Netflix vs. Amazon Prime: Wer passt zu Dir?

Amazon vs. Netflix: Bei welchem Streamingdienst Film- und Serienfans auf ihre Kosten kommen
Amazon vs. Netflix: Bei welchem Streamingdienst Film- und Serienfans auf ihre Kosten kommen
Foto: © 2016 Stephan Rabold Amazon Studios Pantaleon Films Warner / © Netflix
Was wir bereits wissen
Amazon Prime und Netflix buhlen mit allerlei Streams um die Gunst der Film- und Serienfreunde. Aber welcher Anbieter erfüllt welche Bedürfnisse besser?

Kommen Freunde von Filmen und Serien eher bei Amazon Prime oder bei Netflix auf ihre Kosten? Wo wird Kindern mehr Spaß geboten? Wir haben den Test gemacht, einige Genres unter die Lupe genommen und anschließend knallhart Punkte verteilt.

Wer hat das beste Angebot für Filmfans?

Was Filme angeht, ist Amazon Prime den Kollegen von Netflix zahlenmässig haushoch überlegen: Amazon Prime hat über 18.000 Titel im Programm, während Netflix gerade mal etwas mehr als 2.000 zur Auswahl hat. Tatsächlich kommt der geneigte Film-Fan bei Amazon Prime eher auf seine Kosten, da er dort Klassiker wie "2001: A Space Odyssey" oder "The Aviator" neben brandneuen Blockbuster wie "James Bond 007 - Spectre ", Hail, Caesar!" oder dem GOLDENEN KAMERA-Gewinnerfilm von 2017 "La La Land" (ab dem 24. November) gestreamt werden kann.

Offizieller "La La Land" Trailer

Netflix begeisterte dagegen mit eigenproduzierten Filmen wie "To The Bone" mit Lilly Collins, "The Meyerowitz Stories" mit unserem zweifachen GOLDENE KAMERA-Preisträger Dustin Hoffman (2003 und 2005) und dem Komiker Adam Sandler. Der Netflix-Film "Okja" lief sogar im Wettbewerb von Cannes 2017, obwohl es sich um keinen Kinofilm handelt. Leider ging der Streifen im Rennen um die Goldene Palme leer aus.

Da Amazon Prime die größere Filmauswahl und mehr Blockbuster im Programm hat, punktet Amzon Prime mit 1:0.

Wo kommen Serienfans mehr auf ihre Kosten?

Amazon Prime hat knapp 2.000 Serien im Angebot. Gestreamt werden können Serienhits wie "Grey's Anatomy", "Game of Thrones", "The Missing" oder "Breaking Bad" und Amazon Origianl Serien wie "Mr. Robot", "You Are Wanted" mit dem zweifachen GOLDENE KAMERA-Preisträger Matthias Schweighöfer (2003 und 2010) in der Hauptrolle.

Und sogar exklusive Serien hat Amazon im Angebot: Im November zeigt der Streamingdienst bereits jetzt schon die ersten beiden Folgen des "TBBT"-Spin-off "Young Sheldon" in der Originalversion. Darin können Fans von Sheldon aus "The Big Bang Theory" endlich sehen, was in seiner Kindheit alles schief gelaufen ist. Auch Sheldon-Darsteller Jim Parsons ist als ausführender Produzent und Erzähler mit von der Partie. Wöchentlich gibt es ab sofort eine neue Folge – die Free-TV-Premiere auf ProSieben folgt erst 2018.

Zudem gibt Amazon seinen Kunden die Möglichkeit mitzubestimmen, welcher Stoff in Serie geht. Jedes Jahr zeigt der Streamingdienst Amazon Originals Pilotfolgen, die vom Publikum bewertet werden können. Die neue Pilot Season startet am 10. November 2017 und steht diesmal im Zeichen von Comedy. Zur Wahl stehen drei halbstündige Piloten.

