"You Are Wanted"-Star Karoline Herfurth im Interview

Im Interview verrät Karoline Herfurth wie sich ihre Einstellung zum Internet geändert hat und ab wann Social Media gefährlich werden kann.

In der sechsteiligen Amazon-Serie (ab 17. März) schlüpft Matthias Schweighöfer (GOLDENE KAMERA-Preisträger 2003 und 2010) in die Rolle des Familienvaters Lukas, der nach einem Hackerangriff auf seine persönlichen Daten vom BKA als Terrorverdächtiger gesucht wird. Beim Kampf um den Beweis seiner Unschuld stehen ihm Alexandra Maria Lara als Seriengattin und Karoline Herfurth als taffes Hacker-Opfer zur Seite.

Trailer zu "You Are Wanted" (VoD-Start: 17.3.2017)

Zum Start der Amazon-Serie trafen wir Karoline Herfurth zum Interview.

"You Are Wanted"-Star Karoline Herfurth im Interview

Interview mit Karoline Herfurth

Sehen Sie Ihr Smartphone seit dem Dreh zu "You Are Wanted" mit anderen Augen, Frau Herfurth – nach dem Motto: "Der Spion in meiner Hosentasche"?

Ja, ich muss gestehen, dass meine Einstellung zum Internet und zur permanenten Anbindung an die Welt sich im letzten Jahr verändert hat. Ich habe das Gefühl, dass immer mehr Filme, Medien und die Öffentlichkeit sich damit beschäftigen, was der digitale Fußabdruck im Internet bedeutet – und ich merke jetzt, dass ich in der Vergangenheit zu vertrauensvoll gewesen bin. Aber wirklich schützen werde ich mich wohl trotzdem nicht können, weil jeder, der mich hacken möchte, es auch tun kann – egal, welches Passwort ich anlege.

Wann haben Sie das letzte Mal "Fack ju, Internet" gedacht?

"Fack ju, Internet" habe ich das letzte Mal in der ganzen Debatte um die Trump-Wahl gedacht. Die Diskussion über Algorithmen, Fake News und was im Zuge der Wahl von Donald Trump passiert ist, haben bei mir zu einem regelrechten Aha-Effekt geführt. Das Internet ist gar kein global verbindendes Medium, wie ich immer angenommen habe, sondern ganz im Gegenteil: es ist spaltend, Interessengruppen bildend und selektierend. Das finde ich unheimlich. Und ich merke auch, wie leicht man sich im Internet angreifbar macht. Matthias Schweighöfer hat mir erzählt, dass man auf YouTube Anleitungen findet, wie sich die Kameras von anderen Menschen in deren Laptops aktivieren lassen. Das finde ich gruselig. Ich war immer jemand, der die Kamera zugeklebt hat. Jetzt fange ich damit an, meine Internetkonten zu löschen, um wieder sorgfältiger mit meinen Daten umzugehen. Außerdem würde ich nie Fotos in einer Cloud speichern.

Aber ist es für Sie als Schauspielerin nicht überaus wichtig, Fanpflege auf Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat zu betreiben?

Das benutze ich alles – außer Snapchat. Einen Austausch mit anderen Menschen, wie ich ihn nach meinem ersten Regiefilm "SMS für dich" erlebt habe, mag ich sehr gern. Aber in der Öffentlichkeit rede ich überhaupt nicht über mein Privatleben – und erst Recht nicht auf sozialen Kanälen.

In "You Are Wanted" spielen Sie eine Bloggerin, die von Hackern angegriffen wird. Wie lässt sich Ihre Rolle beschreiben und wie waren die Dreharbeiten?

