Serien-Event der Woche: "SS-GB":

Die Miniserie "SS-GB" (ab 14. November, 20.15 Uhr, RTL Crime) schreibt die Geschichte um: Nach gewonnener Luftschlacht besetzen die Nazis London.

Darum geht's in "SS-GB"

Ganz London ist übersät von Hakenkreuzbannern, auch an der Ruine des zerbombten Buckingham Palace hängt das Symbol der Nazis. Premierminister Winston Churchill wurde hingerichtet, König Georg VI. im Tower von London eingekerkert, seine Frau konnte mit den Töchtern Elisabeth und Margaret entkommen. So sieht das Szenario von "SS-GB" aus, das im November 1941 einsetzt, nachdem Hitler-Deutschland in der Luftschlacht um England gesiegt hat.

Trailer zu "SS-GB"

Mittendrin Detective Douglas Archer von Scotland Yard: Der Ermittler hat bei einem Bombenangriff seine Frau verloren und versucht, unter der Nazi-Besatzung ein möglichst unpolitischer Gesetzeshüter zu bleiben und sich nicht vor den Karren der SS spannen zu lassen, die britische Widerstandskämpfer jagt. Doch für Archer wird die Lage immer schwieriger. Ein Mord im Schwarzmarktmilieu erweist sich im Laufe der Ermittlungen als politisch weit brisanter, als er zunächst zu sein scheint. Zudem entpuppen sich einige Personen aus seinem Umfeld als Widerstandskämpfer, und der neu in London eingetroffene SS-Standartenführer Dr. Huth lässt Archer nicht mehr aus den Augen. Wie wird sich der Detective in dieser extrem angespannten Situation verhalten?

"Britische Jungs aus meiner Generation wuchsen mit dem Gefühl auf, dass 'wir' den Krieg gewonnen haben", sagt Hauptdarsteller Sam Riley. Der 37-Jährige wurde als Frontmann der Band Joy Division im Musikfilm "Control" bekannt. "Irgendwann realisiert man aber, dass 'wir' ihn nicht allein gewonnen haben. Auch mit der Frage, wie man sich unter einem totalitären Regime verhalten würde, mussten wir Briten uns nie beschäftigen. Deshalb fasziniert mich die Vorstellung, was geschehen wäre, wenn die Nazis in Großbritannien einmarschiert wären", sagt Riley, der mit seiner Frau Alexandra Maria Lara und dem gemeinsamen Sohn in Berlin lebt. "Archer ist nicht einfach ein Held des Widerstands. Eher ein Mann, der das Richtige tun will, aber nicht weiß, was das in seiner Situation ist. Hinzu kommt, dass er alleinerziehender Vater ist, was mich natürlich bewegt, da ich selbst ein Kind habe."

Hintergrund

Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1978 von Len Deighton, der in Großbritannien in einem Atemzug mit Ian Fleming und John le Carré genannt wird. Neal Purvis und Robert Wade, Autoren der letzten sechs Bond-Filme, übernahmen die Adaption fürs Fernsehen. Das Duo blieb eng am Original und schuf einen Thriller, der nicht auf Action setzt und wegen seines verwickelten Plots hohe Aufmerksamkeit verlangt, aber auch mit hoher Spannung belohnt.

Produziert wurde die Serie für den Sonntagabend bei BBC One, der für fiktionale Perlen wie "Sherlock" reserviert ist. Dass mit Philipp Kadelbach ("Unsere Mütter, unsere Väter") ein deutscher Regisseur ausgewählt wurde, darf durchaus als Ehre verstanden werden. "Dieser Sendeplatz muss traditionell etliche Voraussetzungen erfüllen, damit er dem Gebühren zahlenden Publikum gefällt", erklärt Riley. "Philipp war das zunächst nicht bewusst, und er hat sich auch nicht besonders davon beeinflussen lassen. Er wollte nicht die üblichen Schauspieler engagieren, die mit schlechtem deutschen Akzent gespielt hätten."

Viele deutsche Stars sind mit dabei

Es ist Kadelbachs Verdienst, dass neben internationalen Größen wie Kate Bosworth ("Superman Returns") als undurchsichtige US-Reporterin und James Cosmo ("Game of Thrones") als Archers Partner auch viele bekannte deutsche Namen auftauchen. Neben Lucas Gregorowicz, August Zirner und Rainer Bock brilliert Bühnenstar Lars Eidinger als SS-Bösewicht Huth, und Ronald Zehrfeld versucht als Wehrmachtshauptmann Hesse zu verhindern, dass die SS die Kontrolle über England übernimmt.

"Der Dreh war unglaublich aufregend", sagt Zehrfeld über seine erste englischsprachige Rolle. "Sam hat mir ab und zu mit der Aussprache geholfen. Wir mussten oft sehr lachen: Manchmal habe ich einen Satz zehnmal gleich ausgesprochen, er hat mich immer wieder korrigiert. Als ich es beim elften Mal wieder nicht hinbekommen habe, sagte er: 'Ja! Mach’s genau so!'" In der synchronisierten Fassung ist das Ergebnis dieser Mühen natürlich nicht zu hören, genauso wenig wie Sam Rileys tolle raue Originalstimme.

GOKA-Wertung

Wer alle inhaltlichen Feinheiten dieser sehenswerten Serie mitbekommen will, sollte eher die deutsche Version gucken. Denn nur wer jedes Wort versteht, wird dem ausgeklügelten Gedankenspiel von "SS-GB" folgen können.

Muss ich sehen weil...

Der Hauptdarsteller in der fünfteiligen Miniserie Sam Riley überzeugt als zweifelnder Film-noir-Ermittler.

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