Netflix bläst zur Spielfilm-Offensive

Für eigenproduzierte Top-Serien ist der Streaming-Primus längst bekannt. Doch 2017 nimmt es Netflix unterstützt von Megastars wie Brad Pitt, Robert Redford, Will Smith und Angelina Jolie auch in Sachen Spielfilm mit Hollywood auf.

2017 steht bei Netflix nicht im Zeichen selbstproduzierter Serien-Originals, sondern im Zeichen stargespickter Spielfilmprojekte. Ein erstes Ausrufezeichen setzt am 31. März Hollywood-Legende Robert Redford mit "The Discovery". Im romantisch angehauchten Sci-Fi-Drama spielt der zweifache Oscar-Gewinner einen Wissenschaftler, der tatsächlich ein Leben nach dem Tod entdeckt und damit eine Selbstmordwelle auslöst, die seinen skeptischen Sohn Will ("How I Met Your Mother"-Star Jason Segel) und die suizidgefährdete Isla (Rooney Mara) einander näher bringt...

Trailer zu "The Discovery" (VoD-Start: 31.3.2017)

Bereits gestartete Netflix-Spielfilme 2017

"The Discovery" feierte auf dem Sundance Film Festival Premiere, wo sich Netflix die weltweiten Verleihrechte sicherte. Neben echten "Netflix Originals“-Produktionen rundet der Streamingdienst mit dieser Vertriebspraxis sein originäres Spielfilmprogramm ab und macht dabei so manche Indie-Filmperle einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich, als es mit einem begrenzten Programmkino-Start möglich wäre. Ein gutes Beispiel für diese Perlentaucher-Praxis ist die ebenfalls in Sundance debütierte Tragikomödie "Fremd in der Welt" mit "Herr der Ringe"-Ikone Elijah Wood und Melanie Lynskey, in der eine depressive Krankenpflegerin in die Bredouille kommt, als sie nach einem Einbruch in ihre Wohnung mit ihrem möchtegerntaffen Nachbarn selbst auf Verbrecherjagd geht...

Trailer zu "Fremd in der Welt" (VoD-Start: 24.2.2017)

Dass sich Netflix bei der Auswahl seiner Spielfilmprojekte weder auf ein bestimmtes Genre noch auf eine einzelne Erfolgsformel konzentriert, lässt sich am bisherigen Programm 2017 ablesen, das bereits die ganze Bandbreite filmischen Erzählens abgedeckt hat: von Sci-Fi-Thrillern wie "iBoy" mit TV-Liebling Maisie Williams (Arya Stark in "Game of Thrones") über Komödien wie "Girlfriend's Day" mit "Better Call Saul"-Sympathieträger Bob Odenkirk und packenden Horror-Schockern wie "Clinical" bis hin zu ambitionierten Biopics wie "Amerikas meistgehasste Frau", in dem es nicht nur Peter Fonda als ideologischer Evangelist mit der atheistischen Bürgerrechtsaktivistin Madalyn Murray O'Hair (Melissa Leo) zu tun bekommt...

Trailer zu "Amerikas meistgehasste Frau" (VoD-Start: 24.3.2017)

Kommende Netflix-Spielfilme 2017

Und was hat Netflix 2017 sonst noch in petto? Zunächst einmal ein Herz für Adam Sandler, der mit seiner Showbiz-Komödie "Sandy Wexler" (ab 14. April) gleich vier neue Filme für Netflix in der Pipeline hat. Während sich Sandlers rustikale Komödien im Kino oft schwer tun, liefen in der Vergangenheit seine Netflix-Präsentationen wie "Die lächerlichen Sechs" wie geschnitten Brot. Womit bewiesen wäre, dass beim heimischen Griff ins Supermarktregal der Streaming-Dienste die qualitative Hemmschwelle deutlich geringer ausfallen kann als an der Kinokasse.

Dass Netflix in Sachen Spielfilm-Comedy allerdings ausschließlich auf Anspruchslosigkeit setzt, lässt sich nicht behaupten. Einen ersten Gegenbeweis tritt die Komödie "Win It All" (ab 7. April) an, in der "New Girl"-Mitbewohner Jake Johnson als notorischer Loser Eddie alles auf eine Karte setzen muss, nachdem er das Geld eines Gangsters verprasst und damit das Herz von Krankenschwester Eva (Aislinn Derbez) erobert hat...

Trailer zu "Win It All" (VoD-Start: 7.4.2017)

Und in "Handsome: Ein Netflix Krimi" (ab 5. Mai) gibt es ein Wiedersehen mit Indie-Darling und "Orange Is the New Black"-Ikone Natasha Lyonne, die als schräge Partnerin von Detective Gene Handsome (Jeff Garlin) bei einer skurrilen Mordermittlung in Los Angeles auf den humoristischen Spuren von "Columbo" wandelt...

Originaltrailer zu "Handsome: Ein Netflix Krimi" (VoD-Start: 5.5.2017)

Wer es dramatischer mag, für den lässt es Netflix im Kriegsfilm-Segment krachen. In "Sand Castle" (ab 21. April) verkörpern "Superman" Henry Cavill und "X-Men: Apocalypse"-Mutant Nicholas Hoult US-Soldaten, die während des ersten Irakkriegs 2003 gegen innere und äußere Widerstände versuchen, die Wasserversorgung eines abgeschiedenen Dorfes aufrecht zu erhalten...

