Unser Mann bei Netflix: "Girlboss"-Regisseur Christian Ditter

"Girlboss"-Regisseur Christian Ditter bei der Arbeit
Am "Girlboss"-Set: Regisseur Christian Ditter und Showrunnerin Kay Cannon
Am "Girlboss"-Set: Regisseur Christian Ditter und Hauptdarstellerin Britt Robertson
Am "Girlboss"-Set: Hauptdarstellerin Britt Robertson und Regisseur Christian Ditter
"Girlboss"-Panel mit Produzentin Charlize Theron (l.), Showrunnerin Kay Cannon, Hauptdarstellerin Britt Robertson, "Girlboss"-Vorbild Sophia Amoruso und Regisseur Christian Ditter
"Girlboss"-Vorbild Sophia Amoruso und "Girlboss"-Regisseur Christian Ditter
Christian Ditter mit seiner Frau Maria auf der "Girlboss"-Aftershow-Party
Regisseur Christian Ditter auf der "Girlboss"-Premiere in Los Angeles
2017: Christian Ditter (r.) auf der "Girlboss"-Premiere in Los Angeles mit den Darstellern Johnny Simmons (l.), Alphonso McAuley und Dean Norris sowie Showrunnerin Kay Cannon
2016: Christian Dittner auf der New York-Premiere von "How to Be Single" mit seinen Stars Alison Brie, Rebel Wilson, Leslie Mann und Dakota Johnson (v.l.n.r.)
2014: Christian Ditter auf der Rom-Premiere von "Love, Rosie" mit seinen Stars Lily Collins und Sam Claflin (l.)
2011: Christian Ditter am Set von "Wickie auf großer Fahrt"
2010: Christian Ditter auf der Kölner Premiere von "Vorstadtkrokodile 2"
Seit dem 21. April kann man sich mit der Netflix-Serie "Girlboss" über eine ur-amerikanische Erfolgsstory amüsieren, die von einem Deutschen inszeniert wurde. Wir stellen den Hollywood-Auswanderer Christian Ditter näher vor.

"Girlboss" basiert auf der Bilderbuchkarriere von Sophia Amoruso, die im Alter von 22-Jahren mit dem eBay-Verkauf von Vintage-Kleidung den Grundstein für ihr millionenschweres Modeimperium Nasty Gal legte. In der 13 Episoden umfassenden Netflix-Adaption wird Sophia, die auch als Produzentin mit an Bord war, von Britt Robertson ("Under the Dome") verkörpert, die den von Rückschlägen gepflasterten Weg zur Selfmade-Millionärin mit rebellischer Chuzpe und liebenswertem Charme interpretiert.

Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Alphonso McAuley und Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson und Ellie Reed in "Girlboss"
Ellie Reed (l.) und Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson(l.) und Ellie Reed in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Johnny Simmons in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"
Britt Robertson und Johnny Simmons in "Girlboss"
Britt Robertson in "Girlboss"

"Girlboss" erweist sich als eine stylisch bebilderte und locker-flockig erzählte Fashion-Variante der altbekannten American Dream-Erfolgsgeschichte, die jedoch diesmal von einem Deutschen inszeniert worden ist. Und dessen Weg vom Münchener Filmstudenten zum gefragten Hollywood-Regisseur trägt ebenfalls die Züge einer Bilderbuchkarriere...

Christian Ditter im Portrait

Der Samen für Christian Ditters Filmkarriere wurde in jüngster Kindheit von Hollywood gelegt. Bereits als 13-Jähriger wollte Ditter wissen, warum er bei seinem Lieblingsfilm "E.T. – Der Außerirdische" immer an denselben Stellen weinen musste, obwohl er Dialoge und Szenenfolgen auswendig konnte. Auf Steven Spielbergs Spuren experimentierte Klein-Christian zunächst mit der Super-8-Kamera des Vaters und sammelte dann in der Video-AG seiner Schule in Gütersloh erste Erfahrungen, wie sich aus dem Zusammenspiel von Bildeinstellungen, Kamerafahrten, Schnitt und Musik beim Zuschauer auf filmische Weise Reaktionen erzeugen lassen.

