Das Darknet: Die dunkle Seite des Internets

Illustration vom Darknet
Foto: © picture alliance / MAXPPP
Böse Zungen behaupten, das Darknet sei alles hinter Seite eins der Google-Suche. Aber was ist das Darknet wirklich? Wir erklären, was man im Darknet findet und welche Vor- und Nachteile es hat.

Der Mörder trägt Kapuze, eine furchterregende Maske – und er schießt ohne Vorwarnung. Warum er tötet, ist ihm egal. Er tut es einfach, für Geld. "Das ist eine Dienstleistung. Service. Angebot und Nachfrage", sagt er später im Verhör. Seinen Auftrag bekam er über das Darknet, einen dunklen Teil des Internets, in dem sich jeder unerkannt bewegen kann. Was im "Tatort: Borowski und das dunkle Netz" (19. März, 20.15 Uhr, Das Erste) wie eine der üblichen skurrilen Verschwörungstheorien klingt, ist real. Und das wirkliche Darknet scheint noch düsterer als in unseren Vorstellungen.

Bildergalerie zum "Tatort: Borowski und das dunkle Netz"

Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) stoßen auf einen grausamen Fund.
Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli).
Sarah Brandt (Sibel Kekilli) sieht Austerlitz (Jochen Hägele) in Gefahr.
Die Cybercrime-Spezialisten Cao (Yung Ngo, li.) und Dennis (Mirco Kreibich, re.) überprüfen mit Klaus Borowski (Axel Milberg, Mitte) das Handy des Toten.
Sarah Brandt (Sibel Kekilli, li.) und Klaus Borowski (Axel Milberg, 2. v.l.) recherchieren mit den Kollegen der Abteilung Cybercrime Cao (Yung Ngo, 3. v.l.) und Dennis (Mirco Kreibich, re.).
Hagen Melzer (Maximilian Brauer, Mitte) erhängt in seiner Zelle. LKA-Leiter Eisenberg (Michael Rastl, li.) und Borowski (Axel Milberg, re.) verbuchen die Tat als ein Geständnis.

Verschlüsselter Datenverkehr im Darknet

Experten schätzen, dass es mindestens dreimal so groß ist wie das "normale" Internet. Ein gigantischer, praktisch rechtsfreier Raum, denn der Datenverkehr im Darknet wird verschlüsselt. Um in das "dunkle Netz" zu gelangen, muss man nur ein spezielles Internetprogramm herunterladen, den "Tor"-Browser, der die eigene Identität verschleiert. So perfekt, dass sich daran selbst der berüchtigte US-Geheimdienst NSA die Zähne ausbeißt.

"Ich wusste natürlich, dass es das Darknet gibt", sagt Axel Milberg, der als Kieler Kommissar Borowski versucht, den Auftragskiller zu finden. Anders als in seiner Rolle ist der Schauspieler im richtigen Leben beinahe ein "Nerd". Die digitale Technik fasziniert ihn: "Ich hatte schon immer ein Smartphone. 1995 ging das bei mir mit Handys los. Am Theater habe ich mir früher sogar extra eine kleine Tasche ins Kostüm nähen lassen, damit ich, wenn die Proben zu zäh waren, hinter der Bühne immer mal kurz draufschauen konnte. Ich gucke regelmäßig auf mein Smartphone."

"Tatort"-Kommissar Axel Milberg im Video-Talk

Für Milberg ist es vor allem ein Arbeitsgerät, er informiert sich über das neueste Weltgeschehen, beantwortet Fanpost und Journalistenanfragen. Das Darknet hat er bislang nicht genutzt. "Aber ich weiß, dass man dort alles kaufen kann – und zwar wirklich alles."

Gezahlt wird mit Bitcoins

Tatsächlich sehen die Onlineshops dort fast genauso aus wie Amazon oder Zalando: ein paar Fotos und Fakten zum Produkt, daneben ein Knopf, auf dem "Kaufen" steht. Doch hier geht es nicht um Bücher oder Schuhe, sondern um Drogen, Falschgeld, gestohlene Pässe und Kreditkarten und – Morde. Dutzende Seiten bieten Heroin, Kokain oder Cannabis an, in anderen kann man auch Waffen bestellen, Hackerdienste, Pornografie jeder Art. Die Läden heißen "Euroguns" oder "London Underground", die Verkäufer nennen sich "Doktor_XTC" oder "Gotmilk". Je nach Produkt oder Dienstleistung gibt es Mengenrabatt, Expressversand und Geld-zurück-Garantie.

