"Allmen"-Star Heino Ferch: "Lieber Dieb als Detektiv"

In der TV-Reihe zu Martin Suters "Allmen"-Krimis (ab 29. April, 20.15 Uhr, Das Erste) wird Heino Ferch zum Gentleman-Gauner. Ein Gespräch über die Kunst, genussvoll gegen den Strom zu schwimmen.

Heino Ferch ist der Meisterdieb Allmen

Saubermänner und Helden hat er oft gespielt: engagierte Experten, gute Gatten, versierte Verhörspezialisten. Nun wechselt Heino Ferch die Seite: In der neuen TV-Reihe um den Meisterdieb Johann Friedrich von Allmen, Hauptfigur aus Martin Suters Erfolgskrimis , gibt der 53-Jährige einen kultivierten Lebemann mit krimineller Ader, der reichen Auftraggebern gestohlene Kunstobjekte "zurückstiehlt".

Trailer zum Film "Allmen und das Geheimnis der Libellen"

Interview mit Heino Ferch zum "Allmen"-Film

Wie viel Allmen steckt in Ferch? Wir fragen nach:

Heino Ferch über seine Rolle als Meisterdieb von Allmen

GOLDENE KAMERA: Liebenswert oder ein Lump – wie lässt sich Allmen beschreiben?

Heino Ferch: Einst war Allmen vermögend. Doch er lebt ungesund, raucht und trinkt, liebt und lebt – und ist jetzt pleite. Nun sitzen ihm die Gläubiger im Nacken und er muss mit Anfang 50 von einer Luxusvilla ins Gartenhaus umziehen. Doch nach einer Liebesnacht mit einer wunderschönen Milliardärstochter entdeckt der liebenswerte Lump im Keller ihrer Villa eine riesige Kunstsammlung – und stiehlt wertvolle Gallé-Vasen.

Eine kriminelle Ader also …

Heino Ferch: Wie man‘s nimmt! Aus meiner Sicht schwimmt Allmen bloß gegen den Strom – denn er akzeptiert weder Disziplin noch Gehorsam und sträubt sich gegen bürgerliche Normen. Er lebt anders, als die sogenannte zivilisierte Menschheit. Und weil er obendrein ein Lebenskünstler ist, der die öde Existenz der Milliardärstochter mit angenehmen Gesprächen sowie Schönheit und Sex bereichert, verzeiht sie ihm seine Gaunereien. Ist das nicht herrlich?

Wie oft gehen Sie als Meisterdieb auf Sendung?

Heino Ferch: Vorerst zweimal. Auf die Libellen-Episode am 29.4. folgt am 6.5. „Allmen und das Geheimnis des rosa Diamanten“. Außerdem hat Martin Suter noch zwei weitere Allmen Romane geschrieben, die wir ebenfalls verfilmen wollen, falls die Zuschauer uns goutieren. Für mich wäre es ein Geschenk – denn ich habe Allmen mit großer Leidenschaft gespielt und bin gern jeden Morgen in die maßgeschneiderte, exzellente Garderobe geschlüpft. Ich würde gern mit so viel Freigeistigkeit durchs Leben gehen wie Allmen. Er hat keine Angst. Stattdessen ist er ein Philosoph.

Wie passen Philosophie und Verbrechen zusammen?

Heino Ferch: Gut! Allmen greift niemanden auf der Straße in die Tasche, sondern er bestiehlt jemanden, der ein paar Milliarden auf der hohen Kante hat. Zwar geht auch das gegen Gesetz und Moral, aber der Film ist schließlich Unterhaltung.

Welche Rolle spielt Finzi? Ist er mehr als nur ein Sidekick?

Heino Ferch: Allmen erinnert an „Die Zwei“ mit Tony Curtis und Roger Moore. Der Dieb und sein Diener führen die perfekte Beziehung: Einer stiehlt, der andere kocht. Und sie teilen dasselbe Weltbild.

