Per Anhalter in die Liebesfalle: Der ZDF-Dreiteiler "Honigfrauen"

Die beiden Schwestern Catrin Streesemann (Cornelia Gröschel, l.) und Maja Streesemann (Sonja Gerhardt, r.) wollen per Anhalter zum Balaton zu kommen.
Die beiden Schwestern Catrin Streesemann (Cornelia Gröschel, l.) und Maja Streesemann (Sonja Gerhardt, r.) wollen per Anhalter zum Balaton zu kommen.
Foto: ZDF / Leo Pinter
Stasispione überwachten DDR-Bürger sogar im Urlaub in Ungarn: Das zeigt der ZDF-Dreiteiler Honigfrauen.

Sommer, Sonne – und Stasispitzel in Badehosen: Als die ostdeutschen Schwestern Maja (Sonja Gerhardt) und Catrin (Cornelia Gröschel) zum ersten Mal ohne ihre Eltern (gespielt von Anja Kling und Götz Schubert) an den ungarischen Plattensee, den Balaton, rei­sen, wird ihr Zelt mit Abhörwanzen ver­sehen. Da die attraktiven Mädchen am See viele Westdeutsche kennenlernen könnten, wittert die Staatssicherheit der DDR Flucht­gefahr und lässt die Teenager ab dem ersten Urlaubstag überwachen.

Dass dabei auch Bikinifotos auf dem Schreibtisch von Stasi­ Chef Mielke landen? Umso schöner für die Geheimpolizei! Agenten der sogenannten Balatonbrigade in Badehosen? Über dieses Tabuthema ist bislang nur wenig bekannt. Umso spannen­der, dass der ZDF­Dreiteiler „Honigfrauen“ die pikante Akte „Stasi im Urlaub“ 30 Jahre nach den Vorfällen öffnet und am Beispiel des Jahres 1986 zeigt, wie weit die scham­losen Spione gingen – nämlich bis zu Lei­besvisitationen auf der Luftmatratze.

Interview mit Anja Klink zu "Honigfrauen"

Anja Kling Kling spielt im ZDF­-Drei­teiler die Mutter der beiden Mädchen. Die 47­Jährige ist selbst im ostdeutschen Wil­helmshorst bei Potsdam auf­gewachsen und hat bereits mehrfach in TV­-Produktionen mitgewirkt, in denen historische Themen der DDR auf­ gearbeitet wurden, etwa die Geschichte des Frauengefängnisses Hoheneck in „Es ist nicht vorbei“ oder die friedliche Revolution von 1989 in „Wir sind das Volk“.

Gegenüber GOLDENE KAMERA erklärt Kling: „Honigfrauen wurden damals Ostmädchen genannt, weil sie wie Honig an den Westjungen klebten und sich dadurch Vorteile erhofften. Meiner Kennt­.nis nach gibt es bislang keinen Film über die Begegnungen der Ost­ und Westdeutschen am Balaton. Dabei war der See eines der wenigen Reiseziele, die auch den Ostdeut­ schen zugänglich waren. Wer das nötige Kleingeld hatte, konnte im Sommer nach Ungarn reisen. Dort traf er dann unwei­gerlich auf Westdeutsche, die auch am Plattensee urlaubten. Derart intensive Begegnungen waren quasi nur dort möglich.“

Interview mit "Honigfrau" Sonja Gerhardt

Der Mehrteiler lädt auch ein zur Reise in die verrückten 80er: Kostüm­bildnerin Maria Schicker wartet dafür mit zahlreichen Originalrequisiten auf: Stulpen, Schulterpolster und Moonwashed­Jeans. Schicker: „Damals haben die Ostdeutschen die damalige Westmode kopiert, eins zu eins, soweit möglich. Sie strickten und nähten alles selbst: Tischdecken wurden zu Röcken, Wohnzimmervorhänge zu Bikinis.

Mitunter wurden sogar Bettlaken blau gefärbt, um daraus eine Jeans zu nähen.“ Produzentin Natalie Scharf, die bereits das Flutdrama „Tsunami“ realisierte, ergänzt: „Ich wollte die Geschichte der Honigfrauen in sommer­lichen Farben erzählen, um zu zeigen: Das Böse versteckte sich nicht nur in finsteren Räumen, an deren Wänden Honecker­-Fotos hingen. Leichtig­keit, Sommerfri­sche und Esprit des ungewöhn­lichen Handlungs­orts sollten auch transportiert werden.“ Für Anja Kling ist das gelungen: „Auf dem Campingplatz am Balaton hat mich vieles an unsere eigenen Zelturlaube an der Ostsee erinnert. Das war schon lustig. Die Mode allerdings war wirk­lich eine Sünde. Ob Schulterpolster oder Moonwashed­-Jeans mit Karottenschnitt – danach sehne ich mich nicht zurück!“

Auch Hauptdarstellerin Sonja Gerhardt (hier im Interview) fand die Mode zwiespältig: „Die damaligen Bade­anzüge waren toll, obwohl sie einen un­gewöhnlichen Schnitt hatten: ganz schön eng. Daran musste ich mich erst gewöhnen.“ Gerhardt schlüpfte schon in viele zeitge­schichtliche Rollen, zum Beispiel für „Jack the Ripper“, „Ku’damm 56“ oder „Deutsch­land 83“. Zur DDR­Historie der 80er­Jahre hat sie als 28­Jährige wenig Bezug: „Ich wurde erst 1989 geboren. Eigentlich bin ich froh, dass ich die Teilung Deutschlands durch die Mauer nicht mitbekommen habe. Ich bin dankbar dafür, dass Deutschland wieder eins geworden ist und wir frei reisen können.

Start des Dreiteilers: So, 23. April, 20.15 Uhr im ZDF. Teil 2 und 3 an den folgenden Sonntagen: 30.4. und 7.5.

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Sonja Gerhardt: "Eigentlich bin ich froh, dass ich damals noch nicht gelebt habe"

Für den neuen ZDF-Dreiteiler "Honigfrauen" begibt sich Sonja Gerhardt mit Kollegin Cornelia Gröschel als schlagfertiges DDR-Schwesternpaar auf Urlaubsreise nach Ungarn im Jahr 1986.
Für den neuen ZDF-Dreiteiler "Honigfrauen" begibt sich Sonja Gerhardt mit Kollegin Cornelia Gröschel als schlagfertiges DDR-Schwesternpaar auf Urlaubsreise nach Ungarn im Jahr 1986.
Foto: dpa
Sonja Gerhardt ist im ZDF-Mehrteiler "Honigfrauen" (ab 23.04. im ZDF) in der Rolle der Maja zu sehen, einer selbstbewussten jungen Frau aus Erfurt, die 1986 mit ihrer Schwester Catrin (Cornelia Gröschel) Urlaub am Plattensee macht - und von der Stasi bespitzelt wird.
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