In der Sitcom "The Climb" geht es um eine Bürokauffrau (Diarra Kilpatrick), die mit ihrer besten Freundin (Tembi Locke) aus dem öden Alltag ausbrechen will, um als Internetstar berühmt zu werden. Aus der Feder von Michael Patrick King ("Sex and the City") stammt "Love You More", mit der pfundige Comedy-Sensation aus Amerika Bridget Everett, die hier als Beraterin in einer Einrichtung für junge Erwachsene mit Down-Syndrom arbeitet. In der Zombie-Comedy "Sea Oak" spielt GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Glenn Close (1993) die sanftmütige Tante Bernie, die eines Tages bei einem Einbruch ums Leben kommt - doch ihrem Grab wieder entsteigt, um endlich das Leben zu leben, das sie nie hatte.

Das Kunden-Feedback der vergangenen Pilot Seasons hat zu allerseits beliebten Serien geführt, wie der verdientermaßen mit mehrfachen Golden Globe und Emmy Awards ausgezeichneten Transgender-Dramedy "Transparent", dem Golden-Globe-Gewinner "Mozart in the Jungle" und dem Emmy-Preisträger "Man in the High Castle", der weltweit am häufigsten gestreamten Amazon Originals Serie aller Zeiten.

Netflix hat dagegen nur knapp 600 Serien im Angebot und liegt damit quantitativ hinter Amazon Prime. Dafür haut Netflix ein Original nach dem anderen raus. Daher punktet der Streamingdienst mit sehr erfolgreichen eigenproduzierten Serien. Dazu gehören der Knast-Opus "Orange is the new black", der mit dem GOLDENE KAMERA Digital Award ausgezeichnete Politthriller "House of Cards" oder die mit fünf Emmys bedachte Serie "Stranger Things" mit Winona Ryder, die gerade in die 2. Staffel gestartet ist. Zum absoluten Muss für Serien- und "Star Trek"-Fans gehört das Original "Star Trek: Discovery". Und mit der 10-teiligen Original-Serie "Mindhunter" verwandelt Hollywoods Suspense-Experte David Fincher ("Sieben") die Geburtsstunde der Profiler-Technik in packende Serien(killer)-Unterhaltung.

Zudem hat sich Netflix die Rechte an Marvel Comic-Adaptionen gesichert und Serien wie "Jessica Jones, "Iron First", "The Defenders", "Luke Cage" und "Daredevil" produziert. Nachdem der Punisher in der 2. Staffel von "Daredevil" eine ganz eigene Fanbase aufbauen konnte, spendiert ihm Netflix sogar eine eigene Serie: Ab dem 17. November startet mit "Marvel's The Punisher" die neueste Netflix-Superheldenserie.

Serienmäßig sind also beide Streaming-Anbieter gleichauf. Macht 1:1!

Wo haben Comedy-Fans mehr Spaß?

Ganz klar vorn liegt Netflix im Bereich Late-Night-Show. Seit Anfang September gibt es hier bereits die 2. Staffel von "Chelsea Handler's Talk Shows", mit der für ihren Sarkasmus berühmten gleichnamigen US-Entertainerin. Von Anfang an gingen weltweit alle Episoden zur gleichen Zeit online – eine absolute Neuheit! Sehr spaßig ist auch David Cross, der im Netflix Comedy Special "Making America Great Again!" Donald Trump aufs Korn nimmt. Wesentlich anzüglicher ist das Stand-up-Special "Ali Wong: Baby Cobra" geraten. Und nun konnte Netflix auch noch die amerikanische Late-Night-Legende David Letterman gewinnen. Die noch unbenannte Serie aus sechs Folgen von je einer Stunde soll kommendes Jahr Premiere feiern.

"300": Donald Trump Parodie

Amazon Prime hat in punkto Late-Night-Show kaum was zu bieten, eigenproduzierte Formate sucht man hier vergeblich. Die kultigste Show auf Abruf ist die "Chappelle's Show" von Comedian-Rapper Dave Chappelle. Die stammt allerdings aus den Jahren 2003 bis 2006 und ist damit ganz kalter Kaffee.

Hier also ganz klar die Wertung 1:0 für Netflix!

