"Kitchen Impossible 2": Tim Mälzer bittet zum Kochduell

Steigt zum zweiten Mal in den "Kitchen Impossible"-Kochring: Tim Mälzer (46)
Steigt zum zweiten Mal in den "Kitchen Impossible"-Kochring: Tim Mälzer (46)
Foto: © VOX
Die Kochshow-Revolution geht in die zweite Runde: Zum Start der neuen „Kitchen Impossible"-Staffel trafen wir den GOLDENE KAMERA-Gewinner zum kulinarischen Gespräch.

Vor einem Jahr brachten Tim Mälzer und VOX mit "Kitchen Impossible" ein frisches Aroma in das leicht fad gewordene Kochfernseh-Einerlei. In sechs Episoden trat Mälzer gegen einen anderen Spitzenkoch an. Das Prinzip: Jeder Kontrahent wird von seinem Gegner in zwei Länder geschickt, um eine einheimische Spezialität zu kosten und ohne Kenntnis von Rezept und Zutaten nachzukochen. Die Mischung aus ungekünsteltem Reality-Format, schmissigem Show-Duell und (ess-)kulturenübergreifender Reportage mauserte sich zum Quotenhit, der für den Grimme- und Deutschen Fernsehpreis nominiert wurde und jetzt in die verdiente zweite Runde geht. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit den Spitzenköchen Christian Lohse, Roland Trettl, Peter Maria Schnurr, Meta Hiltebrand und Mälzers "Kitchen Impossible"-Nemesis Tim Raue.

Trailer zur 2. "Kitchen Impossible"-Staffel (TV-Start: 29.1.2017)

Am 29. Januar um 20.15 Uhr zeigt VOX die erste von sechs neuen Episoden, in der Tim Mälzer erstmals gegen Sterneköchin Maria Groß in den Ring steigt. Ebenfalls neu mit dabei sind die Koch-Koryphäen Hans Neuner und Holger Bodendorf, mit denen sich Mälzer in den Sendungen am 5. Februar und 19. Februar duelliert, bevor es im Finale am 12. März zum großen Showdown mit Tim Raue kommt.

Warum Mälzer in drei Episoden die "Kitchen Impossible"-Bühne seinen geschätzten Kochkollegen überlässt und warum selbst Spiegelei mit Tomatensoße für großartiges Kochfernsehen sorgen kann, verrät uns der Gewinner der GOLDENEN KAMERA 2006 im Interview...

Tim Mälzer im Interview

Du bist ein Fan von neuen Ideen und mutig in Angriff genommenen Innovationen. Was ist neu an der zweiten Staffel von "Kitchen Impossible"?

Konzeptionell ist nichts geändert worden. Es sind neue Kollegen dabei. Und es wird Folgen ohne mich geben, in denen sich Menschen, die in der ersten Staffel gegen mich angetreten sind, noch einmal untereinander duellieren. Das ist auch der Kern von "Kitchen Impossible": Es ist kein Einzelformat, sondern ein großartiges Fernsehformat, das mit einer tollen Erzählstruktur herausragenden Meistern ihres Fachs die Möglichkeit beschert, all ihre Facetten darzustellen.

Es war also eine bewusste Entscheidung, in der zweiten Staffel das mediale Zugpferd hinter das Showkonzept treten zu lassen?

Es ist mehr oder minder auch einem eingeschränkten Zeitfenster geschuldet. "Kitchen Impossible" ist unglaublich drehintensiv. Wir drehen 16 Tage pro Folge, für eine 90-Minuten-Show. Und in Anbetracht dieser Tatsache ging einfach nicht mehr. Deswegen haben wir uns diese Möglichkeit überlegt und festgestellt, dass es ein Format ist, das es auch gut aushält. Das Schöne am Essen und Trinken ist, dass diese Geschichten nie zu Ende erzählt sein werden, weil sie nicht gescriptet oder gefaked sind. Du siehst reale Menschen im Rahmen von Kulinarik und das ist eine Geschichte, die auch noch in 150 Jahren erzählt wird. Ob sie dann noch im Fernsehen existieren wird, ist eine andere Sache.

