Yvonne Catterfeld: "Ich war schon als Kind eher wie ein Junge"

Was wir bereits wissen
In der neuen ARD-Krimireihe "Wolfsland" (ab 8. Dezember, 20.15 Uhr) spielt Yvonne Catterfeld die Kommissarin Viola Delbrück. Wir trafen sie zum Interview.

Darum geht's in "Wolfsland - Ewig Dein"

Die aus Hamburg nach Sachsen versetzte Kommissarin Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) trifft auf ihren neuen Kollegen, Hauptkommissar Burkhard Schulz (Götz Schubert), der von allen nur "Butsch" genannte wird. Beide müssen den Mord an Anwalt Staffler aufklären. Ein deutsch-polnisches Paar hat mit dem Fall zu tun. Auf der Flucht vor der Polizei hinterlässt es eine Schneise aus Angst, Zerstörung und Tod. In ihrem ersten gemeinsamen Fall geraten beide Ermittler prompt aneinander - und an ihre Grenzen.

Zum TV-Start der neuen ARD-Krimireihe trafen wir Hauptdarstellerin Yvonne Catterfeld zum Interview.

Interview mit Yvonne Catterfeld

Wie hebt sich Ihre Kommissarin Viola Delbrück von gefühlten anderen 1000 TV-Ermittlern ab?

Ich kann nur von mir ausgehen und vergleiche mich nicht. Im 1. Teil von "Wolfsland" ist Viola kontrolliert. Sie will sich beweisen. Sie gibt nur wenig über sich preis und ist beinahe zu perfekt. Deshalb wirkt sie wie ein Fremdkörper an der Seite ihres launischen Co-Ermittlers "Butsch". Wir ahnen aber, dass es da Geheimnisse gibt. Im 2. Teil erfahren die Zuschauer mehr über Violas Innenleben und ihre Probleme – etwa, dass sie unter nächtlichen Panikattacken leidet, weil sie vor ihrem gewalttätigen Ehemann nach Görlitz geflüchtet ist. Der Zuschauer wird etwas in die Irre geführt und muss sich fragen, wem sie nun glauben mag, wer Opfer und wer Täter ist. Dabei helfen uns ungewöhnlich gute Dialoge, die etwas mehr in die Psyche eintauchen, so werden wir Zeuge von Manipulation und hinterfragen diese zugleich wieder. Außerdem ist Viola im 2. Teil endlich auf Augenhöhe mit ihrem Co-Ermittler "Butsch": Ihm setzt sie Grenzen und weist ihn in seine Schranken.

Haben Sie die Kommissarin mitentwickelt?

Wir durften mit diskutieren und Vorschläge machen, was die Beziehungen zu einzelnen Personen betrifft und die Entwicklung der Plots. So hab ich mir für den 2. Teil eine etwas tiefere psychologische Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Viola und ihrem Mann gewünscht. Das Wichtige ist aber, was zwischen den Zeilen passiert. Oft ist es schwierig, gute Frauenfiguren zu entwickeln. Auch hier war Butsch in der 1. Drehbuchfassung schon sehr gut gezeichnet, Viola brauchte noch etwas Feintuning, um eben nicht ins Klischee zu fallen – eben nicht eine knallharte Ermittlerin oder eine Frau die sich nicht durchsetzen kann. Viola Delbrück ist äußerlich kühl und abweisend, doch ich mache auch ihre Verletzlichkeit hinter der Fassade sichtbar. Alles andere wäre langweilig für die Zuschauer. Viola ist eine starke Frau. Sie ist nicht zu unterschätzen.

Wie viele Folgen sind insgesamt geplant und wie lange laufen Ihre Verträge?

Das hängt von der Resonanz des Publikums ab. Zwei Folgen sind abgedreht, momentan wird an der dritten geschrieben. Wir sind guten Mutes, dass es weiter geht.

Wie tickt Ihr egozentrischer Co-Ermittler, der mitunter auch schon mal nackt durchs Bild läuft?