ARD Ratgeber Internet erklärt Bitcoins

Dass der Handel im Darknet blüht, liegt auch an der Art der Bezahlung. Statt Euro oder Dollar überweist der Käufer Bitcoins, eine digitale Währung, die nicht über eine Bank, sondern über ein dezentrales, verschlüsseltes Netzwerk übertragen wird. So haben Behörden keine Chance, den Weg des Geldes zu verfolgen. Ein Bitcoin ist derzeit etwa 1125 Euro wert. Zwischen 300.000 und 500.000 US-Dollar, so errechneten Forscher der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, werden im Darknet mit Drogen umgesetzt – pro Tag. Daran ändern auch seltene Erfolge der Polizei nichts, etwa die Schließung der Plattform "Silk Road" im Jahr 2013. Es dauerte nicht lange, bis andere Drogenhändler die Lücke füllten. "Die Ermittler sind ja logistisch immer hinterher", sagt Milberg. "Sie sind nicht so gut ausgestattet wie die kriminelle Seite im Darknet."

Die guten Seiten des Darknet

Doch das verschlüsselte Netz hat auch seine guten Seiten. Denn in seinem Schutz gelangen Informationen aus Ländern an die Öffentlichkeit, in denen das Internet zensiert wird, etwa Iran, China oder Syrien. Freiheitskämpfer können sich über das Schattennetz austauschen und über Missstände berichten, ohne die Rache des Regimes fürchten zu müssen.

Netzaktivist Stephan Urbach über das Darknet

"Das Darknet ist nichts Böses", sagt einer der Ermittler im "Tatort". Auch in Deutschland nutzen es viele – um anonym zu bleiben. "Meine größte Angst ist nicht die vor dem Überwachungsstaat, zumindest nicht in Deutschland. Es gibt zurzeit größere Bedrohungen", sagt Milberg. Vor allem der Hass im Internet macht ihm Sorgen. "Es gibt immer mehr Gruppierungen, die Jagd auf Minderheiten machen. Deren Meinungen werden in der virtuellen Welt verstärkt und verfestigt."

Der sogenannte Echokammer-Effekt: Wer sich nur mit Gleichgesinnten umgibt, fühlt sich im Recht. Als Vater von vier Söhnen macht sich Milberg Gedanken, wie man Kinder vor den Gefahren des Netzes schützen kann: "Früher hat man gesagt, das Fernsehen macht Dumme dümmer und Kluge klüger. Das trifft heute auch auf das Internet zu. Es kommt darauf an, wie ich das Medium nutze."

Text: Michael Fuchs

Nicht verpassen: Die besten TV-Premieren der Woche

Die besten TV-Premieren vom 13. bis 19. März.
Montag, 13. März: "Pioneer" (22.05 Uhr, Arte).
Dienstag, 14. März: "Leg dich nicht mit Klara an" (20.15 Uhr, Sat.1)
Mittwoch, 15. März: "Viel zu nah" (20.15 Uhr, Das Erste)
Donnerstag, 16. März: "Kommissar Pascha" (20.15 Uhr, Das Erste)
Donnerstag, 16. März: "Desaster" (21.55 Uhr, Arte)
Freitag, 17. März: "Kommissar Marthaler - Die Sterntaler-Verschwörung" (20.15 Uhr, Arte).
Freitag, 17. März: "Ich will (k)ein Kind von dir" (20.15, Das Erste).
Samstag, 18. März: "München Mord: Einer der's geschafft hat" (20.15, ZDF).
Sonntag, 19. März: "Tatort: Borowski und das dunkle Netz" (20.5 Uhr, Das Erste). Foto: © NDR/Christine Schroeder
Sonntag, 19. März: "Celest & Jesse - Beziehungsstatus: es ist kompliziert" (21.45 Uhr, 3sat). Foto: ZDF / David Lanzenberg
In der TV-Woche vom 13. bis 19. März kommen Krimifreunde voll auf ihre Kosten.
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