Must-See-TV: Ergreifender Historienfilm "Die Glasbläserin"

Was wir bereits wissen
Im TV-Historienfilm "Die Glasbläserin" (12. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF) gehen zwei junge Frauen in der patriarchalischen Welt der Glasmacher um 1890 ihren Weg.

Darum geht's in "Die Glasbläserin"

Die blaue Gasflamme faucht. An einem Metallrohr hält Marie (Maria Ehrich, GOLDENE KAMERA Nachwuchspreis 2015) einen gläsernen Rohling hinein und dreht ihn vorsichtig, bis er in der Mitte gelb leuchtet und sich wie Karamell auseinanderziehen lässt. Dann beginnt die junge Frau, vorsichtig in das Rohr zu pusten – und aus der glühenden Masse entsteht langsam eine Kugel.

Die Geschichte des Historienfilms "Die Glasbläserin" nach dem gleichnamigen Roman von Petra Durst-Benning spielt in Lauscha, dem Glasbläserdorf in Thüringen. Im Winter 1890 herrschen dort schneidende Kälte, bedrohliche Düsternis und bittere Armut. Ein Mann stirbt in seiner Glaswerkstatt. Seine Töchter Marie und Johanna (Luise Heyer) stehen plötzlich allein da. Mittellos, ohne Arbeit, ohne Rechte. Frauen dürfen nicht Glas blasen, so will es der Brauch. Eine Tragödie, die berührt.

"Das Drehbuch verlangte immer wieder Tränen von mir", sagt Maria Ehrich im Interview mit GOLDENE KAMERA. Die 23-Jährige verkörpert die jüngere der Schwestern mit großer Intensität: "Marie ist erst orientierungslos und lässt sich vieles gefallen." Sie wird vergewaltigt, geschlagen. "Solche Szenen zu spielen ist nie leicht", gesteht Ehrich. "Ich fühle die Angst, empfinde Ekel beim Spielen. Und ich muss sehen, dass ich danach aus der Rolle gleich wieder herauskomme."

Ein Albtraum wird zum Traum

Statt sich dem Schicksal zu ergeben, nimmt Marie es selbst in die Hand und wächst über sich hinaus. Sie widersetzt sich der Tradition und übt das gläserne Handwerk aus, erst heimlich, dann ganz offen.

Gemeinsam versuchen die Schwestern, in der verrohten Männerwelt zu bestehen und nach körperlicher und seelischer Pein glücklich zu werden: Johanna hilft Marie bei der Herstellung von Glaskugeln, um den Großauftrag eines Amerikaners zu erfüllen, der findet: "Das ist der perfekte Christbaumschmuck!"

Ehrich schwärmt: "Die Beziehung zwischen den beiden Schwestern ist rührend und herzerwärmend." Dass die Frauen trotz aller Widerstände ihren Weg gehen, ist für sie die wichtigste Botschaft: "Hab Biss, halt durch, gib nie auf!"

Wie sehr die junge Schauspielerin das selbst verinnerlicht hat, zeigt sich nicht nur an der Schwere ihrer Rolle. Gedreht wurde im tschechischen Böhmen, als es dort bitterkalt war. "Bei den Szenen auf schneeverwehten Wegen froren mir fast die Füße ab. Das war wirklich hart", erinnert sich Ehrich. Ganz ohne Groll. Schließlich liebt sie Herausforderungen.

Warum muss ich "Die Glasbläserin" sehen?

Die Adaption von Petra Durst-Bennings Roman überrascht als emotional wuchtiges Stück über Emanzipation und Selbstbestimmung.

Wer sollte sich "Die Glasbläserin" anschauen?

Alle, die gerne Historienfilme sehen und auch schon dem Roman von Petra Durst-Benning verfallen sind.

Für Fans von...

"Carl & Bertha" (2011) oder "Margarete Steiff" (2005)

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