Der 999. "Tatort": "Borowski und das verlorene Mädchen"

Was wir bereits wissen
Es ist der 999. Krimi der "Tatort"-Reihe (6. November, 20.15 Uhr, Das Erste) und ein ganz besonderer Fall: Die Kieler Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) werden durch einen Mord mit radikalen Islamisten konfrontiert.

Was passiert im "Tatort: Borowski und das verlorene Mädchen"?

Die 17-jährige Julia (Mala Emde) erscheint bei der Polizei und behauptet, ihr Bruder habe ihre Mitschülerin Maria ermordet. Einen Tag später fischt die Polizei tatsächlich die Leiche der jungen Frau aus dem Kieler Hafen. Doch verdächtiger als der Bruder erscheint den Polizisten Julia selbst, die sich einer islamistischen Gruppe anschließt, um eine "Kriegerin Gottes" zu werden.

Was ist das Besondere am 999. "Tatort"?

Eine 17-jährige Deutsche, die zum Islam konvertiert und nach Syrien ausreisen will – ist das realistisch? "Absolut", sagt Islamwissenschaftler Marwan Abou Taam, der die Filmemacher beriet. "Wir kennen eine ganze Reihe junger Frauen mit europäischem Hintergrund, die sich dem IS, also dem sogenannten ‚Islamischen Staat‘ angeschlossen haben." Bis September 2016 reisten 850 deutsche Islamisten nach Syrien und in den Irak aus, ein Drittel davon junge Frauen. Der Film ist an einen echten Fall angelehnt.

Der zuständige NDR betraute zudem den Dokumentarfilmer Raymond Ley mit der Regie, um "die Wirklichkeit in die Fiktion hineinzuholen", so Redakteurin Sabine Holtgreve. Dazu tragen Aufnahmen von IS-Kämpfern bei. Und Szenen im Polizeirevier, das im Film umgerüstet wird zum Lager für 300 Flüchtlinge – gespielt von echten Asylsuchenden. So zeigt Regisseur Ley: Unsere Welt befindet sich im Umbruch.

Wer ist dabei?

Mit Jürgen Prochnow ist ein Weltstar im Team. Vor 43 Jahren spielte er eine erste Rolle im "Tatort", nun ist er als LKA-Mann Kesting zu sehen.

Im Mittelpunkt steht dennoch ein Nachwuchstalent: Mala Emde, die 2015 als Titelheldin in "Meine Tochter Anne Frank" für Aufsehen sorgte, ist das "verlorene Mädchen" Julia. "Ich habe gelesen, dem Salafismus zu folgen sei wie ein Selbstmord", berichtet Emde. "Man lebt nur noch zum Schein, weil man sich als Person komplett aufgegeben hat." Der Film zeigt, wie so etwas passieren kann.

Wertung

Brisant, aktuell, bedrohlich: Nach konfusem Beginn entwickelt sich ein intensives Drama, in dem der Mord Nebensache ist. Beklemmend zeigt der Film, wie junge Menschen in die Fänge des IS geraten.

Weitere Free-TV-Premieren vom 31. Oktober bis 6. November:

Text: Thomas Kunze

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