"Das Sacher": Historienepos über das sündigste Hotel der Welt

Was wir bereits wissen
Liebe und Leidenschaft, Intrigen und Tod: Der aufwendige ZDF-Zweiteiler "Das Sacher" (16. und 18. Januar, 20.15 Uhr) setzt auf große Emotionen.

Darum geht's in "Das Sacher"

Silvester 1899: In der Lobby des Hotel Sacher begegnen sich zwei Ehepaare. Während die Verlegerin Martha Aderhold (Julia Koschitz) und ihr schriftstellerisch ambitionierter Gatte Maximilian (Florian Stetter) am liebsten auf dem Absatz kehrtmachen würden, zeigen sich Fürstin Traunstein (Josefine Preuß, "Das Adlon") und ihr Mann Georg (Laurence Rupp) erfreut über das Treffen. Die Begegnung birgt Sprengstoff, denn zwischen diesen vier Menschen entwickelt sich eine sexuelle Vierecksbeziehung – in Österreichs sündigstem Hotel.

"Das Sacher ist nur einer von vielen Schauplätzen des Films", sagt Produzentin Sarah Kirkegaard, "aber sicher der geschichtsträchtigste, denn in der Luxusherberge hat die echte Historie viele kleine Geschichten geschrieben."

Die Geschichte des Hotel Sacher

Der Gastronom Eduard Sacher eröffnete 1876 das Hotel de l’Opéra und benannte es kurz darauf in Hotel Sacher um. Als er 1892 starb, übernahm seine Ehefrau Anna den Betrieb. Produzentin Kirkegaard: "Das Sacher war lange der ideale Ort für diplomatische Verhandlungen, geheime Affären und dekadente Ausschweifungen – nicht zuletzt, weil es im und unter dem Hotel unzählige verschachtelte Gänge gab."

Wie ihr historisches Vorbild raucht die Hotelchefin Anna Sacher (Ursula Strauss) im Film Zigarren, züchtet Französische Bulldoggen und muss nach dem Tod ihres Mannes um ihre Konzession kämpfen.

Ursula Strauss über ihre Rolle als Hotelchefin Anna Sacher

"Sie ist eine der wenigen real existierenden Personen der Zeitgeschichte in unserem 200-Minüter", erklärt Regisseur Robert Dornhelm ("Anne Frank") im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. "Die übrigen Figuren aus dem riesigen deutschösterreichischen Starensemble decken unterschiedlichste Facetten der Epoche ab."

"Auch ich spiele keine historische Persönlichkeit", verrät GOLDENE KAMERA-Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic. "Meine Rolle, Vincent Zacharias, ist ein fiktiver Doktor der Juristerei, der eine große Lovestory hat. Was will man mehr?"

Edin Hasanovic im Video-Talk über den Dreh von "Das Sacher"

Das großartige Ensemble

Jürgen Tarrach ("Mogadischu") brilliert als ungarischer Graf Szemere, der als Dauergast eine Suite bewohnt. Robert Stadlober ("Krabat") spielt einen Kommissar, der eine unheilvolle Allianz mit der illegitimen Adelstochter Marie (Jasna Fritzi Bauer) schmiedet. Die junge Dame wurde als kleines Mädchen entführt und jahrelang gefangen gehalten in den Katakomben der Wiener Oper, die dem Sacher gegenüberliegt.

Warum Maria das Bindeglied der verschiedenen Gesellschaftsformen der damaligen Zeit ist, verrät Produzent Oliver Berben im Video-Talk:

Oliver Berben über den Dreh von "Das Sacher"

Ebenfalls zum Ensemble gehören der Kölner "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär als Schriftsetzer und Joachim Król als Kaufmann. Eine besonders pikante Rolle hat Philipp Hochmair: Als Erzherzog Otto darf er – nackt, die Männlichkeit nur mit einem Säbel bedeckend – aus einer Suite voller Mätressen stürmen und so Francesca von Habsburg- Lothringen zum Erröten bringen. Die echte, wohlgemerkt, denn die 58-jährige "nicht amtierende Kaiserin von Österreich" hat einen Kurzaufritt als Hotelgast.

Josefine Preuß erklärt ihren Part so: "Konstanze von Traunstein hat früh geheiratet und findet ihr Leben auf dem Landgut trist. Also beginnt sie ein Doppelleben als Autorin. In ihrem letzten Roman erzählt sie die Sacher-Story aus ihrer Sicht und zeigt die Verwicklungen der Traunstein-Familie mit dem entführten Mädchen Marie."

Josefine Preuß über ihre Rolle als Prinzessin in "Das Sacher"

Inszeniert von Regisseur Robert Dornhelm

Zuletzt verrät Regisseur Dornhelm, dass ihn eine besondere Geschichte mit dem Sacher verbindet: "1978 war mein Dokufilm 'The Children of Theatre Street' für den Oscar nominiert. Grace Kelly fungierte darin als Erzählerin. Bevor ich zur Gala flog, hat sie mir im Sacher die Haare gestutzt. Sie meinte, ich könne mich bei den Oscars nicht mit meiner Hippiefrisur sehen lassen."

Dornhelm sieht zudem Parallelen zwischen der politischen Situation vor rund 100 Jahren, die "Das Sacher" zeigt, und der Gegenwart: "Damals keimten Nationalismus und Intoleranz auf, und es wurden Schuldige gesucht. So wie heute. Mein Film bildet diesen Geschichtsverlauf im Kleinen ab."

Interviews und Text: Mike Powelz

Jan Josef Liefers geht fremd

Aber immerhin bleibt er dem Krimi-Genre treu: "Tatort"-Star Jan Josef Liefers übernimmt als Kommissar Holzer eine neue Ermittlerrolle.
Mehr lesen