GOKA-Kandidat "Der weiße Äthiopier": Jürgen Vogel am Abgrund

Was wir bereits wissen
Jürgen Vogel spielt einen schweigsamen Bankräuber in unserem GOKA-Kandidaten "Der weiße Äthiopier" - die Verfilmung einer Gerichtsstory von Ferdinand von Schirach.

Darum geht's in "Der weiße Äthiopier"

Ein Mann überfällt eine Bank und erbeutet einen Riesenbatzen Geld. Jahre später wird er im Ausland festgenommen, verurteilt, bekommt endlich Freigang – und nutzt den, um sofort das nächste Geldinstitut zu überfallen. Vor Gericht schweigt Frank Michalka (Jürgen Vogel) hartnäckig über sein Motiv. Er versteckt sich hinter Muskeln, Tattoos und einem ausdruckslosen Blick.

Damit jedoch mag sich die junge Anwältin Sophie Kleinschmidt (Paula Kalenberg), Michalkas Pflichtverteidigerin, nicht zufriedengeben. Sie will den stummen Gangster knacken – und entlockt ihm schließlich eine abenteuerliche Beichte, die sämtliche Prozessbeobachter im Gerichtsdrama "Der weiße Äthiopier" (21. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) fassungslos zurücklässt.

Nach dem sensationellen Erfolg von "Terror" (der Gerichtsfilm begeisterte am 17. Oktober stolze 6,88 Millionen Zuschauer) zeigt das Erste jetzt die nächste Verfilmung einer Kurzgeschichte von Deutschlands berühmtestem Strafverteidiger Ferdinand von Schirach.

Trailer zu "Der weiße Äthiopier"

Spannendes Gerichtsdrama

Der 52-Jährige über seine Story: "Früher, im Mittelalter, ging es nur um eine kriminelle Tat. Der Arm, der den Apfel gestohlen hatte, wurde abgehackt. Niemand wollte wissen, ob der Dieb Hunger hatte oder einfach gern Äpfel stahl oder ihm der Verkäufer den Apfel zuvor selbst gestohlen hatte. Heute wollen wir die Geschichte des Täters verstehen, und – wie sich bei 'Der weiße Äthiopier' zeigt – kann diese Geschichte sehr aufregend sein."

Hauptdarsteller Jürgen Vogel sieht das ganz ähnlich und sagt im Interview mit GOLDENE KAMERA: "Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichten über Verbrechen sind sehr unterhaltsam. Ich bin ein großer Fan, weil die Storys Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit infrage stellen." Genau das tut auch "Der weiße Äthiopier".

Jürgen Vogel über seine Rolle in "Der weiße Äthiopier"

Prozess des Verstehens und Sich-Annäherns

Zu Anfang scheint alles so einfach: Ein Mann hat zum zweiten Mal eine Bank ausgeraubt und steht vor Gericht, offen scheint allein das Strafmaß. Doch dann erfährt der Zuschauer nach und nach mehr über diesen Frank Michalka. Man bekommt Einblicke in ein über lange Zeit trostloses Leben, lernt endlich auch die Motive für den ersten und vor allem für den schwer verständlichen zweiten Bankraub kennen.

"Dadurch relativiert sich sein Verbrechen, man fragt sich, ob das Leben den Mann nicht schon genug bestraft hat", meint Jürgen Vogel. "Eigentlich müsste man Michalka verurteilen, aber das fällt einem wahnsinnig schwer." Für den Schauspieler zeigt seine Figur auch ein generelles gesellschaftliches Problem auf: den mangelnden Willen, sozialen Außenseitern Verständnis entgegenzubringen, statt sie einfach abzuschreiben.

Jürgen Vogel plädiert für ein Umdenken. "Außenseiter haben es in Deutschland schwer, wieder Fuß zu fassen. Fehlende Bildung und Beschäftigung, dazu Perspektivlosigkeit, Gettoisierung und der Missbrauch von Religion sind die größten Probleme, die uns plagen. Wir haben eine Riesenverantwortung, das zu ändern. Statt Unsummen in Gefängnisse und Polizei zu investieren, müssen wir ganz vorne anfangen – bei der Bildung! Kindergärten, Schulbildung und damit Perspektiven und Arbeitsplätze sind der größte Schutz überhaupt."

Aus professioneller Sicht allerdings möchte Jürgen Vogel auf Außenseitertum nicht verzichten. "Ich spiele zu 90 Prozent Außenseiter, Straffällige oder Geächtete. Filmisch ist das superinteressant. Denken Sie an James Dean oder Marlon Brando – deren Figuren waren alle Outlaws. Geschichten über solche Menschen finde ich spannender, weil sie so wenig mit meinem eigenen Leben zu tun haben. Außerdem wecken Außenseiter unsere Neugier!"

Das Weihnachtsessen zum Film: Doro Wat

Sie wollen mal etwas anderes als Gänsebraten an Weihnachten servieren? Wir empfehlen passend zum TV-Film das traditionelle äthiopische Weihnachtsessen Doro Wat - scharfe Chili-Soße mit Hühnerfleisch und Eiern. Dazu wird Sauerteig-Fladenbrot gereicht. Ein einfach nachzukochendes und leckeres Gericht. Nach dem Essen darf natürlich ein frisch aufgebrühter äthiopischer Kaffee nicht fehlen!

Kommentare einblenden

Kurz und knackig: "Tempel"

In der ersten eigenproduzierten Drama-Serie von ZDFneo steigt Ken Duken als schlagkräftiger Großstadt-Robin-Hood mit skrupellosen Immobilienhaien in den Ring.
Mehr lesen