Unsere Reihe heißt nicht umsonst "Wolfsland". Einerseits bezieht sich das auf die Lausitz, wo es viele Wölfe gibt - aber andererseits auch auf "Butsch" und Viola. Die Ermittler sind einsame Wölfe. Äußerlich wirkt "Butsch" wie ein Haudegen, der nichts und niemanden respektiert. Doch obwohl er hart und gnadenlos wirkt, hat er immer das Gute im Blick und will Gutes bewirken. Viola will ihn in die Schranken weisen. Diese Konstellation finde ich ganz toll, doch im wahren Leben bringen mich egozentrische Menschen zur Weißglut.

Ob Knockouts oder Polizeigriffe – Sie meistern viele Actionszenen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ich war schon als Kind eher wie ein Junge und hätte gern Karate gelernt. Jean-Claude van Damme und Karate Kid waren meine Helden. Deshalb liegen mir Kampfszenen sehr und ich finde, dass ich auch ganz gut darin bin (lacht). Ich habe den Produzenten deshalb vorgeschlagen, die ein oder andere Prügelszenen in das Buch zu schreiben, es gibt also einige überraschende Momente.

Wie war der Umgang mit der Dienstwaffe?

Ich hatte bereits bei meiner letzten Ermittlerrolle mit Richie Müller Schieß- und Kampftraining und auch da schon eine heftige Kampfszene. Für die Szenen mit Waffen hatten wir immer eine Stuntfrau dabei. Die Unterwasseraufnahmen waren für mich herausfordernder. Ich habe zwar bereits eine Taucherin gespielt, Lotte Hass, aber mit Geräten tauchen ist eben nochmal was anderes. Ohne Geräte zu tauchen, versetzt einen dann doch etwas in Panik und für die Nahtodszenen musste ich eben ohne Brille und Schnorchel tauchen. Eigentlich war das gar nichts gegen den Taucherfilm, für den ich sogar, um Lotte Hass näher zu kommen, mit Haien in einem Aquarium auf Mallorca schwamm. Ein Kontrollverlust unter Wasser, der kostete schon Überwindung, um diese Szenen zu drehen und ich hätte sie ehrlich gesagt, am liebsten rausgeschrieben, aber es war Teil der Geschichte (lacht) und am Ende wollte ich gar nicht mehr aufhören.

Görlitz ist der heimliche Star in "Wolfsland": Dabei handelt es sich um Deutschlands östlichste Stadt im Dreiländereck von Deutschland, Tschechien und Polen …

Görlitz hat zwei Seiten. Einerseits ist es wunderschön bunt und die Häuser blitzen alle. Aber bestimmte Ecken sind eben auch düster. Da bekommt man ein anderes Gefühl für die Stadt und merkt, dass es ein Dreiländereck ist.

Wichtig für eine spannende Krimireihe sind auch die Fälle. Spiegelt der "Wolfsland"-Fall über Crystal-Meth-süchtige Jugendliche auch die soziale Realität wider?

Ja. Die Autoren haben sehr darauf geachtet. Deshalb haben sie auch Görlitz ausgesucht, denn das bietet spannende Geschichten im Dreiländereck.

Welche TV-Krimis finden Sie faszinierend?

Die Verfilmung der "Verbrechen" von Ferdinand von Schirach! Sie beschreiben, warum ein Mensch zum Mörder wird. Psychologie fasziniert mich. Außerdem ist "Homeland" meine absolute Lieblingsserie. Da weiß man nie, wem man vertrauen kann und eben wer Opfer und wer Täter ist. Ich liebe es, wenn der Zuschauer Spielball wird.

Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Wenn "Wolfsland" weiter geht, wird der Dreh der 3. Folge das nächste Projekt sein. Ansonsten arbeite ich gerade an einem neuen Album. Höchstwahrscheinlich kommt das bereits im Frühjahr 2017.

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