GOKA-Kandidat: "Bruder - Schwarze Macht"

Die vierteilige Miniserie "Bruder – Schwarze Macht" (ab 29. Oktober, 21.45 Uhr, ZDFneo) erzählt die schleichende Radikalisierung eines Deutschtürken aus der Sicht der älteren Schwester, gespielt von Sibel Kekilli.

Darum geht's in "Bruder - Schwarze Macht"

Auf den ersten Blick scheint das Leben von Sibel (Sibel Kekilli) perfekt. Mit ihrem liebevollen Mann Kurt (Bjarne Mädel, "Der Tatortreiniger") hat die Deutschtürkin eine kleine Tochter. Auch im Job als Polizistin wird die besonnene junge Frau geschätzt; gerade hat man sie für eine Beförderung vorgeschlagen. Kurz: Sibel ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration.

Doch es zeigen sich Risse in Sibels heiler Welt. Ihr kleiner Bruder Melih (Yasin Boynuince) hat zwar gerade ein gutes Abitur gemacht. Doch der junge Mann sucht vergeblich nach seinem Platz in der deutschen Gesellschaft. Frustriert von alltäglicher Fremdenfeindlichkeit driftet er orientierungslos durchs Leben. Halt findet er schließlich bei einer Salafisten-Gemeinde. Es ist der Beginn einer Entwicklung, die auch Sibels Leben auf den Kopf stellen wird. Um ihren Bruder zu retten, ist die Polizistin bereit, alles aufs Spiel zu setzen.

Der Salafist in meiner Familie

Ein Thema, um das es in deutschen Serien und Filmen selten geht. Vielleicht auch, weil es stets eine Gratwanderung ist: Mit wie viel Verständnis kann, darf und muss man die Geschichte eines potenziellen Attentäters erzählen? Wie viel Empathie für einen angehenden Terroristen ist angebracht? "Ich persönlich habe kein Verständnis für diese Menschen", sagt Hauptdarstellerin Sibel Kekilli ("Gegen die Wand") im Interview mit GOLDENE KAMERA. "Sie richten über andere, die ihrer Meinung nach gesündigt haben. Aber indem sie selbst Gott spielen, sündigen sie meiner Meinung nach am meisten. Ich kann – und will – diese Radikalität nicht verstehen. Natürlich kann ich gewisse Frustrationen nachvollziehen, etwa wenn jemand sagt: 'Ich werde diskriminiert. Ich bekomme keine Wohnung, sobald ich meinen Namen nenne.' Aber Gewalt oder gar Mord ist durch nichts zu entschuldigen!"

Terrorismus fasziniert die deutsche Schauspielerin mit türkischen Eltern als Filmthema schon länger. "Ich habe mich vor acht, neun Jahren mit einem Regisseur zusammengesetzt und gesagt: Wir müssen einen Film über eine Terroristin in Deutschland entwickeln", so die heute 37-Jährige. "Aber wir haben keinen Produzenten gefunden. Die sagten damals nur: 'Ach, so ein Blödsinn – so was wird nie passieren'." Heute ist religiös begründeter Terrorismus in Deutschland hochaktuell, als Filmthema aber auch brisant. "Eine Produktion wie 'Bruder' ist auch heute noch alles andere als selbstverständlich", so Kekilli weiter. "Es verlangt viel Mut von den Machern."

Hintergrund

Geschrieben wurde die Serie von der Deutschtürkin Ipek Zübert, dem Deutschen Andreas Dirr und dem Deutschpalästinenser Raid Sabbah, der für die Serie unter anderem in einschlägigen Moscheen recherchiert hat. Kekilli verrät: "Natürlich gab es Ängste, dass wir wegen des heiklen Themas angegriffen werden. Das war der Grund, warum vorab nichts von dem Projekt nach außen dringen durfte."

Unter Geheimhaltung wurde an verschiedenen Locations in Hamburg gedreht – jener Stadt, in der Attentäter einst die Anschläge vom 11. September 2001 geplant hatten. Auch wenn offiziell niemand über "Bruder" Bescheid wusste: An sozialen Brennpunkten wie in Hamburg-Wilhelmsburg war das Filmteam nicht immer willkommen. "Eines Morgens", erinnert sich Kekilli, "wurden wir mit einem neuen Schriftzug an der Wand begrüßt: 'Haut ab! Wir sind keine Filmkulisse!'" Vor Ort stand die Hauptdarstellerin wie das gesamte Team der Produktion unter Personenschutz.

GOKA-Wertung

Diese stark besetzte Miniserie ist eine Mischung aus Thriller und Drama. Die Story überzeugt!

Muss ich sehen weil...

die filmische Auseinandersetzung mit diesem brisanten Thema schon lange überfällig ist.

Für Fans von...

"Homeland" und "24"

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

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