / Frédéric Batier
Dr. Völcker (JÖRDIS TRIEBEL, „Die Päpstin“) Armenärztin in Kreuzberg, KPD­ Mitglied und Zeugin der blutigen Ausschreitungen am 1. Mai 1929. © Sky / Frédéric Batier
Swetlana Sorokina (SEVERIJA JANUSAUSKAITE, „Der Stern“), ist Sängerin tritt in Nacht­ klubs auf und gehört einer Gruppe von russischen Exilanten an. © Sky / Frédéric Batier
Alfred Nyssen (LARS EIDINGER, „Terror – Ihr Urteil“) ist Mitglied einer Industriellendynastie und großer Bewunderer von Swetlana Sorokina. © Sky / Frédéric Batier
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