Sonja Gerhardt jagt Jack the Ripper

Was wir bereits wissen
Eine blutige Story: "Ku’damm 56"-Star Sonja Gerhardt spielt die Hauptrolle in dem packenden Thriller "Jack the Ripper" (29. November, 20.15 Uhr, Sat.1).

Darum geht's in "Jack the Ripper"

London im Jahr 1888: Die Prostituierte Mary Jane Kelly huscht im Stadtteil Whitechapel durch die Nacht – obwohl doch die Polizei allen Frauen geraten hat, nach Einbruch der Dunkelheit keinen Fuß mehr vor die Tür zu setzen. Denn seit einigen Wochen schon meuchelt ein Serienmörder die Damen aus dem horizontalen Gewerbe. Vier von ihnen hat der Mann, der sich selbst Jack the Ripper nennt, bereits auf dem Gewissen. Mary Jane aber erreicht sicher ihr Ziel. Sie schlüpft in das schäbige Zimmer ihres maskierten Kunden, zieht sich aus, als er es befiehlt. Kaum steht Kelly nackt vor dem Fremden, zückt dieser ein langes Messer...

Nach dem heimtückischen Mord an Mary Jane Kelly steht nur noch ein Frauenname auf der Todesliste des Rippers: Anna Kosminski (Sonja Gerhardt). Womit der Killer nicht rechnet: Die blonde Schönheit wird ihm mutig entgegentreten und sich von der Gejagten zur Jägerin entwickeln.

Produzent Simon Happ garantiert im Gespräch mit GOLDENE KAMERA, der Thriller halte sich eng an die historischen Fakten über den realen Serienmörder Jack the Ripper. "Dieser Unbekannte hat im Herbst 1888 mindestens fünf Londoner Huren aufgeschlitzt. Ein packender Krimistoff also, den unser Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt um eine weitere fiktionale Facette ergänzt: um die mutige Anna, die den Kampf mit dem Monster aufnimmt und sich zugleich gegen eine Gesellschaft wehrt, in der Frauen nur wenig zählen." Und mit Sonja Gerhardt, zuletzt in großen Hauptrollen in "Deutschland 83" und "Ku'damm 56" zu sehen, habe man die perfekte Besetzung für diese Figur gefunden.

GOLDENE KAMERA am Set von "Jack the Ripper"

Sonja Gerhardt über ihre Rolle in "Jack the Ripper"

GOLDENE KAMERA traf Gerhardt zum Interview in Berlin. Die 27-Jährige berichtet über ihre Rolle in "Jack the Ripper": "Anna zieht ihr Ding komplett durch. Dabei lebte sie zu einer Zeit, in der Frauen fast rechtlos waren. Damals gab es nicht einmal ein Anrecht darauf, lesen zu lernen! Doch Anna hat einen Trumpf in der Hinterhand: Ihr Vater war Polizeifotograf und hat ihr alles über die damalige Tatortfotografie beigebracht."

Tatsächlich geht es in dem Sat.1-Film nicht nur um die Morde des Rippers, die historische Entwicklung der Fotografie ist ein spannender Nebenaspekt der Handlung. Simon Happ erklärt: "Unsere Heldin wurde von ihrem Vater in die Kunst des Fotografierens eingeführt. Damals haben die zeitgenössischen Profiler erstmals Tatorte und Leichen abgelichtet. Das haben wir in die Story integriert und akribisch recherchiert, wie die ersten Kameras, Projektionen und Dunkelkammern funktionierten. Außerdem spielt die Geburt der erotischen Aktfotografie ebenfalls eine wichtige Rolle!"

"Jack the Ripper"-Star Sonja Gerhardt im Interview

Für Aktbilder sei Sonja Gerhardt zwar nicht zu haben – aber bei den Dreharbeiten habe sie des Öfteren gern ihre Kleider abgeworfen. "Wir haben 'Jack the Ripper' im litauischen Vilnius gedreht, in wahnsinnig aufwendigen Nachbauten des London von 1888. Damals haben die Frauen selbst im Alltag schwere Kleider und aufwendige Frisuren getragen, meine Kostüme bestanden also aus mehreren Lagen Stoff. Unsere Dreharbeiten fanden im Hochsommer statt, entsprechend heiß wurde es unter den dicken Baumwollkleidern."

