Jan Josef Liefers geht fremd

Was wir bereits wissen
Aber immerhin bleibt er dem Krimi-Genre treu: "Tatort"-Star Jan Josef Liefers übernimmt als Kommissar Holzer eine neue Ermittlerrolle.

Der "Tatort"-Pathologe Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne, den er seit 2002 spielt, machte ihn zum Publikumsliebling - gemeinsam mit Axel Prahl gewann er 2011 die Publikumswahl der GOLDENEN KAMERA. Seit 2012 war er zudem in vier Verfilmungen der Krimis von Elisabeth Hermann als Anwalt Joachim Vernau zu sehen. Jetzt übernimmt Jan Josef Liefers (52) eine weitere Ermittlerrolle, die des Kommissars Jan Holzer in "Mörderische Stille" (9. Januar, 20.15 Uhr, ZDF). Ein Exklusiv-Interview über Psychoticks, Joints und Figuren mit Brüchen.

Interview mit Jan Josef Liefers

Was haben Ihre drei Ermittler Boerne, Vernau und Holzer gemeinsam – außer, dass sie Kerle sind?

Nichts. Boerne ist Wissenschaftler und Snob, Vernau ist Anwalt und Lebenskünstler. Holzer dagegen muss erst einmal mühsam ins Leben zurückfinden.

Aber wie tickt Ihr neuer Ermittler?

Seine Kollegin sagt von ihm, dass er langsam zu einem Stein wird. Dagegen steht, dass er getrieben wirkt. So, als würde etwas von ihm Besitz ergriffen haben, das er nicht unter Kontrolle bekommt. Das zu spielen, war wirklich eine für mich ungewöhnliche und spannende Aufgabe. Im Film erfährt man Schritt für Schritt, was die Figuren an Geheimnissen und Schuldgefühlen mit sich herum schleppen.

In Holzers erstem Fall geht es um zwei Tote. Warum ist der Krimi "Mörderische Stille" sehenswert?

Einerseits bekommt man als Zuschauer einen Kriminalfall. Jemand wurde ermordet, aber warum? Und wann? Und vor allem, von wem? Aber dazu lernt man Menschen kennen, die selber alle etwas zu verbergen haben, das zunächst nichts mit dem Fall zu tun zu haben scheint. Also eigentlich zwei Krimis in einem Film.

Welcher der drei ist Ihr Lieblingsermittler?

Was soll ich denn dazu sagen? Das ist ja, als würdest Du mich fragen, welches deiner Kinder magst du am meisten!

Warum verpassen die Autoren TV-Ermittler heutzutage fast immer einen Psycho-Tick?

Ist das so? Früher waren die deutschen Ermittler immer etwas zweidimensional. Pflichterfüller mit wenig charakterlichem Profil. Inzwischen versucht man, den manchmal etwas langweiligen Ermittlern mehr Tiefe und Eigenart zu geben. Der klassische Detektiv in der amerikanischen Literatur zum Beispiel hatte immer schon gerne einen Hau weg. Er trank zuviel oder war asozial und einsam, mit fragwürdiger Moral. Für eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen braucht man Figuren mit Brüchen, sonst werden die ja zu berechenbar.

Warum wohl gibt’s immer mehr Krimis – und warum sind es mittlerweile eigentlich zu viele? Seit 1995 haben ARD und ZDF die Krimi-Anzahl um 20.15 Uhr mehr als verdoppelt.

Unsere Fernsehzuschauer lieben offenbar Krimis! Die Sender dagegen neigen dazu, immer weniger Risiken einzugehen. Ein kleiner Teufelskreis aus Angebot und Nachfrage.

Geht Holzer in Serie?

Das hängt von mehr Faktoren ab, als mir allein. Mal sehen, wie der Erstkontakt beim Publikum ankommt.

Das Ermittler-Duo in "Mörderische Stille" ist deutsch-türkisch angelegt. Warum ist die Kombination "deutsch-türkische Zusammenarbeit" eine clevere Allianz – und gilt das Ihrer Meinung nach auch auf politischer Ebene?

Unser Ermittlerpaar spiegelt vor allem die Realität der Gegenwart in unserem Land. Man sollte nie aus dem Verhalten eines Menschen auf das all der anderen schließen, bloß weil sie aus einem fremden Land stammen. Meine türkische Kollegin im Film steht ja ebenfalls unter großer Spannung, denn sie stellt sich offen gegen die Erwartungen und Forderungen ihrer Familie. Was auf politischer Ebene zwischen Staaten abläuft und was die Begegnungen zwischen normalen Menschen untereinander im realen Alltag unterscheidet, das lässt mich oft hoffen, dass am Ende die Vernunft der Straße über den Hass der Straße siegt.

Multikulti steht derzeit mehr denn je auf dem Prüfstand. Glauben Sie noch, dass es funktionieren kann?

Natürlich, warum denn nicht? Aber dazu braucht es unter anderem klare Regeln und die Entschlossenheit, deren Einhaltung durchzusetzen. Mit ein paar markigen oder gut gemeinten Parolen ist es nicht getan.

"Mein Chef ist ein Arschloch – aber er ist gut im Bett." Wird Alberich diesen Satz, der in "Mörderische Stille" fällt, wohl irgendwann mal über Prof. Boerne sagen?

Wenn es nach Prof. Boerne ginge, könnte sie die erste Hälfte des Satzes gerne weglassen!

Holzer tanzt bekifft durchs Bild. Gab's in Ihrem Leben eine Joint-Phase und was halten Sie von der Cannabis-Legalisierung?

Sie ist fällig! Die Gründe dafür sind wesentlich überzeugender, als die Gründe dagegen. Meine Drogenerfahrungen halten sich in Grenzen, aber der Umgang mit dem Thema Rausch in unserem Land hinkt mächtig hinterher und entspricht noch sehr den ziemlich bigotten Ansichten unserer Vorfahren. Hier braucht es die richtige Aufklärung.

Welche Krimis schauen Sie privat?

Mein Interesse und meine Liebe gehört dem Film im allgemeinen. Krimis sind für mich nur ein Teil des Vergnügens. Und hey, unter bestimmten Umständen kann auch ein gutes Fußballspiel ein Krimi sein!

Wie geht's weiter mit Boerne – welchen Fall löst er als Nächstes?

Dazu muss ich erst einmal in Ruhe das Drehbuch lesen. Dazu habe ich noch etwas Zeit, denn gedreht wird wahrscheinlich erst im Juni 2017. Aber soweit ich weiß, geht die Reise diesmal in die Welt der bildenden Künste!

Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Derzeit läuft "Vier gegen die Bank", der Wolfgang-Petersen-Film, im Kino und im Januar startet dann "Blumen von gestern", ein wunderbarer Film von Chris Krauss. Außerdem haben wir gerade einen weiteren Kinofilm abgedreht, auf den ich mich schon sehr freue. Der heißt "Das Pubertier" (Leander Hausmann hat Regie geführtt) und basiert auf den sehr lustigen Geschichten, über die Jan Weiler in seinem gleichnamigen Buch geschrieben hat. Save the date! Der startet Anfang Oktober 2017.

Interview: Mike Powelz

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