Das sind die TV-Trends der Zukunft

Foto: Sean Gallup/Getty Images
Wer im Fernsehen vorn mitspielen will, muss heute wissen, was das Publikum morgen will. Wir haben die größten Produzenten nach den TV-Trends der Zukunft gefragt.

Es geht um Milliarden. Jahr für Jahr werden sie neu verteilt. Sehr oft an dieselbe überschaubare Riege von Produzenten, die dafür bekannt ist, große Filme nicht nur zu denken, sondern auch verwirklichen zu können. Allein vom ZDF fließt jährlich eine halbe Milliarde Euro in den deutschen Produktionsmarkt. Die ARD-eigene Degeto Film vergibt pro Jahr 400 Millionen. Dabei gehört es zum Kern des Geschäfts, schon heute zu wissen, was das Publikum morgen sehen will.

Wir haben bei acht der erfolgreichsten und innovativsten deutschen Produzenten und Entscheider nachgefragt, welchen Fernsehtrends die Zukunft gehört.

Internationalität

Ufa-Chef Nico Hofmann setzt auf Internationalität: "Entgegen der Donald-Trump-Philosophie öffnen sich die Märkte in unserem Bereich extrem. In Zukunft wird es auch um Koproduktions-Modelle gehen, darum, wie man mit Australiern, Engländern, Franzosen oder Amerikanern arbeiten kann." Die Fortsetzung der Topserie "Deutschland 83" sei da ein gutes Beispiel: "Hier handelt es sich um ein neues Produktionsmodell zwischen Amazon, Fremantle Media, RTL und uns. Es wird eine ganz andere Verbreitung geben, die Budgets steigen. Wir haben bei 'Deutschland 86' deutlich mehr Geld, damit auch mehr Freiraum. Man kann sich internationaler aufstellen, auch hinsichtlich des Castings. Ein anderes Beispiel ist unser nächstes Großprojekt 'Siegfried und Roy'. Da haben wir uns in den Verhandlungen um den Stoff gegen fünf amerikanische Konzerne durchgesetzt."

UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann verrät Details über seine Hitler-Serie

Hochwertig produzierte Serien

Christian Becker ("Fack ju Göhte", "Winnetou") sieht neben "einem Trend zu starken Frauenfiguren, dass die neuen Plattformen wie Netflix und Amazon mit ihren hochwertig produzierten Serien die Branche beflügeln. Auch andere deutsche Sender haben verstanden, wie wichtig spannende, neu erzählte Serien sind". Aktuell dreht Becker eine Realverfilmung von Michael Endes "Jim Knopf".

Mehrteiler

Allen Grund, positiv in die Zukunft zu blicken, hat ZDF-Filmboss Reinhold Elschot. Zwar sieht er bei Serien "noch Luft nach oben". Doch beim Fernsehfilm sei man weit vorn: "Als Nächstes kommt im März unser Dreiteiler 'Der gleiche Himmel', der uns in das geteilte Berlin des Jahres 1974 entführt. International läuft er als 'The Same Sky' und wurde als sechsteilige Serie bereits in zahlreiche Länder verkauft – da findet eine in Deutschland entstandene Serie ihren Weg in die Welt: herrlich."

Oliver Hirschbiegel über den Dreh von "Der gleiche Himmel"

Europäische Serien

Ein Stück in der Zukunft angekommen ist Michael Lehmann: "Wir haben mit Studio Hamburg UK eine Firma in London gegründet, über die sich schon einige spannende Projekte anbahnen. Und mit unserer Serie 'Credo' kommt 2018 die erste europäische Serie in der Welt der Hochfinanz ins TV."

Exklusivität

Oliver Berben, Mitglied im Vorstand der Constantin, hebt ein anderes Genre hervor: "Ich glaube, dass sich das Drama stärker entwickeln wird. Ende des vergangenen Jahres haben wir das mit einem speziellen Mehrteiler ausprobiert, der 'Familie' hieß und in dem wir realistisch, nicht geschönt oder schmonzettenhaft dieses Thema erzählen." Eine Herausforderung sei zudem für alle gleich: "Weil es mehr Konkurrenz gibt, müssen sich Anbieter, die Sender, die Streaming- und die Pay-Dienste genau überlegen, mit welchem Stoff sie ihr Publikum fangen. Und es gibt ein Zauberwort, das noch wichtiger wird: Exklusivität."

Oliver Berben über seine TV-Projekte 2017

Neue Erzählformen

Michael Souvignier ("Contergan", bekam die GOLDENE KAMERA 2008 als bester TV-Film) setzt auf mehr Leichtigkeit: "Deutsche Geschichte bleibt begehrt, aber nicht dunkel, sondern leichter erzählt." Neue Erzählformen "beleben auch das Genre Sitcom wieder", sagt er und freut sich, dass seine Serie "Einstein" gerade von Sat.1 verlängert wurde. Matthias Walther ("Der Bergdoktor") sieht die Branche "auf Wachstumskurs. Heute kann man jeden Stoff in ganz unterschiedliche Richtungen denken." Aktuell arbeitet er an einer dänischen Serien-Koproduktion mit TV2 Dänemark und dem ZDF.

Konkurrenz eröffnet neue Möglichkeiten

1000 Stoffangebote prüft die ARD Degeto Film jedes Jahr. "Wenn eine Geschichte kein Herz hat, sondern verkopft ist, hat sie es schwer", sagt Redaktionsleiter Sascha Schwingel. Neue Möglichkeiten täten sich auf etwa "durch die Zusammenarbeit von Degeto und Sky bei 'Babylon Berlin'".

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Text: Sabine Ulrich

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