Originaltrailer zu "Sand Castle" (VoD-Start: 21.4.2017)

Ebenfalls auf wahren Begebenheiten basiert die Kriegsfilmsatire "War Machine" (ab 26. Mai), mit der Brad Pitt als Hauptdarsteller und Produzent den Megastar-Reigen in Netflix' Spielfilmprogramm 2017 eröffnet. Unter der Regie des britischen Indie-Filmers David Michod ("Königreich des Verbrechens") und unterstützt von Charakterdarsteller-Größen wie Tilda Swinton und GOLDENE KAMERA-Gewinner Ben Kingsley (1990) schlüpft Pitt in die Rolle von General Glen McMahon, dessen bärbeißige Siegermentalität vom ehemaligen Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Afghanistanfeldzug Stanley McChrystal inspiriert ist...

Teaser-Trailer zu "War Machine" (VoD-Start: 26.5.2017)

Tilda Swinton ist neben Lily Collins und Jake Gyllenhaal auch in der südkoreanischen "King Kong"-Variante von Kultregisseur Joon-ho Bong ("Snowpiercer") mit von der Partie. "Okja" (ab 28. Juni) erzählt die anrührende Geschichte der jungen Mija (An Seo Hyun), die in den koreanischen Bergen eine langjährige Freundschaft mit dem titelgebenden Ungetüm pflegt und zu einer turbulenten Befreiungsaktion aufbricht, als die skrupellose Chefin der global operierenden Mirando Corporation (Swinton) Okja für finstere Zwecke nach New York entführt...

Teaser-Trailer zu "Okja" (VoD-Start: 28.6.2017)

Im Sommer geht es dann übernatürlich weiter, wenn sich der erprobte Horror-Regisseur Adam Wingard ("You're Next") an dem US-Filmremake einer gefeierten Manga- und Anime-Reihe versucht. In "Death Note" (ab 25. August) fällt dem Studenten Light Turner (Nat Wolff) das Totenbuch des Dämonen Ryuk in die Hände. Da jeder Mensch stirbt, dessen Namen Light in die Seiten schreibt, beginnt er die Welt, von Schurken zu reinigen, was nicht nur die Behörden, sondern auch den mysteriösen Detektiv L (Lakeith Stanfield) auf den Plan ruft...

Teaser-Trailer zu "Death Note" (VoD-Start: 25.8.2017)

Zu guter Letzt ist für Dezember das Will-Smith-Spektakel "Bright" angekündigt. Im Fantasy-Cop-Thriller, den der Hollywood-Star zusammen mit seinem "Suicide Squad"-Regisseur David Ayer und Drehbuchautor Max Landis ("Dirk Gentlys holistische Detektei") realisiert hat, spielt Smith den Streifenpolizisten Scott Ward, der sich in einem alternativen, weil von Fabelwesen bevölkerten Los Angeles mit seinem Ork-Partner Jakoby (Joel Edgerton) zusammenraufen muss, um den Untergang der Welt aufzuhalten...

Teaser-Trailer zu "Bright" (VoD-Start: Dezember 2017)

Angekündigte Netflix-Spielfilme 2017

Doch das ist noch nicht alles, denn 2017 noch weitere Netflix-Spielfilme mit reichlich Starpower in den Startlöchern, für die es allerdings noch keine finalisierten Starttermine gibt: Im Drama "Our Souls at Night" wird erneut Robert Redford zu sehen sein, der mit unserer frischgebackenen GOKA-Lebenswerk-Preisträgerin Jane Fonda als verwitwetes Nachbarspaar einen dritten Frühling erlebt. Die Tragikomödie "To the Bone" von "Buffy"-Produzentin Marti Noxon erzählt die Geschichte der magersüchtigen Patientin Ellen (Lily Collins), die von ihrem Arzt Dr. Beckham (Keanu Reeves) mit unkonventionellen Methoden aus der Reserve gelockt wird. Große Schauwerte dürfte der in den Babelsberg Studios entstandene Sci-Fi-Thriller "Mute" von "Warcraft"-Regisseur Duncan Jones bieten. Darin macht sich Neu-"Tarzan" Alexander Skarsgård als stummer Barkeeper mit dunkler Vergangenheit in einem futuristischen "Blade Runner"-Berlin auf die Suche nach seiner verschwundenen Freundin. Und in ihrer fünften Regiearbeit "First They Killed My Father" verfilmt Angelina Jolie die vom Terror der Roten Khmer geprägte Jugend der kambodschanischen Menschenrechtsaktivistin Loung Ung...

Original-Feature zu "First They Killed My Father"

Und wer weiß: Vielleicht mausert sich Jolies Biopic ja zum Sinnbild für das Netflix-Spielfilmprogramm und seinen ambitionierten Entertainment-Spagat zwischen Starpower und Anspruch.

Text: Alexander Attimonelli

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