"Lost"-Star Josh Holloway über seine Rolle in der neuen Sci-Fi-Serie "Colony"

Besatzung der dritten Art: In der außergewöhnlichen Alien-Sci-Fi Serie "Colony" ist die Erde von Außerirdischen besetzt.

Alles gut in der Stadt der Engel? Wir sehen eine kalifornische Vorzeigefamilie in ihrem Heim in L.A. frühstücken. Sonnenstrahlen fallen durchs Fenster, die Tochter bekommt einen Kuss auf die Stirn – das Bild einer heilen Welt. Doch schnell erhält es Risse: Ein gerahmtes Foto zeigt einen Sohn, der am Frühstückstisch fehlt. In ersten Außenaufnahmen ist Stacheldraht zu sehen, der das Grundstück umgibt. Drohnen schwirren durch die Luft, Menschen scheinen beunruhigt. Und eine wolkenkratzerhohe, Hunderte Meter dicke Mauer zerteilt die Stadt in mehrere Blöcke. Was ist hier los?

Originaltrailer zu "Colony" (Pay-TV-Start: 11.10.2017)

Die neue Sci-Fi-Serie "Colony" (ab dem 11. Oktober in Doppelfolgen, ab 20.15 Uhr, TNT Serie) wirft zu Anfang viele Fragen auf. Showrunner Carlton Cuse liebt es eben, die Zuschauer mit immer neuen Rätseln zu konfrontieren. Das bewies er schon mit dem TV-Hit "Lost". Mit Josh Holloway in der Hauptrolle ist ein weiterer "Lost"-Alumnus an Bord. Er spielt den Vater der besagten Familie – und ist viel mehr als der Kfz-Mechaniker, als den ihn der Zuschauer kennenlernt: "Will Bowman ist ein ehemaliger FBI-Agent. Als sein Sohn von den Eroberern gefangen wird, haben sie Bowman im wahrsten Sinne bei den Eiern und zwingen ihn, für sie zu arbeiten", erzählt der 48-jährige Holloway, der auch als Model für "Cool Water" posierte.

Bei den Eroberern handelt es sich um eine außerirdische Macht, welche die Menschen aus der Entfernung permanent überwacht. Auf der Erde haben die Eroberer ein menschliches Stellvertreter-Regime installiert, das mit militärischer Härte regiert. Ausgangssperren und willkürliche Kontrollen mit vorgehaltener Waffe gehören zum Alltag. Wer nicht spurt, wird zu Sklavenarbeiten in einer ominösen Fabrik gezwungen, Mitläufer dagegen genießen reichlich Privilegien.

Sci-Fi-Serie mit Top-Besetzung

Die Macher ließen sich von historischen Bildern des von Nazis besetzten Paris inspirieren, auf denen französische Kollaborateure extravagante Dinnerpartys feiern. Ohne zu viel von den Twists und Enthüllungen in "Colony" zu verraten: Will Bowman und seine Familie drohen zwischen den Besatzern und dem gewaltbereiten Widerstand zerrieben zu werden, der sich im Untergrund formiert hat.

Die Besetzung ist top: Unter anderem sind Sarah Wayne Callies ("The Walking Dead") als Bowmans Frau Katie, Peter Jacobson ("Dr. House") als mächtiger Strippenzieher und Carl "Apollo Creed" Weathers als Bowmans neuer Cop-Kollege zu sehen. Wem kann man trauen? Was planen die Aliens? So manche Frage bleibt lange unbeantwortet, die Zuschauer müssen den Produzenten glauben, dass sie alles auflösen werden. In den USA hat das Publikum so viel Vertrauen: Dort ist bereits eine dritte Staffel in Planung.

Interview mit Josh Holloway

Worum geht es in "Colony"?

"Colony" dreht sich um ein bekanntes Thema der Menschheit: Okkupation. Geschichtlich gesehen war jede Gesellschaft irgendwann einmal entweder Besatzer von anderen Ländern oder ist selbst besetzt worden. In unserer Serie sind die Besatzer Außerirdische. Sie haben jegliches Verteidigungssystem außer Schacht gesetzt: Polizei, FBI, CIA. Ich spiele Will Bowman, einen ehemaligen FBI-Agenten und Menschenjäger, der mit seiner Familie jetzt im Untergrund lebt und als Mechaniker tätig ist. Als sein Sohn von den Eroberern gefangen wird, haben sie Will im wahrsten Sinne des Wortes bei den Eiern (lacht) und zwingen ihn, für sie zu arbeiten, während seine Frau heimlich im Widerstand aktiv ist.

Was macht diese Serie so aktuell?

Wenn man sich die Weltpolitik anschaut – Afghanistan, Irak, Iran, Russland, China – wächst die Angst, dass ein Szenario wie in "Colony" real werden kann. Auch wenn in der Serie der Feind außerirdisch ist, die Handlung dreht sich vor allem um Menschen, die andere Menschen unterdrücken – ähnlich wie das Stanford-Gefängnis-Experiment, das nach zwei Wochen abgebrochen werden musste, weil die Wärter zu brutal wurden.

Diese Rolle ist sehr körperlich fordernd. Sie scheinen eine Vorliebe dafür zu haben ...

Ja, ich scheine eine masochistische Ader zu haben (lacht). Und das nicht nur vor der Kamera. Ich habe angefangen, Jiu-Jitsu zu trainieren. Es macht mir anscheinend Spaß, vermöbelt zu werden (lacht). Aber das war weniger der Grund, warum mich diese Rolle ansprach. Ich habe selbst Kinder und bin fast 20 Jahre lang mit meiner Frau zusammen. Ich verstehe also, was meine Figur motiviert und bewegt.

Ist Ihre Familie der Grund, warum Sie so gerne in TV-Serien mitspielen?

Ja, während "Lost" habe ich festgestellt wie toll es ist, an einem Ort Wurzeln zu schlagen und eine Familie gründen zu können. Dann habe ich vier Jahre lang einen Filme gedreht, was Trennung von meiner Familie bedeutete und mich sehr unglücklich machte – obwohl ich mit tollen Schauspielern wie Tom Cruise, Arnold Schwarzenegger, Richard Dreyfuss, Gary Oldman und Harrison Ford zusammen arbeiten konnte. Jetzt habe ich Kino abgehakt und genieße mein Leben am TV-Set. Das Drehen von Fernsehserien ist auch viel interessanter, weil es schneller geht. Am Set von Kinofilmen habe ich mich oft gelangweilt, weil ich kein guter Stillsitzer bin. Ich muss mich bewegen!

Interview: Anke Hofmann

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