"Tatort: Borowski und das dunkle Netz": Mord auf Bestellung

Kiel: Ein Kollege von Borowski und Brandt wird getötet – von einem Auftragskiller aus dem Darknet.

Nun ist bald Schluss – für Sarah Brandt: Sibel Kekilli, die in bislang zwölf Folgen die Ermittlerin an der Seite von Kommissar Borowski (Axel Milberg) war, will "mehr Freiraum für andere Projekte" und verabschiedet sich demnächst vom "Tatort". Dafür dreht sie im "Tatort: Borowski und das dunkle Netz" (19. März, 20.15 Uhr, Das Erste) richtig auf, macht ihren vorletzten Krimi kurzzeitig zum echten Actionfilm.

"Tatort"-Kommissar Axel Milberg im Video-Talk

Was passiert?

Ein Mann erschießt in einem Fitnessstudio einen Polizisten: Jürgen Sternow war Leiter des Dezernats Cybercrime beim Landeskriminalamt (LKA), das sich mit Internetverbrechen herumschlägt. Doch die Abteilung besteht, wie sich herausstellt, nur aus zwei schrägen Computernerds. Die erklären Borowski erst mal mit einem Trickfilm, wie das Darknet funktioniert, der versteckte Teil des Internets.

Grund: Der Mörder war ein per Mausklick dort bestellter Auftragskiller. Aber wer hat ihn engagiert? Womöglich ein Kollege?

Was ist das Besondere?

Den Mord inszeniert Regisseur und Drehbuchautor David Wnendt aus Sicht des Täters wie ein Egoshooter-Videospiel, er warnt vor den Gefahren des Überwachungsstaats und setzt Borowski, der sein Smartphone auf den Namen "Sabine" tauft und sogar mit ihm spricht ("Sabine, wie geht es dir?") digitalen Versuchungen aus. So viel Volkshochschule war lange nicht mehr in einem "Tatort". Davon abgesehen ist dieser Krimi einfach ein spannender Fall, der den Zuschauer gekonnt immer wieder auf falsche Fährten lockt. Borowski löst ihn dann ganz klassisch: mit analoger Detektivarbeit.

Wer ist dabei?

Wilde Verfolgsjagden, epileptische Anfälle, Computerhacks: Sibel Kekilli ist in diesem "Tatort" die treibende Kraft, sie rennt, klettert, krampft und kämpft. Dem kann allein Maximilian Brauer etwas entgegensetzen, der den nervösen Internetkiller sehr überzeugend als wirren Verschwörungstheoretiker spielt: "Es gibt keinen Fortschritt, nur immer neue Instrumente der Unterdrückung."

Michael Rastl wirkt als knorriger, vertuschungsfreudiger LKA-Chef Wolfgang Eisenberg wie aus der Zeit gefallen und von der ersten Minute an ziemlich übertrieben verdächtig.

Wertung

Ein vertrackter Fall, ein paar rasante Verfolgungsjagden, ein bisschen Borowski-Slapstick, dazu immer wieder unerwartete Wendungen: Gerade weil er das "So gefährlich ist das Internet"-Thema nicht allzu ernst nimmt, ist dieser neue Kieler „Tatort“ richtig gut gelungen.

Text: Michael Fuchs

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Illustration vom Darknet
Illustration vom Darknet
Foto: © picture alliance / MAXPPP
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