"Polizeiruf 110: Sumpfgebiete": von Meuffels am Rand des Wahnsinns

Was wir bereits wissen
In München fühlt sich Ermittler von Meuffels überall verfolgt. Wahn oder Wirklichkeit?

Die ersten Minuten des "Polizeiruf 110: Sumpfgebiete" (27. November, 20.15 Uhr, Das Erste) sind irritierend: Aufgrund der Schrift, Farbe und Musik scheint es, als habe bei der ARD jemand einen Film aus den 80er-Jahren eingelegt.

Aber es handelt sich um den neuen Fall von Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt, GOLDENE KAMERA 2008). Zuletzt stand bei ihm in der Episode "Wölfe" die Romanze mit seiner Kollegin (Barbara Auer, GOLDENE KAMERA 1989) im Zentrum. Diesmal ist sie nicht dabei, und es wird wieder mehr Wert auf den Kriminalfall gelegt.

Was passiert im "Polizeiruf 110: Sumpfgebiete"?

Fünf Jahre lang saß Julia Wendt (Judith Engel) wegen eines Brandanschlags auf ihren Mann in der Psychiatrie. Jetzt wird sie entlassen, der Fall soll neu aufgerollt werden. Überraschend sucht sie Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) auf, der sie damals verhaftet hat. Sie werde verfolgt und bedroht, weil sie eine Liste mit Namen reicher Steuerbetrüger besitze, für die ihr Mann Schwarzgeld in die Schweiz überwiesen habe.

Der Ermittler nimmt sie nicht ernst – dann wird sie von einem Auto angefahren und stirbt. Hanns von Meuffels macht sich auf die Suche nach dem Mörder sowie der Liste. Er fühlt sich dabei permanent beobachtet, abgehört und sabotiert. Leidet er etwa unter Verfolgungswahn?

Wer ist dabei?

Judith Engel hat einen intensiven Auftritt als vermeintlich geistig Verwirrte. Zuletzt war sie in der ZDF-Serie "Blochin" zu sehen. Erstmals ist Ulrich Noethen (GOLDENE KAMERA 2006) als von Meuffels' Chef dabei.

Was ist das Besondere an diesem "Polizeiruf 110"?

Diese Episode erinnert an die Debatte über Gustl Mollath, der 2006 in den psychiatrischen Maßregelvollzug eingewiesen und 2014 entlassen wurde. Zu dem komplexen Prozess gehörten Aussagen von Mollath, in denen er seiner Frau Schwarzgeldgeschäfte vorwarf. "Wir haben uns eng an diesem Fall orientiert, intensiv dazu recherchiert und vieles aus der wahren Geschichte in diese Episode einfließen lassen", sagt Cornelia Ackers, Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. "Wir wollten sie aber nicht eins zu eins nacherzählen. Uns ging es eher darum, Kommissar von Meuffels in eine Situation zu versetzen, die dem Fall Mollath nachempfunden ist."

Wertung

Etwas altmodisch inszenierter, dennoch mitreißender Verschwörungsthriller mit einem Kommissar am Rand des Wahnsinns. Matthias Brandt spielt exzellent. Das Finale ist leider vorhersehbar – und man fragt sich, wie es danach mit von Meuffels überhaupt weitergehen soll.

Wie gut kennen Sie das Polizeiruf-Team aus München?

Text: Sven Sakowitz

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"Polizeiruf 110: Im Schatten": Die Rostocker im Visier der Mafia

16. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste: "Polizeiruf 110: Im Schatten". Dynamisch, echt und emotional.
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Foto: © NDR/Christine Schroeder
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