Mit preisgekrönten Musik-Videos im Gepäck, die er für die Schülerband gedreht hatte und die im Nachtprogramm von VIVA ausgestrahlt worden waren, bewarb sich der gebürtige Gießener nach dem Abi an der HFF München, wo er seinem angesammelten Regiewissen den letzten Schliff gab. Ditters Abschlussfilm war dann bereits so professionell geraten, dass die Constantin "Französisch für Anfänger" 2006 ins Kino brachte und sich den Jungregisseur warm hielt. Auf kindgerechte Familienfilme ("Vorstadtkrokodile" und "Wicki auf großer Fahrt") folgte 2014 die von Constantin für den internationalen Markt produzierte Romedy "Love, Rosie – Für immer vielleicht" mit "Spieglein, Spieglein"-Schneewittchen Lily Collins.

Und so wurde dann auch Hollywood auf den exzellenten Handwerker mit Gespür für Timing und Emotionen aufmerksam. New Line Cinema engagierte den damals 38-Jährigen für den rustikalen "Hangover"-mit-Frauen-Spaß "How to Be Single", der allein im Kino das Dreifache seiner Kosten eingespielt hat und veranschaulicht, wie es laufen kann, wenn man einmal in Hollywood Fuß gefasst hat. Eine kleine Nebenrolle in "How to Be Single" wurde nämlich von "Pitch Perfect"-Produzentin Kay Cannon gespielt, die zum Nachvertonen ihrer Szene ins Studio kam, knappe 20 Minuten des Rohschnitts sah und Christian Ditter kurzentschlossen fragte, ob er nicht Lust hätte, bei ihrer Netflix-Serie "Girlboss" die Regie zu übernehmen.

Trailer "Girlboss" (Start: 21.4.)

Für den in einem Vorort von Santa Monica lebenden Vater dreier Kinder scheint es also prächtig zu laufen. Der perfekte Zeitpunkt, einmal mit Christian Ditter über seine Erfahrungen als Deutscher in Hollywood zu sprechen...

Christian Ditter im Interview

"Girlboss" hat eine Hauptdarstellerin, Showrunnerin und mehrere ausführende Produzentinnen. Abgesehen von den "Vorstadtkrokodilen" sind alle deine Projekte sehr frauenlastig. Warum drehst du so gerne mit Frauen?

Es ist lustig. Ich suche mir das gar nicht so aus. Es ist kein Auswahlkriterium für mich zu sagen: "Da spielt ja ein Mann mit, dann machen ich den Film lieber nicht." (lacht) Ich suche mir einfach Geschichten aus, die mich interessieren. Und Frauen sind oft interessante und vielschichtige Figuren, genau was für mich als Regisseur attraktiv ist. Wenn irgendwann mal ein Projekt mit einem interessanten, vielschichtigen Mann daherkommt, werde ich das auch sehr gerne machen.

Seit 2015 bist Du in Hollywood tätig. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Tag?

Ich kann mich noch an meinen allerersten Tag in Hollywood erinnern. Da war ich 16 und hier mit meinen Eltern und meiner Schwester im Urlaub. Wir haben die Universal Studios als Touristen besucht und waren auf dem Züglein, das durch den Studio-Backlot fährt. Das hat mich extrem fasziniert. Und es gibt ein Foto von mir, wie ich vor diesem Eingang der Universal Studios stehe. Dieses Foto gibt es natürlich von jedem Touristen, der jemals da war, aber ich weiß noch, was ich dachte, als das Foto gemacht wurde: "Es wäre geil, hier einmal zu arbeiten!" Als ich dann an "How to Be Single" arbeitete, befand sich das Produktionsbüro tatsächlich auf dem Universal-Gelände, und lustigerweise fuhr diese Tram alle zehn Minuten an meinem Bürofenster vorbei, auf der ich vor 20 Jahren gesessen hatte. Das war sehr surreal.

Trailer zu "How to Be Single" (Kinostart: 7.4.2016)

Wie offen sind die Türen in Hollywood für einen Deutschen?