Auf dem Pressematerial wirst Du zitiert mit: "Ich bin der beste Koch! Es gibt keinen Besseren als mich für diese Sendung!" – Klappern gehört hier offenkundig nicht nur zum Handwerk, sondern auch zum Showkonzept. Wie nah kommt diese "Joko gegen Klaas"-artige Wettstreitmentalität dem wirklichen Berufsbild des Kochs?

Wir machen sichtbar, dass schon ein Konkurrenzdenken vorhanden ist. Gerade bei „Kitchen Impossible“ ist es aber ein sehr respektvolles. Es machen nur Menschen mit, vor denen wir Respekt haben, die wir mögen und die wir dafür schätzen, was sie geleistet haben. Das wir hin und wieder eine andere Sichtweise auf die Dinge haben, ist ja normal. Beispielsweise Tim Raue und ich sind ein bisschen wie Feuer und Wasser. Aber wir haben einen derartigen Respekt davor, was der jeweils andere in seinem Metier leistet. Nur von dieser Warte aus können wir das Duell führen. Hätte ich keinen Respekt vor Tim, bräuchte ich nicht anzutreten. „Kitchen Impossible“ ist ein Wettstreit auf Augenhöhe. Am liebsten mag ich es sogar, wenn ich mich etwas drunter wahrnehme und aus der Underdog-Position agieren kann. Wenn der Gewinner auf dem Papier vorher feststeht, dann brauchen wir es nicht machen.

Tim-Mälzer-Teaser zur 2. "Kitchen Impossible"-Staffel

Du beschreibst Deine Arbeitsweise als "intuitiv, aus dem Bauch heraus, gepaart mit der Bereitschaft, Fehler zu machen". Inwiefern war und ist Dir das bei den "Kitchen Impossible"-Duellen ein Vorteil?

In der ersten Staffel war es definitiv ein Vorteil, denn die Leute haben nicht damit gerechnet, wie wertvoll diese Eigenschaft ist, aus dem Bauch raus reagieren zu können – solange man eine fundierte Grundausbildung hat. Jetzt haben meine Kollegen aber leider die Sendung auch gesehen und wissen besser einzuschätzen, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Dementsprechend haben sie Aufgaben gewählt, bei denen mir mein Bauchgefühl nicht mehr so stark geholfen hat und ich etwas präziser arbeiten musste. Aber generell hilft Bauchgefühl beim Kochen immer. Kochen ist gottseidank keine Rechenformel. Man lässt sich auf ein Produkt ein und in dem Begriff Lebensmittel steckt nicht umsonst Leben drin.

In den Koch-Challenges geht es darum, den jeweiligen Kontrahenten aus seiner vermeintlichen Komfortzone zu reißen. Nach welchen Kriterien habt Ihr die Orte und Gerichte für Eure "Gegner" ausgesucht? Sind das alles Restaurants oder Privatpersonen, die Ihr vorher wirklich selber kennt?

Ich würde sagen, dass Dreiviertel aller Locations von uns vorher besucht und kulinarisch getestet wurden – gepaart mit ergänzenden Vorschlägen aus der Redaktion. Ich habe ein paar Kollegen zu Gastronomen geschickt, deren Locations ich kenne und das jeweilige Gericht selber gegessen habe. Und wo ich selber gesagt habe: Boah, ich wüsste nicht, wie das geht! Ich setze mich also selbst als Maßstab an und wenn ich es nicht kann, dann können die anderen das auch nicht (lacht). Manchmal geht es aber auch darum, eine Geschichte zu zeigen, die man einfach nur schön fand. In der letzten Staffel hat mich Juan Amador zu einer Location nach Portugal geschickt, von der er sagt: Das ist das beste Essen, das ich je gegessen habe! Hier ging es ihm gar nicht darum, mich scheitern zu sehen. Das ist das Schöne bei "Kitchen Impossible": Manchmal geht es darum, den anderen mit einer unlösbaren Aufgabe zu konfrontieren. Und manchmal geht es einfach um den Respekt vor der Welt der regionalen Landesküche.