Sehr spannend. Einerseits habe ich zum ersten Mal eine Serie gedreht, andererseits zum ersten Mal mit Matthias Schweighöfer vor der Kamera gestanden. Zwar hatten wir früher schon mal miteinander gearbeitet – als ich noch 15 Jahre alt war und er 18 – aber damals gab es keine gemeinsamen Szenen. Jetzt war es schön, ihn als Chef und Kollegen zu erleben und zu sehen, wie effizient er arbeitet. Meine Figur ist eine undurchsichtige Frau, deren Motive im Dunkeln liegen – sie ist geheimnisvoll, Typ "Lonely Wolf". Außerdem hat sie offensichtlich Kampferfahrung, weil sie immer bewaffnet ist. Die Rolle war spannend. Ich habe dafür ein Waffen- und ein Stunttraining absolviert.

Warum lohnt sich das Anklicken am 17.3. auf Amazon Prime?

Weil es die erste deutsche Serie mit und von Matthias Schweighöfer für Amazon ist. Sie ist spannend und sehr hochwertig produziert. Außerdem zeigt der Sechsteiler, wie leicht man heutzutage gehackt werden kann, wie durchsichtig und angreifbar man durch das Internet geworden ist – und welche fatalen Folgen das Ganze haben kann. Denn wenn ein persönliches Profil komplett verändert wird und der Besitzer die Kontrolle über es verliert, misstrauen einem sogar die nächsten Angehörigen.

Momentan schaut jeder Deutsche täglich durchschnittlich 223 Minuten fern – aber gleichzeitg werden auch die Streaming-Dienste populärer. Wie ändert sich die Filmbranche?

Stimmt, momentan wird das inhaltliche Angebot ständig erweitert. Ich habe aber bisher nicht das Gefühl, dass das Fernsehen und das Kino unter den Streaming-Diensten leiden. Was sich jedoch verändert sind die Entertainmentmöglichkeiten – und dass sich die Zuschauer an neue Erzählweisen gewöhnen. Statt eine Serie wie früher bloß einmal pro Woche anzuschauen, kann man sie jetzt am Stück sehen. Durch die Streaming-Dienste wird das noch einfacher, und die Serienmacher können eine Geschichte und ihre Figuren nun auch horizontal – also als eine aufeinander aufbauende Entwicklung – erzählen. Im Kino hingegen muss man bei einer Geschichte viel schneller "auf den Punkt" kommen und darf eine Figur nicht lange einführen. Im Moment erlebt Deutschland einen spannenden Prozess, weil Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon nicht so sehr an Zuschauerzahlen gebunden sind und dadurch noch einmal ganz andere Möglichkeiten haben als Kinofilme. Auf jeden Fall wird die Branche momentan ziemlich durchgerüttelt.

Aber inwiefern könnten die Streamer auch das Fernsehen angreifen?

Ich glaube, dass das klassische Fernsehen immer noch ein großes Publikum hat – obwohl ich selbst noch nie dazu gehört habe. Denn ich bin ohne Fernseher groß geworden. Wenn ich heute TV schaue, dann immer, dann weil mich ein spezieller Film oder eine spezielle Show interessiert. Und den "Tatort" gucke ich ebenfalls gern im Fernsehen.

Eines Ihrer schauspielerischen Vorbilder ist Meryl Streep – und die engagiert sich in den USA gegen Trump. Könnten Sie sich ein solches Engagement auch für sich in Deutschland vorstellen – etwa gegen die AfD?

Heutzutage ist es wieder extrem wichtig geworden, für seine Meinung gerade zu stehen und sie auch zu diskutieren. In der vergangenen Zeit hat man sich, wenn es um Politik ging, eher zurückgehalten. Doch mittlerweile mehren sich laute populistische Stimmen, denen man seine eigene Stimme entgegensetzen sollte. Deshalb hätte ich das Bedürfnis, dass auch meine politische Stimme lauter wird. Wie man das klug anstellt weiß ich noch nicht. Aber es ist wichtig, dass man sagt, was man denkt. Ich bin tatsächlich erschüttert, wie fragil das demokratische Gebilde ist – und auch schockiert darüber, wie wenig Menschen zu schätzen scheinen, was ein demokratischer Rechtsstaat oder eine rechtsstaatliche Demokratie bedeutet und welche Werte dem zugrunde liegen. Jetzt habe ich das Gefühl, dass die politische Bildung oder die Aufklärung im Schulunterricht nachgeholt werden muss.

