Zielfahnder Ronald Zehrfeld über seine Rolle

Was wir bereits wissen
Zielfahnder Sven Schröder (Ronald Zehrfeld) liebt es, auf Verbrecherjagd zu gehen. Im Interview spricht Ronald Zehrfeld über diese spannende Rolle und seine Zusammenarbeit mit Regisseur Dominik Graf.

Im Mittelpunkt des TV-Thrillers "Zielfahnder" (19. November, 20.15 Uhr, Das Erste) stehen Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) und Sven Schröder (Ronald Zehrfeld), Zielfahnder beim LKA in Nordrhein-Westfalen. Sven Schröder glaubt an das Justizsystem und daran, dass Verbrecher vors Gericht gebracht werden müssen. Er liebt es, auf Verbrecherjagd zu gehen und arbeitet mit Leidenschaft an seinen Fällen. Für seinen beruflicher Einsatz muss er aber einen hohen Preis bezahlen: er lebt in Trennung mit seiner Frau, bei der die gemeinsame Tochter lebt. Nach außen gibt er den coolen, selbstbewussten Mann, aber mehr als er zugeben will, leidet er unter der Trennung von seiner Familie.

Landauer und Schröder sollen den entflohenen Häftling Caramitru aufspüren und festnehmen. Nach seinem Ausbruch aus einer deutschen Justizvollzugsanstalt gelingt es dem Gewaltverbrecher allerdings, sich bis zur polnischen Grenze durchzuschlagen und sich dort dem Zugriff von Landauer und Schröder knapp zu entziehen. Mit Hilfe der rumänischen Kollegen nehmen die LKA-Beamten die Spur auf und folgen Caramitru über Bukarest bis tief in die fremde Welt eines entlegenen Dorfes am Fuße der Karpaten. Dort wollen sie den Flüchtigen stellen – auf der Hochzeit seiner Schwester. Eine Jagd mit überraschenden Hindernissen, die Landauer und Schröder nicht nur an geographische und kulturelle Grenzen bringt, sondern letztlich auch an ihre eigenen.

Im Interview mit GOLDENE KAMERA spricht Ronald Zehrfeld über seine spannende Rolle und die Zusammenarbeit mit Regisseur Dominik Graf.

Ronald Zehrfeld im Interview zu "Zielfahnder"

Interview mit Roland Zehrfeld

Was unterscheidet die Zusammenarbeit mit Dominik Graf vom Drehen mit anderen Regisseuren?

Die Arbeit mit Dominik Graf hat für mich einen eigenen Geschmack, eine eigene Farbe. Seine Filme erfüllen nicht die üblichen Sehgewohnheiten und seine Arbeiten haben einen anderen Rhythmus. Außerdem kann man das Thema fast immer "schmecken". Und dann sind da natürlich noch die besonderen Drehbücher von Rolf Basedow und Friedrich Ani, mit denen Dominik Graft oft zusammenarbeitet. Ihre Stoffe sind oft so aus dem Leben gegriffen, als tropfe regelrecht der Dreck unter den Fingernägeln hervor. Ich hatte bereits fünfmal das Glück, mit Dominik Graf zusammenzuarbeiten – und es war jedes Mal eine tolle Reise.

Was macht "Zielfahnder" inhaltlich sexy, spannend und sehenswert?

Hier geht es um zwei Ermittler – Hanna Landauer, gespielt von Ulrike C. Tscharre und meine Figur, Sven Schröder, die beide sehr hart dafür arbeiten, dass sie international gesuchte Verbrecher vor Gericht bringen. Sven Schröder zahlt dafür einen hohen Preis: Weil er seinen Job, auf die Jagd zu gehen, so sehr liebt, hat er fast seine Familie verloren. Außerdem haben wir viel in Rumänien gedreht – und sind dort mit großartigen rumänischen Kollegen auf eine filmische Reise gegangen, die ich nicht missen möchte.

Was haben Sie durch den Dreh über den Beruf des Zielfahnders gelernt?

Zielfahnder jagen Personen wie Mörder, korrupte Anlagebetrüger, Millionenbetrüger, Vergewaltiger und Drogendealer, die plötzlich untergetaucht sind. Sie fahnden jahrelang nach ihnen – und reisen dafür um die ganze Welt.

Lust auf eine Fortsetzung?

Die Lust ist riesengroß. Entscheidend ist natürlich, welche Stoffe es gibt und welches Team zusammenarbeitet – und die Voraussetzung, dass Dominik Graf weitermachen würde.

Was waren die Highlights der Dreharbeiten?

Die Stuntszenen oben in den Karpaten. Die Natur war überwältigend – dort gab es Braun- und Schwarzbären, aber nicht eine einzige Windkraftanlage. Mein Glück war, dass ich an einem drehfreien Tag einen Austritt mit einem Pferd durch die unberührte Natur in den Bergen machen konnte. Ein weiteres Highlight war ein Hubschrauberflug, denn einer der Drehorte war ganz oben in den Bergen versteckt und nur sehr schwer erreichbar.

Ihr Eindruck von Rumänien?

Die rumänische Kargheit steht im Film in totalem Kontrast zur deutschen High-Technisierung. In Rumänien gab es für uns eine Art Neuentdeckung der Langsamkeit. In gewisser Weise erinnert mich Rumänien ein bisschen an die 90-er Jahre in Berlin: es hinkt auf romantische, charmante Weise dem Zeitgeist hinterher und kommt ohne modernen Schnickschnack aus. Gleichzeitig wünsche ich dem Land aber auch, dass die Industrie wieder aufgebaut wird und dass sich die Bildung und die Sozialsysteme weiterentwickeln können.

Sie haben bereits mehrere Krimis gedreht, können Judo und werden, weil Sie ein Kraftpaket sind, mitunter "Obelix" von Freunden genannt – perfekte Voraussetzungen, um "Tatort"-Kommissar zu werden, oder?

Das muss man genau abwägen. Es wurde mir schon angetragen. Aber ich unterscheide nicht zwischen "Tatort" oder "Polizeiruf". Für mich ist nach wie vor das Buch ausschlaggebend – und wer es verfilmt.

Wie zufrieden sind Sie mit der deutschen Drehbuchqualität?

Ich habe das große Glück, dass ich mit vielen tollen Menschen und Regisseuren zusammenarbeiten durfte und mich dabei weiterentwickeln konnte. Auf meinem Tisch landen tolle Sachen, aber ich weiß auch, dass unsere Förder- und Kulturlandschaft nicht jedes tolle Projekt ermöglicht.

Schlussfrage: Ihr nächsten spruchreifen Projekte?

Noch in diesem Monat wird der Fernsehfilm "Sag mir nichts" (9. November, 20.30 Uhr, Das Erste) ausgestrahlt. Darin spiele ich einen Mann, der sich in der S-Bahn in eine wildfremde Frau verliebt – und dem daraufhin sein Leben entgleitet. Außerdem zeigt TNT 2017 die 6-teilige Miniserie "4 Blocks" – eine Story aus der Perspektive eines arabischen Clans. Darin spiele ich einen bösen Rockerchef.

Interview: Mike Powelz

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