In der zweiten Staffel führen Dich die Challenges nach Prag, Lissabon, Berlin, Norwegen, Dubai und in die österreichische Bergwelt. Welche regionale Küche war Dir am fremdesten und warum?

Also Dubai ist jetzt in der Küche nicht unbedingt meine Welt. Und beim finalen Duell mit meinem Erzfeind Tim Raue gibt es einen Moment, wo es sehr stark um den philosophischen Ansatz beim Kochen geht. Da wurde mir ein Gericht serviert, das komplett anders gekocht worden ist, als ich jemals kochen werde und möchte. Da musste ich echt hart gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfen. Das ist ein Kampf, den Du siehst und spürst, denn ich muss etwas kochen, das ich widerlich finde.

Tim-Raue-Teaser zur 2. "Kitchen Impossible"-Staffel

Deinen Koch-Shows und Büchern ist das Bestreben anzumerken, das Kochen für den überforderten Konsumenten transparenter und nachvollziehbarer zu machen. Siehst Du Dich in erster Linie als Unterhalter oder als Prophet in Sachen guter Ernährung?

Ich wurde mal nach meiner Philosophie beim Kochen gefragt und habe geantwortet: Ich bin ganz froh, dass ich keine habe! Mmmh, gute Frage, die ich nicht wirklich beantworten kann. Ich sehe mich schon als Koch. Ich sehe mich und die Kollegen als jeweils eine der vielen Facetten des Kochens, die dieser wunderschönen kulinarischen Welt zusätzlichen Input geben. In "Kitchen Impossible" sieht man, wie wir uns einer Aufgabe stellen. Das ist hier die eigentliche Didaktik: Wer uns beobachtet, wird viel mehr über das Kochen lernen als bei jeder Kochsendung. Der wird sagen: Guck mal an – die probieren auch aus, die wissen auch nicht alles, die experimentieren und verzweifeln. Das einzige, was sie vielleicht mehr haben, ist ihr Ehrgeiz, es noch mal richtig zu machen. Es geht hier nicht um Rezepte, sondern um die Inspiration.

Also steht auch bei "Kitchen Impossible" ein didaktischer Auftrag dahinter.

Ich sage es immer wieder: Was das Kochen angeht, sollten wir mit dem Restaurantdenken aufhören. Die Leute sollen sich einfach an den Herd stellen. Wir haben diesmal ein Gericht aus Israel dabei: Tomatensoße mit Spiegelei! Das wird eine Dreiviertelstunde im Fernsehen gezeigt, wie sich ein 2-Sterne-Koch diesem Gericht annähert. Diese Folge ist unglaublich intensiv – mit der Geschichte des Originalkochs, den Bildern von Israel. Das ist großartiges Kochfernsehen. Spiegelei mit Tomatensoße!

Eine abschließende Frage zur GOLDENEN KAMERA: Wie sieht – abgesehen von Deinem Gewinn 2006 – Deine persönliche Beziehung zu diesem Fernsehpreis aus, der auf seine 52. Verleihung am 4. März zusteuert?

Für mich ist es das letzte große Event, das wir in Deutschland haben, das glamourös und weltmännisch ist, nicht zu viele Kategorien hat und eine spektakuläre Inszenierung mit tollen Performances bietet. Bei der 50. Jubiläumsgala war Danny DeVito mein absolutes Highlight – da haben wir mal dran geschnuppert, wie großes Entertainment funktionieren kann. Und wenn da dann „Klein-Timmi“ aus Pinneberg neben all den Weltstars auf der Bühne steht, ein großartiger und bewegender Moment. Außerdem stimmt das Gesamtpaket. Die Dinnerparty – sensationell! Selten eine so geil inszenierte Aftershow erlebt. Ein weiterer positiver Askpekt ist, dass sie wieder in Hamburg stattfindet. Das tut dem Niveau dieser Veranstaltung richtig gut. Ein ganz tolles Event!

Text + Interview: Alexander Attimonelli

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