Ich kann nur über meine persönliche Erfahrung berichten. Sehr! Ich habe das Gefühl, dass Hollywood sehr neugierig ist, nicht nur speziell auf Deutsche, sondern generell auf alle Menschen. Baran bo Odar, mit dem ich studiert habe, hat auch einen amerikanischen Film ("Sleepless: Eine tödliche Nacht" mit Jamie Foxx) gedreht. Und Lennart Ruff, ein Absolvent der Münchner Filmhochschule, steckt auch gerade in der Postproduktion seines US-Debüts ("The Titan" mit Sam Worthington). Ich habe schon das Gefühl, wer in Hollywood reinschnuppern will, der kann das auch. Es ist übrigens erstaunlich, wie oft ich Florian Henckel von Donnersmarck in dieser riesigen Stadt - aber immer nur zufällig! (lacht) Mit Roland Emmerich hatte ich bisher noch nicht das Vergnügen, aber irgendwann wird es passieren und darauf freue ich mich schon.

Macht es Hollywood Regisseuren leichter als Deutschland?

Nein, das würde ich nicht sagen. Deutschland ist auch ein Superland zum Filme machen. Speziell ich hatte wahnsinniges Glück mit den Produzenten, mit denen ich gearbeitet habe: Christian Becker, Lena Schömann, Martin Moszkowicz von der Constantin. Den Martin treffe ich alle paar Wochen hier in Los Angeles. Ich hatte von Anfang an so viel Glück, dass für mich persönlich Filme machen in Deutschland immer super war. Und ich habe dort auch nichts vermisst. Ich habe nie gedacht: "Boah, jetzt muss ich hier mal weg!" Amerika hat sich einfach so ergeben – und als Filmemacher sagt man da natürlich nicht Nein. Hier ist schließlich das Mekka der Filmwelt! Aber ich habe von Anfang gesagt, und ich sehe das auch immer noch so, dass ich keine Träne weinen würde, wenn ich jetzt wieder in Deutschland einen Film drehen würde. Es gibt da beispielsweise ein Projekt mit Christian Becker, dass ich gerne machen würde. Ich bin aber auch hier in Amerika gerade in Gesprächen mit New Line und Warner Bros. – da muss ich einfach schauen, was als erstes spruchreif wird. Es kommt einfach nur darauf an, wo gerade die interessanten Geschichten sind und ob es zeitlich passt.

Ist Hollywood jetzt Dein Zuhause?

Das ist eine schwierige Frage. Unser Herz hängt an München, einfach weil meine Frau und ich dort studiert haben. Unsere Freunde sind dort. Die Familie ist dort. Und wir haben dort noch unsere Wohnung, weil wir von Projekt zu Projekt leben und uns insgeheim immer sagen: "Dieses eine Projekt noch, und dann gehen wir wieder zurück." Andererseits will ich auch die Familie nicht ständig entwurzeln. Unsere Kinder fühlen sich hier sehr wohl - vor allem, weil der Heimweg von der Pre-School am Strand vorbeiführt. Das hätte ich als Kind auch gut gefunden! (lacht) In den letzten zwei Jahren haben wir in Los Angeles auch sehr nette Leute kennen gelernt. Aber die Option zur dauerhaften Rückkehr besteht auch. Es ist so 50-50.

Außer Familie und Freunde – was vermisst Du am meisten, wenn Du in Los Angeles bist und nicht in München?

Dass ich nicht überall hinlaufen oder mit dem Fahrrad hinfahren kann. Wir wohnen sehr zentral in München, in Schwabing. Aber in Los Angeles muss man überall mit dem Auto hinfahren. Das ist natürlich ein Klischee, aber nach zwei Jahren fragt man sich: "Mensch, kann ich jetzt nicht einfach mal zum Bäcker laufen?" (lacht) Das ist ein Stück Münchner Lebensqualität, die es hier einfach nicht gibt. Andererseits, wenn man hier ins Auto steigt, ist man auch in vier Minuten am Strand. Und das ist natürlich unschlagbar.

"Girlboss" zeigt auch den Kampf, seinen inneren Boss zu finden. Hast Du Deinen schon gefunden?

Ich habe meinen äußeren Boss gefunden: Meine Frau (lacht).

Interview: Anke Hofmann, Text: Alexander Attimonelli

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Foto: 2016 AMC Network Entertainment LLC. and Sony Pictures Television Inc.
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