Die "Jack the Ripper"-Schauspieler im Interview

Was fasziniert die Menschen noch heute, 128 Jahre nach seinen Gräueltaten an Jack the Ripper? Warum ist dieser Serienmörder noch immer weltweit bekannt? "Weil man ihn nie gefasst hat!", meint Sonja Gerhardt. "Die Polizei hatte zwar viele Verdächtige im Visier, darunter sogar eine Frau, aber damals gab es noch nicht einmal die Möglichkeit, Fingerabdrücke zu nehmen. Jack the Ripper bleibt somit bis heute ein Mysterium. Niemand kennt seine Motive, niemand weiß, ob er seine Opfer aus schlichter Lust am Morden zerstückelt hat. Oder ob es sich vielleicht doch um eine Ripperin handelte, die Prostituierte tötete, weil sie neidisch auf deren Fruchtbarkeit war. Es gibt viele Mutmaßungen, aber keine Beweise."

Und eben weil es vor allem Mutmaßungen über den Ripper gibt, wurde er in zahlreichen Verfilmungen auch immer wieder anders dargestellt. Was unterscheidet den Ripper dieser TV-Produktion von anderen bekannten Interpretationen des Serienmörders, etwa vom Ripper in "From Hell" mit Johnny Depp aus dem Jahr 2001? Produzent Simon Happ erklärt: "Unser Film ist, anders als 'From Hell', kein Horrormovie, sondern die Geschichte einer jungen Frau, die die Unschuld ihres Bruders beweisen will."

Der nämlich steht im Verdacht, der Ripper zu sein, nachdem die Leiche der Mary Jane Kelly in seinem Bett entdeckt wurde. "Insofern", so Happ weiter, "geht es bei uns mehr um den ungleichen Kampf zwischen einem jungen, unschuldigen Mädchen und einem bestialischen, skrupellosen Mörder. Daraus resultieren viel Spannung und Thrill!"

Historische Filme - die neuen Quoten-Hits

Vermeintlich schwache Frauen, die über sich selbst hinauswachsen und es mit Tod, Teufel und allen Ungerechtigkeiten ihrer Epoche aufnehmen, entwickeln sich zunehmend zu einer Sat.1-Spezialität. Alexandra Neldels "Wanderhuren"-Trilogie und Josefine Preuß' "Hebammen"-Zweiteiler zählen zu den größten Quotenhits des Senders in den letzten Jahren.

Auch "Jack the Ripper" passt in diesen Reigen, zumal dessen filmische Perspektive das Motiv der schwachen Frau, die eher durch Zufälle in eine Heldinnenrolle gedrängt wird, geschickt betont. Sie erinnert des Öfteren an Stephen Frears’ "Mary Reilly" von 1996, in dem Julia Roberts ein schüchternes Dienstmädchen spielt, das die mörderischen Ereignisse im Haus ihres Arbeitgebers Dr. Jekyll durch neugierige Blicke durchs Schlüsselloch herausfindet.

Die Zutaten stimmen also für einen erfolgreichen Sat.1-Eventfilm: eine Frau im Mittelpunkt, ein historischer Stoff und eine gute Besetzung. Neben Sonja Gerhardt spielt Falk Hentschel den jungen Inspector Frederick Abberlein, der ihr hilft, als sie ins Visier des Rippers gerät.

"Jack the Ripper"-Star Falk Hentschel im Interview

Hinzu kommt eine, wie Sonja Gerhardt es beschreibt, "gruselige, gute Geschichte, bei der man wirklich nicht weiß, wer der Mörder ist". Nur eine Fortsetzung scheint – so viel darf verraten werden – nach dem Finale ausgeschlossen.

Sonja Gerhardts Zukunftspläne

Für Sonja Gerhardt geht es dennoch schon bald spannend weiter, wie sie im Interview verrät: "2017 drehe ich die Fortsetzung von 'Ku’damm 56'. Wir springen drei Jahre weiter. Angeblich sind wieder alle meine Kollegen mit an Bord, etwa Claudia Michelsen als meine Filmmutter sowie Emilia Schüle und Maria Ehrich als meine Schwestern." Die Geschichte allerdings ist noch ein Geheimnis der Autorin. "Was sich Annette Hess für unser Ensemble einfallen lässt, wissen wir alle noch nicht. Aber die dramaturgischen Möglichkeiten sind enorm, ich bin gespannt."

Fest steht bereits, dass sich Gerhardts Leben durch die großen Erfolge sehr verändert hat. Was als Nächstes kommen soll? Sie lacht: "Auch 'Deutschland 83' geht weiter – und Tom Hanks war ein Fan der Serie. Vielleicht kann er ja ein gutes Wort in Hollywood für mich einlegen." Da erinnert die 27-Jährige ein bisschen an ihre Figur in "Jack the Ripper": Auf den ersten Blick eine schwache Frau, aber – wenn es die Situation erfordert – mutig. Und in der Lage, über sich selbst hinauszuwachsen.

Text: Mike Powelz

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