Das müssen Sie näher erklären …

Heino Ferch: Das Duo ist kultiviert, smart, männlich und eloquent. Vor dem Drehstart haben wir uns viele Fotos von Cary Grant, Gregory Peck und Brian Ferry angeschaut. Denn wir wollten ein Gefühl entwickeln, wie moderne Dandys ticken. Mit der Allmen-Figur hat Suter ein Ausrufezeichen gesetzt – nach dem Motto: Schaut über den Tellerrand. Seid vorurteilsfrei. Genießt das Leben, wenn Ihr könnt. Denn irgendwann ist es zuende.

Sind Sie schon mal bestohlen worden?

Heino Ferch: Ja, vor einigen Jahren. Irgendwer hat während der Umbauphase in einem Hotel meine Frau und mich bestohlen. Die Diebe sind ins Zimmer eingedrungen, als wir schon schliefen – und sie haben irgendetwas gesprüht, so dass sie ungestört sein konnten. Als wir am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen erwachten, fehlten Uhren und Kreditkarten. Es war eine sehr unangenehme Erfahrung.

Und Ihr eigenes kriminellstes Delikt?

Heino Ferch: Hat stattgefunden. Aus Mangel an Barem habe ich in jungen Jahren mal einer feiernden Gesellschaft ein paar Flaschen entwendet – und bin dann durch die Hecke über den Zaun wieder zurück. Yippie-yeah.

Allmen raucht viel …

Heino Ferch: Das waren alles Kräuterzigaretten. Man kann sie inhalieren, ohne dass man dabei umkippt. Ich bin nämlich Nichtraucher.

Wie weit würden Sie für eine Rolle gehen? Würden Sie massiv zu- oder abnehmen?

Heino Ferch: Massiv zunehmen auf keinen Fall, weil ich mich dann sehr unwohl fühlen würde. Außerdem gibt‘s dafür längst Silikon und Fatsuits unter dem Anzug.

Sind Sie körperlich so gut in Form, weil Sie viel Sport machen – oder haben Sie einfach Top-Gene?

Heino Ferch: Ich mache viel Sport, achte aufs Essen – und trinke kein Bier.

Warum werden Sie kein „Tatort“-Cop?

Heino Ferch: Weil ich nicht einer unter – wie ich finde – zu vielen Kommissaren in diesem Land sein möchte, der am Sonntagabend nach Alibis fragt.

Machen wir den Lebemann-Check. Gilt der Spruch: „Wer den Penny nicht ehrt, ist des Talers nicht wert?“

Heino Ferch: Ja.

Sie reiten gerne. Doch wie schaut‘s aus mit Pferdewetten – und dem Glücksspiel?

Heino Ferch: Ich war schon mal auf der Rennbahn und im Casino - aber dort zieht mich nichts hin.

Ist Luxus Ihr Ding?

Heino Ferch: Absolut - aber Luxus ist die Zeit, die ich mit den Menschen verbringe, die ich liebe. Oder Luxus ist es Angebote annehmen beziehungsweise ablehnen zu können. Außerdem bin ich ein Freund guter Kleidung. Mit Jeans gehe ich nicht in die Oper. Und es ist schon toll, maßgeschneiderte Hemden zu tragen – durch „Allmen“ bin ich ein bisschen auf den Geschmack gekommen, auch, was Hemden mit Manschettenknöpfen betrifft. Seither mache ich auch den doppelten Windsorknoten in meine Krawatte.

Im Film hat Allmen ein Zigarettenetui als Glücksbringer.

Heino Ferch: Ich selbst besitze keinen Glücksbringer, aber ich ziehe mir z.B. beim Polo immer zuerst den linken Stiefel an – nie den rechten. Das ist eine gewisse Art von Aberglaube. Außerdem gehe ich, wenn ich auf der Straße stolpere, noch einmal zu der Stelle zurück.

Die "Allmen"-Filme im TV

29. April 2017: "Allmen und das Geheimnis der Libellen" (20.15 Uhr, Das Erste)

6. Mai 2017: "Allmen und das Geheimnis des rosa Diamanten" (20.15 Uhr, Das Erste)

Interview: Mike Powelz

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