Was halten Sie von der Idee, dass die Gesellschaft in Zeiten von "Fake News" einen Internet-TÜV einführen sollte für das richtige Bedienen und Kennenlernen des Mega-Massenmediums?

Früher habe ich immer darüber gelacht, wenn jemand gesagt hat, dass man "Medien als Unterrichtsfach" einführen sollte. Aber mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass es wirklich wichtig wäre, ein Unterrichtsfach einzuführen, das mit Öffentlichkeit in den Medien zu tun hat – also auch mit den sozialen Netzwerken. Was passiert da? Welche Möglichkeiten gibt es? Was sind die Gefahren, was die Vorteile – und wie kann man das Ganze nutzen? Scheinbar gibt es sehr viele Menschen, die glauben, dass Facebook eine Zeitung ist! Dabei unterliegt eine richtige Zeitung ganz anderen rechtlichen und qualitativen Maßstäben, denn dort arbeiten ausgebildete Journalisten. Aber auf Facebook verbreiten sich Falschmeldungen unglaublich schnell. Leider sind die Politik und das Rechtssystem immer langsamer als die digitale Entwicklung.

Bloggen, Internet, Social Media: Wie viel preiszugeben ist klug und ab wann wird es gefährlich?

Man muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass man jede geteilte Information mit der Öffentlichkeit teilt – aber die Adressaten gar nicht kennt. Ich ziehe eine ganz klare Trennlinie zwischen meinem Berufs und meinem Privatleben. Zwar mischt sich beides manchmal ein bisschen, und insofern ist die Linie auch individuell, aber es sehr wichtig, sich darüber bewusst zu sein, wie gläsern man im Netz werden kann.

Stichwort Hollywood. Das La-La-Land hat angeblich schon mal bei Ihnen angeklopft für den Liebes-Sex-Thriller "Passion". Warum ist daraus nichts geworden? Lassen Sie die Traumfabrik zappeln?

Ich würde nicht kategorisch "Nein" sagen. Aber ich fühle mich hier zuhause. Gerade durch mein Regiedebüt habe ich auf beruflicher und kreativer Basis in Deutschland wirklich alle Möglichkeiten und sehe gar keine Notwendigkeit nach Amerika zu gehen. Insofern ist da nichts in Planung. Und langsam bin ich wahrscheinlich auch zu alt fürs La-La-Land.

Was ist Spruchreifes in der Pipeline für 2017?

Gar nichts, und das finde ich total schön. Es ist einfach nichts spruchreif. Letztes Jahre habe ich wahnsinnig viel gearbeitet, mein Regiedebüt fertig gemacht – und "Die kleine Hexe" gedreht. Die wird noch eine Weile brauchen in der Postproduktion. Insofern bin ich froh über die geschenkte Zeit und dass ich mich jetzt erst einmal auf den nächsten Schritt besinnen kann.

Zum Serienstart von "You Are Wanted" trafen wir außerdem Alexandra Maria Lara, Tom Beck und Matthias Schweighöfer zum Video-Talk:

Matthias Schweighöfer am Set seiner neuen Serie "You Are Wanted"
"You Are Wanted"-Star Alexandra Maria Lara im Interview
"You Are Wanted"-Star Tom Beck im Interview

Interview: Mike Powelz

"You Are Wanted"-Star Alexandra Maria Lara im Interview

Zum Serienstart bei Amazon Prime Video (ab 17. März) trafen wir "You Are Wanted"-Star Alexandra Maria Lara zum Interview. Sie verrät, wie kritisch sie dem Internet gegenüber steht.
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