Ulrike C. Tscharre: "Eine solche Rolle bekommt man nur einmal"

Was wir bereits wissen
Action und nackte Haut sind nur zwei von vielen experimentellen Zutaten in Dominik Grafs TV-Thriller "Zielfahnder" – für Hauptdarstellerin Ulrike C. Tscharre kein Problem, wie sie im Interview verrät.

Im Mittelpunkt des TV-Thrillers "Zielfahnder" (19. November, 20.15 Uhr, Das Erste) stehen Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) und Sven Schröder (Ronald Zehrfeld), Zielfahnder beim LKA in Nordrhein-Westfalen. Die wollen gerade ihren Erfolg feiern – endlich haben sie den Gewaltverbrecher Liviu Caramitru (Dragos Bucur) gefasst –, als die Hiobsbotschaft eintrifft: Caramitru sei aus der Haft entkommen. Umgehend heften sich die beiden erneut an die Fersen des Gangsters, der auch auf seiner Flucht vor keiner Bluttat zurückschreckt, immer wieder ein weiteres Ass aus dem Ärmel zieht.

Für Hanna Landauer hat der Fall eine besondere Bedeutung: Caramitru hat ihren früheren Partner bei einer missglückten Verhaftung schwer verletzt. Bei dieser Jagd gerät sie nun selbst in Lebensgefahr. Action und nackte Haut sind nur zwei von vielen experimentellen Zutaten in Dominik Grafs Thriller – für Hauptdarstellerin Ulrike C. Tscharre kein Problem. Die Actionszenen hat sie mit wenigen Ausnahmen selbst gedreht, und auch Nacktszenen haben sie nicht geschreckt, wie sie im Interview verrät.

Interview mit Ulrike C. Tscharre

Ulrike C. Tscharre im Interview zu "Zielfahnder"

Worum geht's in "Zielfahnder" – und wen spielen Sie?

"Zielfahnder" ist ein Polizeifilm. Inhaltlich geht’s um Hanna Landauer und Sven Schröder, die einen geflohenen Kriminellen bis nach Rumänien verfolgen. Dabei ist meine Rolle – Hanna Landauer – eine sehr zielstrebige Zielfahnderin, die grenzenlos bis zum Äußersten geht, um die Person zu finden, die sie sucht.

Was waren Ihre Dreh-Highlights?

Die herausfordernden Stunt- und Kampfszenen! Auf die habe ich mich sehr intensiv vorbereitet. Schon als ich das Drehbuch las, war mir klar, dass ich eine solche Rolle wahrscheinlich nie wieder angeboten bekomme – weil es solche Rollen für Frauen nur sehr selten gibt. Sie werden sonst meist nur für Männern geschrieben. Ich fand es toll, körperlich arbeiten zu können – und gleichzeitig auch psychologisch.

Aber angeblich dürfen Stunts aus versicherungsrechtlichen Gründen doch gar nicht von Schauspielern gemacht werden, oder?

Stimmt. Ich wurde nur zweimal kurz gedoubelt – aber sogar die dramatische Schlussszene habe ich selbst gedreht.

Was unterscheidet die Zusammenarbeit mit Dominik Graf vom Drehen mit anderen Regisseuren?

Dominik Graf ist ein Magier. Er schafft es, uns Schauspielern einfach eine Freiheit zu geben im Spiel vor der Kamera – so, dass nahezu alles möglich wird und es keine Grenzen mehr gibt. Er bereitet einem den Boden, alles spielen zu können und alles spielen zu dürfen, was man sich nur vorstellen kann. Außerdem hat er ein unendlich großes Filmwissen und er liebt was er tut. Daraus resultieren seine sehr besonderen Produktionen.

Womit hat Sie das Drehbuch überzeugt – und gab es ein Casting für Ihre Rolle?

Nein. Ich glaube, dass Ronald Zehrfeld und ich von Anfang an für die beiden Zielfahnder vorgesehen waren – zumindest was Dominik Graf betrifft. Überzeugt hat mich, dass meine Figur sehr tough ist. Hanna Landauer kämpft nicht nur, sondern sie geht bis zum Letzten. Auf diese Szenen habe ich mich durch ein spezielles Ernährungsprogramm vorbereitet. Außerdem bin ich sehr viel gelaufen und habe Kickbox-Training gemacht. Seitdem hängt auf meiner Terrasse ein 60-Kilo-Boxsack! Für den Dreh zu "Im Angesicht des Verbrechens" habe ich erstmals mit dem Boxtraining angefangen.

Doch wie funktioniert eine Kampfszene vor der Kamera konkret?

Die Stuntszenen werden choreographiert – und es gibt einen Trainer. Eine Kampfszene zu proben ist wie einen Tanz einzustudieren: Jeder weiß ganz genau, wann er was macht. Ich bin gerne sehr physisch, wenn es die Möglichkeit dazu gibt – und weil ich immer alles möglichst gut und wahrhaftig machen will, bereite ich mich so gut wie möglich darauf vor.

Heißt das etwa, dass Sie – ganz à la Schimanski – auch eine Tür eintreten könnten?

Nein. Aber ich glaube man muss auf Höhe des Schlosses treten …

Lust auf "Tatort"-Kommissarin?

Warum nicht? Wenn die Figur spannend ist...

Was kennzeichnet eine gute Rolle und ein gutes Drehbuch?

Ein Drehbuch kann gern alltägliche Dinge behandeln – aber auf möglichst ungewöhnliche Art und Weise. Wenn ich ein Buch lese und ich die Geschichte vielleicht zuerst nicht so interessant finde, muss ich zumindest eine Figur haben, der ich folgen will, die mich in die Geschichte hineinzieht. Ich muss dieser Figur glauben. Das kennzeichnet für mich einen guten Film und auch ein gutes Buch – die Nachvollziehbarkeit ohne zu viel zu erklären.

In "Zielfahnder" ziehen Sie sich aus …

In diesem Fall war das Notwendig für die Geschichte. Es ging dabei darum, Hanna Landauers Verletzbarkeit zu zeigen.

Was, wenn der "Playboy" jetzt anruft?

Der hat tatsächlich schon einmal gefragt und ich habe abgelehnt. Aber ich habe das Fax damals aufgehoben. Das kann ich mir dann anschauen, wenn ich alt und runzelig bin.

Ihr Eindruck von Rumänien?

Großartig! Ich kannte Rumänien gar nicht. Es ist ein unglaublich abwechslungsreiches, besonderes, ungewöhnliches Land. Je weiter wir uns von Bukarest entfernten und ins Landesinnere gingen desto überwältigender wurde die Natur. Ich habe noch nie so große Wälder gesehen – ohne jegliche Spur von menschlichem Leben. Dort gab es kein Dorf, keinen Sendemast, keine Antenne – einfach nur Wälder bis zum Horizont. In der absoluten Einsamkeit der Natur fuhren die Leute auf Pferdekarren über einfachste Sandstraßen, wahrscheinlich müssen sie mit weniger als 100 Euro im Monat auskommen und bauen an, was sie zum täglichen Leben brauchen. In Bukarest hingegen ist in der Altstadt am Wochenende die Hölle los – wie am Ballermann. Ansonsten gibt es dort ein Stadtleben wie in anderen großen europäischen Metropolen.

Wie groß ist Ihre Lust auf eine Fortsetzung?

Sehr groß. Für mich ist Hanna Landauer eine Art von Traumrolle und ich würde sie sehr gerne wieder spielen.

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