"Designated Survivor": Kiefer Sutherland als zweiter US-Präsident bei Netflix

Hinterbänkler Tom Kirkman (Kiefer Sutherland) übernimmt die Regierungsgeschäfte
Foto: Netflix
Was wir bereits wissen
"Jack Bauer" wird Präsident: In "24" sorgte Kiefer Sutherland noch für die Sicherheit des Präsidenten, jetzt spielt er ihn gleich selbst.

Sutherland verkörpert in "Designated Survivor" (ab 6. November bei Netflix) den Kabinett-Hinterbänkler Tom Kirkman, der plötzlich zum Commander in Chief aufrückt, als der US-Präsident und alle hochrangigen Politiker einem Bombenanschlag zum Opfer fallen. Nach "House of Cards" die zweite Serie bei Netflix, bei der der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Fokus steht. Wir trafen Kiefer Sutherland in Hollywood und sprachen mit ihm über seine neue Rolle im Oval Office.

Interview mit Kiefer Sutherland

GOLDENE KAMERA: Viele werden Sie jetzt dank dieser Show mit „Hallo, Mr. President“ ansprechen. Haben Sie sich mit dieser Rolle einen Traum erfüllt?

Kiefer Sutherland : Nein! Präsident zu sein ist ein unheimlich schwieriger Job. Er erfordert eine lebenslange Vorbereitung. Mein Großvater (Thomas Clement „Tommy“ Douglas) war 17 Jahre lang Vorsitzender der NDP (New Democratic Party in Kanada) und Premierminister in Saskatchewan (kanadischer Staat). Durch ihn habe ich gesehen, wie viel Einsatz und Hingabe man für den öffentlichen Dienst benötigt. Ich habe seine politische Karriere immer sehr respektiert, aber selbst nie davon geträumt oder fantasiert. Jetzt eine Figur darzustellen, die überraschend und unwillentlich über Nacht zum Präsident der Vereinigten Staaten wird, ist allerdings schon eine wahrgewordener Traum – für mich als Schauspieler! Aber in Realität lasse ich lieber die Finger davon (lacht).

Tailer Designated Survivor

In der ersten Folge werden Sie zu einem der mächtigsten Männer der Welt. Wie geht es danach weiter?

Einer der Gründe, warum ich in „Designated Survivor“ mitspielen wollte, ist Creator David Guggenheims Idee, drei Handlungen miteinander zu verknüpfen: Familie, FBI und Politik. Wir untersuchen, was es für eine Familie bedeutet, plötzlich ins Weiße Haus ziehen zu müssen. Welche Folge hat es für die Kinder, wenn ihr Vater jetzt Präsident ist? Und wie ändert das die Dynamik in einer Ehe? Wir zeigen die Jagd auf die Terroristen, die für den Bombenanschlag verantwortlich sind. Und sobald wir wissen, wer dahinter steckt, stellen wir die Frage: Was ist der angemessene Gegenschlag? Die dritte Handlung liegt mir besonders am Herzen, vor allem wenn ich auf den aktuellen Wahlkampf in der USA blicke. Mit dieser Show geben wir dem Zuschauer eine rationale Diskussion darüber, was wichtig in unserem Land und für die Welt ist. Wie weit wir kommen können, wenn die rechte und linke Partei zivilisiert miteinander diskutiert und handelt. Diese Szenen machen mir besonders viel Spaß, weil ich persönlich daran interessiert und engagiert bin.

Es gab sehr viele TV-Präsidenten. In „24“ haben Sie selbst ihnen gedient. Wie unterscheidet sich Ihr Mann im Oval Office von seinen Vorgängern?

Kiefer: Meine Figur Tom Kirkman ist kein politisches Wesen. Selbst seine Frau hat mehr politischen Ehrgeiz als er. Aber das bedeutet nicht, dass er kein politisches Interesse besitzt. Er hat als Architekt angefangen und sich dann für Sozialwohnungsbau eingesetzt, bis er vom Präsidenten zum Minister für Wohnen und Städteplanung ernannt. Man erreicht so eine hohe Position nicht, ohne seine Lehre in Washington absolviert zu haben. Aber Präsident zu werden gehörte sicherlich nicht zu Toms Ziel oder Traum. Die Tatsache, dass er trotzdem in dieser Position gelandet ist, macht ihn so interessant für mich – und ähnelt in dem Sinne sogar Jack Bauer (aus „24“). Beide Figuren finden sich in unvorstellbar schwierigen Umständen wieder, aber kämpfen allen Widrigkeiten zum Trotz für Demokratie. Natürlich sind Jack Bauers Fähigkeiten mit Tom Kirkmans Eigenschaften nicht zu vergleichen, aber beide riskieren alles in diesem Kamp.

Wer waren Ihre präsidialen Vorbilder für diese Rolle?

Kiefer: Franklin Delano Roosevelt. Ich habe mir seine Menschlichkeit und Würde als Vorbild für Tom Kirkman genommen. Gestern hat mich jemand gefragt, ob ich auch Lyndon Baines Johnson studiert habe, weil er durch die Ermordung von John F. Kennedy auch total unvorbereitet von einem Tag auf den anderen zum Präsidenten wurde. Es war mir fast peinlich, dass ich nie daran gedacht hatte, aber ich habe mir jetzt vorgenommen, die ersten vier Monate von LBJ im Amt zu recherchieren.

Designated Survivor - Interview mit Kiefer Sutherland

Wie akkurat ist diese Show? Gibt es wirklich einen Designated Survivor?

Kiefer: Ja. Die Designated Survivor-Klausel steht in der amerikanischen Verfassung. Sie wurde 1774 verfasst. Damals traf sich der Kongress in einem Holzgebäude in Philadelphia. Die gesamte Regierung mit einem Feuer auszulöschen war mehr als eine Wahrscheinlichkeit.

Sie haben den aktuellen Wahlkampf angesprochen. Haben Sie je Hillary Clinton oder Donald Trump persönlich getroffen? Und können Sie wählen?

Kiefer: Ich habe Hillary 1997 in Pittsburgh bei einer Ansprache an die Stahlarbeiterunion gesehen, aber sie nicht persönlich kennen gelernt. Und ich bin noch nie Donald Trump begegnet. Ich lebe und bezahle zwar Steuern in den Vereinigten Staaten, kann aber leider nicht wählen, weil ich kein Staatsbürger bin. Ich habe einen kanadischen und einen britischen Pass, kann aber auch in Kanada oder England nicht wählen, weil ich dort nicht lebe. Wenn ich Nachrichten schaue, verschwende ich also nur meine Zeit (lacht).

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