Apokalypse-Alarm in Berlin: Am Set der Endzeit-Serie "Acht Tage"

Was tun, wenn die Welt untergeht? GOLDENE KAMERA war exklusiv am Set der spektakulären Sky-Serie "Acht Tage" und traf die Hauptdarsteller Christiane Paul und Mark Waschke zum Video-Talk.

Brennende Autos, panische Menschen, patrouillierende Soldaten mit Maschinengewehren im Anschlag – auf der eigentlich so nobel herausgeputzten Taubenstraße mitten in Berlin herrscht Katastrophenstimmung! Denn in weniger als acht Tagen wird ein riesiger Meteor mit 60 Kilometer Durchmesser und einer Geschwindigkeit von 30.000 Stundenkilometern in Europa aufprallen und sämtliches Leben vernichten. Das jedenfalls ist das tödliche Szenario der neuen, starbesetzten Sky-Serie "Acht Tage" (Ausstrahlung Herbst 2018).

In acht Folgen von jeweils 60 Minuten erzählt sie, wie die Menschen mit der bevorstehenden Katastrophe umgehen und ganz unterschiedlich darauf reagieren. Gleichzeitig wird der Countdown der Apokalypse mit jeder Episode heruntergezählt, "24" lässt grüßen.

Wir besuchten am 29. von insgesamt 78 Drehtagen exklusiv den Set des aufwendigen Endzeit-Epos und sprach mit Regisseur Stefan Ruzowitzky. Der 55-jährige Oscargewinner (2008 für die "Die Fälscher") sieht im Mittelpunkt seiner Serie den Physiklehrer Uli Steiner (Mark Waschke, "Tatort") und seine Ehefrau Susanne ("Emmy"-Preisträgerin Christiane Paul, "Unterm Radar").

Video-Interview mit Christiane Paul und Mark Waschke

Christiane Paul und Mark Waschke über "Acht Tage"

Darum geht's in "Acht Tage"

Das Ehepaar Steiner will mit ihren Kindern ins mutmaßlich sichere Sibirien fliehen. Der Plan scheitert jedoch daran, dass alle Grenzen bereits geschlossen sind. Hilfe erhofft sich Susanne von ihrem Bruder Herrmann (Fabian Hinrichs), aber der hohe Regierungsbeamte will sich mit seiner schwangeren Frau Marion (Nora Waldstätten, "Mata Hari – Tanz mit dem Tod") in die USA absetzen und die Schwester wie auch seinen Vater Egon (Henry Hübchen) in Berlin zurücklassen. Ein weiterer Erzählstrang der Serie handelt vom gewalttätigen Vater Klaus (Devid Striesow), der seine Tochter Nora (Luisa Gaffron) in einen Schutzbunker einsperrt.

Ein hochkarätiges Ensemble also, das Stefan Ruzowitzky dem Untergang entgegenschickt. Der Regisseur erklärt, was für ihn das Besondere der Serie ausmacht: "Bei anderen Endzeitprojekten ist die Welt meistens schon komplett zerstört. Hier ist sie ebenfalls nicht mehr zu retten, aber wir erzählen die Hysterie vor dem Untergang, alles ist aus den Fugen geraten, das Leben der Einzelnen, aber auch jede gesellschaftliche Ordnung. Es gibt keine Normalität mehr, keiner geht mehr arbeiten, es gibt nie im Hintergrund jemanden mit einer Einkaufstüte, der ganz normal zum Supermarkt geht. Stattdessen sind die Menschen in 'Acht Tage' ununterbrochen am Rande des Nervenzusammenbruchs."

Einige von ihnen, so Ruzowitzky, suchen ihr Heil daraufhin in Hedonismus, Dekadenz und Drogen, andere in Religion. Und wieder andere werden ganz ruhig oder halten ihren Alltag aufrecht wie Polizist Deniz (Murathan Muslu), der noch immer Strafzettel an Falschparker verteilt – auch wenn klar ist, dass die nie mehr bezahlt werden. "Doch auch für ihn rückt das Ende mit jeder Episode näher", sagt Stefan Ruzowitzky. Für den Regisseur bestand ein besonderer Reiz der Arbeit darin, die Geschichten seiner Figuren im Zeitraffer erzählen zu können.

"Normalerweise ziehen sich figurenpsychologische Entwicklungen, etwa Seitensprünge oder Entfremdungen, stets über längere Zeit hin. Bei uns geschehen diese Prozesse aufgrund der unerbittlich tickenden Uhr innerhalb weniger Stunden. Weil den Helden nicht mehr viel Zeit bleibt, müssen wir ihre Entwicklung sehr dramatisch und zugespitzt abhandeln, da gibt es keine Atempause!"

Erstes TV-Projekt für Regisseur Stefan Ruzowitzky

Wir verlassen das Katastrophenszenario in der Taubenstraße und folgen Ruzowitzky zum nächsten Set in die Stauffenbergstraße. Dort, direkt neben dem Hotel Maritim, hat der Regisseur ein fiktives "Ministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe" angesiedelt. In einem schwarzen SUV fährt der von Fabian Hinrichs gespielte Regierungsbeamte Herrmann vor. Er lenkt sein Auto im Schritttempo durch demonstrierende Menschen, auch als weinende Mütter um Hilfe bitten, bleibt er eiskalt. Ein roter Farbbeutel trifft den Wagen, die Menge skandiert "Lügner!"

"Ich habe noch nie Fernsehen gemacht", sagt Regisseur Ruzowitzky nach dieser Szene, "denn das traditionelle TV ist zwar qualitativ hochwertig, aber gleichzeitig tendenziell auch für älteres Publikum. Mit 'Acht Tage' kann ich meine Leidenschaft für große Gefühle, Effekte und das Opernhafte für ein jüngeres Publikum kreativ umsetzen, ohne Angst vor zu viel Gewalt, zu viel Sex und Schimpfworten." Und gibt es eine Fortsetzung? "Nicht ausgeschlossen."

Serien-Event der Woche: "Mindhunter"

In seiner neuen Netflix-Produktion verwandelt Hollywoods Suspense-Experte David Fincher ("Sieben") die Geburtsstunde der Profiler-Technik in packende Serien(killer)-Unterhaltung.
Mehr lesen