Wer hat das Beste für Kids?

Sowohl Amazon Prime als auch Netflix buhlen um die Gunst der süßen Kleinen. Während sie bei Netflix per Profilregelung ganz einfach einen eigenen Zugang bekommen und nach Herzenslust stöbern dürfen, muss man bei Amazon Prime die Kindersicherung per PIN-Vergabe erst einmal einrichten. Auch hat Netflix seine Kids-Angebote wesentlich plausibler strukturiert. In den 13 Kategorien findet man beispielsweise die "Top-Auswahl für Kids", "Sprechende Tiere", "Lustig", "Gruselgeschichten" oder "Girlpower". Bei Amazon Prime gibt es nur sechs Gruppierungen, darunter "Die beliebtesten Kinderserien", "Die beliebtesten Kinderfilme" und "Hits für Vorschulkids". Natürlich gibt's auch Netflix-Originals für Kinder, wie "Beat Bugs". Eine Serie, in der mit den Songs der Beatles fünf Käfer wichtige Lektionen lernen. Hier liegt also klar Netflix vorn.

Trailer zu "Beat Bugs"

Bei der Auswahl der Filme halten sich Netflix und Amazon Prime dann wieder die Waage: Netflix behauptet sich mit "Pokémon", "Madagascar" und "Ninjago", um nur einige zu nennen, und bietet auch Klassiker wie "Toy Story", "Aristocats" oder "Schneewittchen". Amazon Prime setzt auf beliebte Serien wie "Shaun das Schaf" oder "Das Grüffelo", hat aber auch kultige Kinderfilme wie "Janoschs' Traumstunde", "Tom & Jerry" oder "Benjamin Blümchen" im Angebot.

Dank der kindgerechten Strukturierung seines Programms und der einfachen Profilregelung für Kids, liegt Netflix mit 1:0 vorn.

Wo bekommen Wissenshungrige Futter?

Rein zahlenmässig sind bei Amazon Prime Video viel mehr Dokus zu finden - 7.000, im Gegensatz zu mageren 532 Titeln bei Netflix. Jedoch sind nicht alle Dokus auf Amazon Prime "echte" Dokus. So findet man dort auch Spielfilme mit dokumentarischen Bezügen, wie z. B. "Kunduz – eine mörderische Entscheidung" mit GOLDENE KAMERA-Preisträger Matthias Brandt (2008). Unfangreich ist der Bereich "Biografie" mit 300 Einträgen, hier kann man sich Biopics von Udo Jürgens, er unter anderem 1988 und 1995 auch mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet wurde, Hugh Hefner oder Diana anschauen.

Trailer zu "The Lady in Number 6"

Die insgesamt 532 Dokus bei Netflix sind hingegen "echte Dokus" und haben neben Natur- und Völkerkunde nicht nur Unterhaltsames zu bieten, wie einige von Sarah Wieners beliebten "kulinarischen Abenteuern", sondern auch Preisgekröntes, wie den Kurz-Dokumentarfilm "The Lady in Number 6", der 2014 sogar einen Oscar gewann. Gerade bekannt geworden ist, dass der Streamingdienst mit einer eigenproduzierten Dokureihe über den italienischen Fußballclub Juventus Turin Anfang 2018 online gehen wird.

Rein massentechnisch liegt also Amazon Prime vorn, aber themenmässig ist Netflix interessanter. Hier also 1:0 für Netflix!

Fazit: Who is hot – and who is not?

Netflix gewinnt mit 4:2. Statt Quantität bietet der Streamingdienst mit seinen Originals Qualität, und die bringt die Punkte. Amazon Prime hat ein viel größeres Angebot, jedoch nicht so eine fein abgestimmte Auswahl wie der Konkurrent.

Serien-Event der Woche: "Alias Grace"

In der Netflix-Miniserie nach dem Buch von "The Handmaid's Tale"-Autorin Margaret Atwood gerät Sarah Gadon ("11.22.63 - Der Anschlag") im Jahr 1843 unter Doppelmordverdacht.
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