"Sense8"-Star Max Riemelt: "In der 2. Staffel gibt es mehr Sex, mehr Gewalt, mehr von allem"

Zum Start der 2. Staffel "Sense8" (ab 5. Mai bei Netflix) verriet Max Riemelt GOLDENE KAMERA die Wahrheit über Nacktszenen und wie er sich auf seine neue Kino-Rolle als Psychopath vorbereitet hat.

Acht Menschen. Vier Kontinente. Und eine geheimnisvolle Gabe, durch die alle mental miteinander verbunden sind. Das ist die Ausganglage von "Sense8", der Netflix-Serie von Lana und Lilly Wachowski ("Matrix"-Trilogie) sowie J. Michael Straczynski ("Babylon 5").

Trailer zur 2. Staffel "Sense8"

Einer dieser sogenannten Sensates ist der Berliner Gangster Bogdanov, gespielt von Max Riemelt. Zum Start der zweiten Staffel der Sci-Fi-Mysteryserie trafen wir den 33-jährigen Schauspieler zum Interview.

Interview mit Max Riemelt

Seit den "Matrix"-Filmen sind die Wachowski-Geschwister Weltstars. Haben Sie als Schauspieler, der viele Kinofilme dreht, dennoch gezögert, sich für viele Jahre für "Sense8" zu verpflichten?

Nein, überhaupt nicht. Die Wachowskis sind schlicht und einfach Genies. Es gab auch keinen Vertrag über viele Jahre, sondern lediglich Optionen. Obwohl ich zugeben muss: Als ich die Skripte bekommen habe, war ich ziemlich irritiert. Ich konnte mir noch nicht vorstellen, wie es wohl aussehen würde. Aber die Serie war für mich der nächste logische Schritt. Auf englisch zu drehen, war eine neue Herausforderung. Insgesamt geht die Serie weit über alles hinaus, was ich vorher gemacht habe oder mir hätte vorstellen können.

Was war die größte Herausforderung?

Es gab soviele. Nackt ausziehen gehört übrigens nicht dazu, auch wenn sich keiner zu hundert Prozent wohl fühlt dabei. Aber Nacktszenen sind für mich kein Problem, wenn das Vertrauen zu den Filmemachern da ist – und der Raum geheizt ist (lacht). Fordernder sind Stuntszenen. Bei einer Schießszene gab es kleine Sprengladungen im Hintergrund, die explodieren und Einschüsse simulieren sollen. Pro Take kostet das 10.000 Dollar oder so ähnlich. Als die Kamera bereits lief, klemmte irgendwann meine Pistole, und ich hörte auf zu spielen. Alle riefen aufgeregt: "Mach weiter, mach weiter, das regeln wir in der Nachbearbeitung!". Aber da hatte ich den Take schon ruiniert.

Von der Gage wurde Ihnen das aber nicht abgezogen?

Nein, aber sie haben mich nach Hause geschickt zum Schlafen, weil ich völlig übermüdet war. Was ich außerdem bei "Sense8" gelernt habe: Unter Wasser zu schauspielern, gehört zu den schwierigsten Dingen überhaupt.

Die Handlung der Serie ist sehr komplex, es gibt viele Handlungsorte. Wie behalten Sie als Schauspieler den Druchblick?

Man muss schon aufpassen. Eine besondere Herausforderung sind jene Szenen, die wir zweimal drehen müssen, in völlig unterschiedlichen Umgebungen. Du musst Dich in solchen Situationen genau erinnern: Wie genau habe ich das vor drei Monaten auf einem anderen Kontinent gespielt?

Max Riemelt in "Sense8"

Was können Sie über die Staffel verraten? Wie geht es mit ihrer Figur Wolfgang Bogdanov weiter?

Es wird wilder. Es gibt mehr Sex, mehr Gewalt, mehr von allem. Wolfgang hat am Ende der vergangenen Staffel fast seine komplette Familie umgebracht und ein riesiges Chaos hinterlassen. Er muss seine Rolle im Verbrechersyndikat neu finden. Und natürlich gibt es mehr Gangster in Berlin, als jene mit denen er bis jetzt zu tun hatte. Gleichzeitig geht es in der Staffel um seine Gefühle für Kala (Tina Desai, Anm. d. Red.) und seine spezielle Fähigkeit als Sensate, mit der die dunkle Macht BPO jagen kann.

Die Serie ist sehr international besetzt, und sie synchronisieren sich selbst. Fällt Ihnen das leicht?

Eigentlich schon. Nur manchmal ist es schwierig, alles in eine Dialogzeile zu bekommen, weil die deutsche Sprache etwas umständlicher ist. Man hat mich vorher gefragt, ob ich meine Figur von einem professionellen Synchronsprecher sprechen lassen möchte. Das wollte ich aber nicht.

Bekommt man eigentlich mehr Gage, wenn man sich selbst synchronisiert?

Ja, es gab tatsächlich einen Bonus, aber nicht viel (lacht). Doch das war nicht der Grund, warum ich es selbst machen wollte. Ich weiß schließlich am besten, wie ich etwas gespielt habe und was ich in einer bestimmten Szene ausdrücken wollte.

Die Wachowskis sind durch die "Matrix"-Filme berühmt geworden. Zuletzt gab es Berichte, dass ein Remake der Filme geplant sei. Wenn man Sie fragt, hätten Sie Interesse?

Klar, wär’ ich gerne dabei. Aber egal bei welchem Projekt: Wieder mit den Wachowskis zu arbeiten, wäre toll. Aber mir gegenüber haben sie nichts von neuen "Matrix"-Filmen erwähnt.

Abgesehen von "Sense8": Wo sehen wir Sie als nächstes?

Einiges ist noch nicht spruchreif. Zuletzt habe ich den Film "Berlin Syndrom" gedreht, der in Sundance und bei der Berlinale lief und am 25. Mai in Deutschland ins Kino kommt. Ich spiele darin einen Psychopaten.

Trailer zu "Berlin Syndrom"

Wie bereitet man sich darauf vor, einen Psychopaten zu spielen?

Das Besondere an diesem Film war: Wir wollten keinen Klischee-Psychopaten zeigen, sondern einen echten Menschen. Ich habe viele Dokumentationen zu dem Thema gesehen. In der Vorbereitung haben wir sehr offen über unser eigenes Leben gesprochen. Das war fast wie eine Therapie – extreme, brutale Ehrlichkeit. Ich fand es sehr schwer, die Rolle nach Drehende hinter mir zu lassen.

Haben Sie eine Wunschliste, mit wem Sie noch gerne drehen wollen würden?

Puh, es gibt so viele. Aber ganz spontan: Joaquin Phoenix. Als Regisseur vielleicht Quentin Tarantino. Aber ich habe gehört, er will insgesamt nur noch zwei Filme drehen. Dann sollte ich mich wohl beeilen.

Interview: Michael Tokarski

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